ARD-Sonntagskrimi Der neue Möhring-"Tatort" im Schnellcheck

Die Polizei, dein Freund und Fälscher? In diesem "Tatort" scheinen die Ermittler Falke und Grosz die ganze Zeit Fake-News zu produzieren. Sehr spannend, sehr smart.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Ein Fall, zwei Ermittler, drei ungeklärte Fragen: Die Festsetzung eines Libanesen, der unter dem Verdacht steht, Kriegsverbrechen begangenen zu haben, scheitert. Möglicherweise auch deshalb, weil der Flüchtige geheime Kontakte zu örtlichen Polizisten im niedersächsischen Lüneburg unterhielt. Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz) berichten bei internen Untersuchungen separat und subjektiv über die aus dem Ruder gelaufene Fahndung. Ihre Versionen klingen denkbar unterschiedlich. Warum spielen die beiden gegeneinander? Wer ist der Maulwurf in der Polizei? Und ist der Geflüchtete tatsächlich ein Kriegsverbrecher?

Der gesellschaftspolitische Auftrag:

Das Publikum anzuleiten, unterschiedliche Darstellungen von Wirklichkeit auszuhalten und zu hinterfragen. Die Polizei, dein Freund und Fälscher? Was Falke und Grosz im Gespräch mit dem Lüneburger Polizeichef erzählen, scheint hinten und vorne nicht zusammenzupassen. Das Thema Flüchtlinge und Kriegsverbrechen sind hier lediglich Aufhänger für einen vertrackten Rückblendenkrimi, der mit Fake- und Alternative-News spielt.

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Falke-"Tatort": Wer trickst hier wen aus?

Der schrägste Moment ökologischer Korrektheit:

"Der schmeißt alles in eine Tonne, ich fasse es ja nicht!" So schreit Kommissar Falke aufgebracht, als er einen Verdächtigen observiert, der mögliches belastendes Material nicht wertstoffoptimal beseitigt. Der Mann hat Probleme.

Der schönste Moment fleischlicher Lust:

"Geil, Männermarmelade!" So jubelt Kommissarin Grosz, als ihr ein Kollege zur nächtlichen Observation ein schönes Mettbrötchen mitbringt, das sie unverzüglich lustvoll verspeist. Die Frau hat eine bescheidene Vorstellung von Glück.

Der Plausibilitätsfaktor:

Recht hoch. Das Spiel mit den unterschiedlichen Wirklichkeitswahrnehmungen und Erzählstrategien der Ermittler wird smart in Szene gesetzt und schlüssig aufgelöst.

Die Bewertung:

8 von 10 Punkten. Kleiner, dreckiger Cop-Krimi, bei dem man über weite Strecken nicht weiß, welchem Ordnungshüter man glauben soll. Auch toll: Das hübsche Universitätsstädtchen Lüneburg sah noch nie so pittoresk verkommen aus.

Die ausführliche Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Alles was Sie sagen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
keiler70 22.04.2018
1. Das war
das beste, was ich seit langem im Tatort gesehen habe. Experiment gelungen! Chapeau!
gersois 22.04.2018
2.
Wenn die überflüssige, störende Musikuntermalung nicht geweswn wäre, hätte es mir besser gefallen. Ich weiß selbst, wann es spannend oder interessant wird. Dazu brauch ich keinen Radau über den Dialog getönt.
Little_Nemo 22.04.2018
3. Lüneburg, Stadt des Verbrechens
Definitiv ein Highlight der "Tatort"-Reihe. Wirklich pfiffig gemacht, atmosphärisch und spannend und klasse gespielt. Und obendrein ein neuer Baustein in der Entwicklung des Ermittlerduos. Über Kleinigkeiten wie die verblüffend scharfe und unverrauschte Vergrößerung eines bei Nacht geschossenen Standbildes aus einer Überwachungskamera sehen wir da gnädig hinweg. Sind wir ja von CSI gewöhnt. Der gekaufte Polizist erinnerte mich übrigens stellenweise frappierend an Prof. Harald Lesch. War mir mitunter tatsächlich nicht sicher ob er es womöglich ist. Mit Toupet, versteht sich.
peter_rot 22.04.2018
4. Nicht gesehen
Wir haben uns den Tatort bewusst nicht angesehen. Thema Flüchtlinge war schon mal ein Grund. Die Tatort-Qualität ist inzwischen so variierend, dass wir Tatorte nur noch sehr selektive ansehen. Vielfach spielt das Verhältnis Kommissar zu Kommissar(in) eine größere Rolle als die primäre Händlung. Für uns ist der Tatort als Serie inzwischen uninteressant. Wir schauen nur noch sehr selektiv und verpassen damit sicherlich auch gute Produkt. Aber ich kaufe im Supermarkt auch kein Produkt was mir nur alle 3 Wochen schmeckt.
ichbinswieder100 22.04.2018
5. Respekt
Endlich mal wieder ein gelungener Tatort: spannende Story, klasse gespielt, witzige Dialoge. Das Flüchtlingsthema ist so clever verpackt, daß es eigentlich in den Hintergrund tritt.
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