ARD-Sonntagskrimi Der Wien-"Tatort" im Schnellcheck

Die Polizei wacht über Recht und Ordnung - aber wer wacht über die Polizei? Im Wiener "Tatort" geht es um Frauenfeindlichkeit und Folter im Kollegenumfeld.

ARD/ ORF

Von


Das Szenario:

Machos mit Dienstmarke: Nach einem Doppelmord im Umfeld einer Polizeischule ermitteln Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) gegen einen Ausbilder, der offensichtlich Polizeianwärterinnen tyrannisiert. Ein Einzelfall oder Frauenfeindlichkeit mit System?

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Die Tücken der Exekutive zu zeigen: Hier legen Gesetzeshüter die Gesetze zu ihren eigenen Gunsten aus. Klar, die Polizei wacht über Recht und Ordnung - aber wer wacht über die Polizei?

Die fieseste Figur:

Der Polizeiausbilder Thomas Nowak ist eine Macho ohne zweite Ebene. Doch auch wenn die Ambivalenz fehlt: Die ungekünstelte Kaltschnäuzigkeit, mit der Schauspieler Simon Hatzl den Testosteronbolzen spielt, ist geradezu körperlich unangenehm. Etwa wenn er Eisner verschwörerisch über die Kollegin Fellner raunt: "Die Alte leidet unter klimakterischen Hormonschwankungen."

Fotostrecke

8  Bilder
Wien-"Tatort": Die Polizei, dein Feind und Helfer

Die fröhlichste Figur:

Der "süße Clyde", der hier mit der "depperten Bonny" zusammen vollkommen überfordert kleine Verbrechen ausheckt und bei einer aus dem Ruder laufenden Einbruchstour Zeuge des Doppelmords wird. Trotzdem hat er immer gleich den nächsten kleinkriminellen Geistesblitz. Das Paar zählt zum klassischen Wiener Kleingangsterpersonal, das beim Ösi-"Tatort" auch bei ernsten Themen nicht stört. Eingeführt werden sie passenderweise, noch so ein freundlicher Rotlichteinfaltspinsel, vom Strizzi Inkasso-Heinzi.

Der Plausibilitätsfaktor:

Mäßig: Die Figuren sind zum Teil eindimensional, und dass Kommissarin Fellner aus dem Stand mal eben eine Polizeischule leitet, um dort heimlich zu ermitteln, strapaziert die Glaubwürdigkeit schon sehr.

Die Bewertung:

6 von 10 Punkten: Als Thriller über Testosteron und Korruption im Polizeiapparat manchmal etwas schlicht, aber Neuhauser spielt als ebenso labile wie agile Fellner erfolgreich gegen alle Schwächen an.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Wehrlos", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Fotostrecke

21  Bilder
Fotostrecke: Alle "Tatort"-Teams im Überblick


insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kostolanys 23.04.2017
1. Schlechte Laune
Sind die Wiener eigentlich alle so schlecht gelaunt?
kostolanys 23.04.2017
2. Wien im Stimmungstief?
Die in jeder Szene dargestellte schlechte Stimmung ist eigentlich nur schwer zu ertragen.
matteo51 23.04.2017
3. wieso?
Zitat von kostolanysSind die Wiener eigentlich alle so schlecht gelaunt?
wieso? ich habe mich krumm gelacht ob dieser "schlechten Laune"...ich sach nur: Jesuslatschendramatik!!!
geschädigter5 23.04.2017
4. Qualität
Es wäre sinnvoll, neben der Bildqualität endlich auch die Qualität der Sprache zu verbessern. Es sind nicht nur der Slang der Wiener, sondern vor allen Dingen auch das Genuschelte der Figuren sowie die großen Entfernungen bei der Aufnahme zu verbessern.
Klinsmeier 23.04.2017
5. schlechte Stimmung, passt schon!
In Sachen schlechter Laune am Arbeitsplatz sind die Wiener den Münchern Kollegen Leitmaier und Batic sicherlich ebenbürtig - aber die dürfen das, weil es hat Charme/Schmäh und Niveau: die oben abgebildeten vier Charaktere sehen aus wie aus der ersten Riege des Burgtheaters. Und die Bibi Fellner is mir eh so dermaßen sympathisch!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.