ARD-Sonntagskrimi Der Falke-"Tatort" im Schnellcheck

Bulgarische Einbrecher, deutsche Eigenheimbesitzer: Der "Tatort" über Gewalt am Stadtrand Hamburgs arbeitet mit starken Perspektivwechseln. Trotz kleiner Fehler ein Krimi für den mündigen Bürger.

NDR/ Christine Schroeder

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Das Szenario:

Der Stadtrand brennt. Eine Serie von Einbrüchen verunsichert die Bewohner im Süden Hamburgs, man droht, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) sollen mit einer "Super-Soko" für Ruhe und Ordnung sorgen - erreichen aber das genaue Gegenteil. Nachdem ein Einbrecher von einem Hausbesitzer erschossen wurde und die Kommissare gegen den Schützen wegen Totschlags ermitteln, geraten sie selbst ins Visier der Bürgerwehr.

Der Clou:

Dieser Krimi ist gleichsam von beiden Seiten des Gartenzauns erzählt: Er beginnt aus der Perspektive junger bulgarischer Einbrecher - und wird dann weiter aus der Sicht der Eigenheimbewohner erzählt. Die Einbrecher erscheinen nicht mehr als monströse anonyme Macht, die aufgebrachten Vorortler nicht mehr als Wutbürger-Attrappen. Das Publikum ist gefordert, weil Zorn und Mitgefühl nicht eindeutig ausgerichtet werden können. Ein schwieriger Balance-Akt, Fernsehen für den mündigen Bürger.

Das Bild:

Die Hände zittern, der Blick ist tot. Nachdem er den Einbrecher erschossen hat, sitzt der Eigenheimbewohner wie ein Schatten seiner selbst in seinem Wohnzimmer. Ob es sich um Notwehr oder Totschlag handelt, spielt erst mal keine Rolle: Die Tat hat dem Schützen nicht geholfen, sie hat ihn gebrochen.

Der Dialog:

Aus dem Zimmer seines Sohnes dringen gestelzte Sexgeräusche. Als Falke reinkommt, sieht er nur noch, wie der Junge etliche Porno-Seiten wegzuklicken versucht. Falke: "Was machst du da?" Sohn: "Bewerbungsmappe." Falke: "Mit einer Hand?" Sohn: "Ja, sogar mit links."

Der Song:

"Ignorance is Bliss" von den Ramones. Klar, eine sehr naheliegende Musikauswahl beim Ex-Punk Thorsten Falke. Hier nervt er die Kollegin mit diesem Song aus den späteren Tagen seiner alten Helden. In einer anderen Szene - nachdem er seinen Sohn wegen der Internet-Pornografie zusammengefaltet hat - entspannt sich Falke dann mit seiner Katze auf dem Arm bei einem Schluck Milch. Punk is Dad.

Die Bewertung

7 von 10 Punkten. Trotz einiger heikler Zuspitzungen und unplausibler Wendungen gegen Ende ein insgesamt aufwühlendes Spiel mit Topografie und Demografie: Die Innenstadt wird hier zum Alterssitz für Punks, die Vorstadt zum Kriegsgebiet.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Tatort: Treibjagd", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
kreuzberger36 18.11.2018
1. Wir haben wirklich...
Wenige gute Schauspieler in Deutschland! Und Herr Möhring..... na ja fleißig war er anscheinend. Aber Punk? Düsseldorf Rich Kid mit fetter Bude. Aber bin wohl nur neidisch! Viel Erfolg Pünk
Frust 18.11.2018
2. Und schon wieder
ein Gesinnungstatort. Der wievielte eigentlich in diesem Jahr? Der Norden war doch bestimmt schon ehemals mit von der Partie. Die ARD kennt offensichtlich nur noch Gesinnung, sinnfreie Quizsendungen oder Wiederholumgen. Und dafür muss ich alle 3 MonAte 52 Euro zwangsweise bezahlen. Das ZDF ist nicht viel besser, dort ist die Gesinnung aber auf politische Sendungen reduziert. Abgesehen vom seichten Seniorenprogramm - was durchaus gerechtfertigt ist - gibt es auch Sonntags ab und an gute ausländische Krimis.
a.wirth 18.11.2018
3. Unrechtsbewustsein
Mal sehen ob der Tatort heute mehr zu bieten hat wie der Polizeiruf vergangenen Sonntag.
Dramaturgen-Frau 18.11.2018
4. Falsch!
Zitat von kreuzberger36Wenige gute Schauspieler in Deutschland! Und Herr Möhring..... na ja fleißig war er anscheinend. Aber Punk? Düsseldorf Rich Kid mit fetter Bude. Aber bin wohl nur neidisch! Viel Erfolg Pünk
Wir haben eine sehr große Menge an guten Schauspielern in Deutschland. Die Theater sind voll von ihnen. Nur leider sitzen die Damen Casterinnen und Redakteurinnen lieber in ihren schicken überteuerten Büros und trinken, wichtig, wichtig, Espresso aus den teuren Siebdruckmaschinen, während sie auf dem Laptop nach Schauspielern suchen. Und die Absurdität geht jetzt soweit, dass sie nun schon seit längerem beginnen, den wirklich kleinen Pool an Schauspielern in Österreich zu plündern. Absurd. Aber so ist das, wenn man mit Anfang 30 nicht ins Theater geht und allen Ernstes meint, man könne den Film am Laptop zusammensuchen. Und Wulle Mulle Möhre ist nun, wie Sie andeuten, tatsächlich weit überbewertet. Franziska Weisz ist ihm da haushoch überlegen. Hat der eigentlich überhaupt ne Schauspielausbildung? Ich glaube, nicht. Und so macht er eben seine "Gegen Rechts"-Filme. So schafft die ARD beim Zuschauer 60+ den Pawlow'schen Reflex: "Ah, Wulle, gegen Rechts..." schnarch... Wie gesagt: Die Ösis heute Abend lohnen. Aber sonst...?!
kpdsu 18.11.2018
5.
Zitat von Frustein Gesinnungstatort. Der wievielte eigentlich in diesem Jahr? Der Norden war doch bestimmt schon ehemals mit von der Partie. Die ARD kennt offensichtlich nur noch Gesinnung, sinnfreie Quizsendungen oder Wiederholumgen. Und dafür muss ich alle 3 MonAte 52 Euro zwangsweise bezahlen. Das ZDF ist nicht viel besser, dort ist die Gesinnung aber auf politische Sendungen reduziert. Abgesehen vom seichten Seniorenprogramm - was durchaus gerechtfertigt ist - gibt es auch Sonntags ab und an gute ausländische Krimis.
Was ist denn das, ein Gesinnungstatort? Abgesehen davon, scheint mir das Szenario realistisch. Dass jemand sein Heim verteidigen will und im Zweifel den Einbrecher abknallt, weil die Polizei nix macht bzw. hilflos ist ist naheliegend. Und dass die Polizei, die dann gegen den Täter, der in der Bevölkerung Sympathien hat, ermittelt und selbst in die Kritik der Bevölkerung gerät auch. Gibts doch auch hier öfters: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sittensen-rentner-nach-toedlichen-schuessen-auf-einbrecher-verurteilt-a-999523.html oder http://www.spiegel.de/panorama/justiz/toedliche-schuesse-auf-einbrecher-in-hannover-verurteilt-wegen-totschlag-a-1068411.html oder http://www.spiegel.de/panorama/justiz/neuenrade-jaeger-erschiesst-einbrecher-a-1089460.html Was mich ärgert: warum wird der Wagen der Einbrecher nicht bewacht, war doch zu erwarten, dass das Mädchen zum Wagen kommt, wenn sie noch lebt.
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