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Hitze-"Tatort" aus Dortmund: Aus jeder Pore tropft die Wahrheit

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"Tatort" mit Jörg Hartmann: Diese Wut! Fotos
WDR/ Wolfgang Ennenbach

Pils gegen die Hitze? Keine gute Idee. Oder vielleicht doch. Bei Rekordtemperaturen in Dortmund werden schreckliche Wahrheiten transpiriert. Ein wütender, ein zärtlicher "Tatort" um Maskeraden und Identitätskrisen.

Ein Elend. Da sitzt der Kommissar wegen einer Dienstaufsichtsbeschwerde in der brütenden Hitze eines Hochsommernachmittags beim Psychologen, und dann fällt dem Typen nichts anderes ein, als ihn zu fragen, weshalb er Polizist geworden sei. Verächtlicher Blick vom Befragten - und eine Gegenfrage: Weshalb der andere denn Seelenklempner geworden sei?

Da bricht es aus dem Psychologen heraus, er pöbelt über seinen Job und die kaputten Charaktere, denen er zuzuhören hat. Die Frustjauche wird jetzt über dem Kommissar ausgekübelt. Und der glaubt zu wissen: Ah, ein Rollentausch! Ne, sagt der Psychologe, diese Wut sei echt.

Ein grandioser Einstieg in den Dortmunder Hitze-"Tatort", der auf erschreckend unterhaltsame Art von Rollen, Masken und Identitätskrisen erzählt. Der Asphalt glüht, zum Durstlöschen wird Pils gezischt. Bald rinnt, allen Techniken der Täuschung zum Trotz, die Wahrheit aus jeder Pore.

Panoramafenster und Panoramaneurosen

Im Zentrum des Falles stehen zwei Familien; der einen ist vor 15 Jahren das Kind entführt worden, die andere soll eben dieses entführte Kind unter falschem Namen großgezogen haben. Nun ist der Vater der Opferfamilie am Dortmunder Hafen erschossen worden. Wodurch die Ermittler Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) mit zwei unterschiedlichen Lebensentwürfen konfrontiert werden: Hier die luxuriöse Wohnburg des ermordeten Logistikmanagers mit Panoramafenstern und Panoramaneurosen, dort das sympathische Kleinbürgerglück im liebevoll geklinkerten Eigenheim. Na, welcher Familie würden Sie glauben?

Doch Vorsicht, dieser "Tatort", in dem wirklich jeder Charakter mit nasser Stirn mit der eigenen Identität hadert, unterwandert Vorhersehbarkeiten und Verhaltensmuster (Buch: Christian Jeltsch). Kein Zusammenbruch, keine Träne, keine Beamtenbeleidigungen etwa, als die Ehefrau des Ermordeten die Leiche ihres Mannes auf dem Obduktionstisch sieht. Stattdessen die Frage: "Was soll ich denn tun? Gibt es irgendeine Vorschrift, an die ich mich halten kann? Was macht man, wenn der eigene Mann da liegt?" Wieder so eine Rolle, die auszufüllen ist.

Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Dorn und Lessing in Weimar
Ist das noch ein Krimi? Nora Tschirner als Kommissarin Dorn und Christian Ulmen als Kollege Lessing lassen mit lässiger Eleganz die üblichen "Tatort"-Ermittlerstanzen ins Leere laufen - und das ausgerechnet im Einflussgebiet des MDR, wo man sich früher schwer tat mit Humor und Subversion. Die beiden sind leider höchstens einmal im Jahr in Weimar im Einsatz und müssen sich dann immer Beschimpfungen vom Gebührenzahler anhören. Im Frühjahr folgt endlich ihr dritter Fall. Auch wenn Krimi-Spießer zürnen: Dürfen gerne regelmäßiger in Erscheinung treten.

Murot in Hessen
Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr - Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge "Schwindelfrei" von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge "Im Schmerz geboren" 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Nach der letzten Folge, in der der reale Schauspieler Tukur auf den fiktiven Murot traf, gab es reichlich erzürnte Anrufe beim HR. Doch der verspricht: Es wird experimentell bleiben, ein weiterer Tukur-"Tatort" ist in Planung.

Tschiller in Hamburg
Wer ist der Größte im "Tatort"-Land? Til Schweiger schielt mit seinem Kommissar Nick Tschiller und seinen Actionblockbusterkrimis ganz eindeutig auf diese Spitzenposition. Beim letzten Doppel-"Tatort" nach dem Jahreswechsel holte man sogar Schlagerstar Helene Fischer ins Boot, um neue Quotenrekorde aufzustellen. Haute aber nicht hin, der Zweiteiler kam beim Publikum schlecht an. Da konnte selbst Schweiger mit Panzerfaust nicht viel anrichten, und auch der begnadete Sidekick und heimliche Hamburg-"Tatort"-Star Fahri Yardim als Kommissar Yalcin Gümer hielt die Zuschauer nicht. Die Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers und deren Zuschauerzahlen sind für Schweiger weiter entfernt denn je. Mal sehen, wie der im Februar startende Kino-"Tatort" ankommt.

Falke in Norddeutschland
Für immer Punk: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke hört linksradikalen Hardcore, ist immer nur in Absteigen zu sehen und trägt zum Schlafen wie zum Ermitteln ein fadenscheiniges Ramones-Shirt. Erst war er in Hamburg unterwegs, dann musste er Til Schweiger die Stadt überlassen und zog ins norddeutsche Umland ab. Als Bundespolizist kümmert er sich um extrem aktuellen Problemstoff: Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend. Zwischendurch gab es ein paar schlechte Folgen, aber zuletzt lieferte Möhring aus Salzgitter den besten "Tatort" zum Thema Flüchtlinge überhaupt. Nach dem Ausstieg von Petra Schmidt-Schaller übernimmt jetzt Franziska Weisz die Rolle der Co-Ermittlerin. Trotz schwieriger Zeiten eines der interessantesten TV-Reviere.

Boerne und Thiel in Münster
Der Prof und der Proll: Seit 2002 ermitteln Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Frank Thiel zwischen Keksdynastien, Kartoffelkönigen und Spargelkaisern. Der eine Snob und eng verbandelt mit der Münsteraner Honoratiorenschaft, der andere St.-Pauli-Fan und Outsider. Eine Kombination, mit der anfangs gekonnt grotesker Humor in den "Tatort" geschmuggelt wurde, der erschöpfte sich in den letzten Jahren aber in Gag-Kanonaden. Zwei Fälle im Jahr, fast immer von neuen Quotenrekorden flankiert. Mit den letzten Folgen hat man endlich wieder einen härteren Ton angeschlagen.

Voss und Ringelhahn in Franken
Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zu einander passen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich werden Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt. Ab Mitte April, vielversprechend.

Brix und Janneke in Frankfurt
Wie sind die denn drauf? So ausgeglichen wie Paul Brix (Wolfram Koch, l.) und Anna Janneke (Margarita Broich, r.) geht sonst niemand in Fernsehkrimideutschland zur Arbeit. Gute Laune als Alleinstellungsmerkmal, ein interessanter Dreh. Statt Reibung die geballte Aufmerksamkeit für den jeweiligen Fall. Brix war früher bei der Sitte, Janneke hat zuvor als Psychologin gearbeitet: Eine gute Ergänzung, um in die harten, kranken und doch oft auch heiter verdrehten Fälle des hessischen "Tatorts" hinabzusteigen. Auch nicht schlecht: der Gewitter-Chef (Roeland Wiesnekker), der auf den schönen Namen Riefenstahl hört, hehe. Im Mai absolvierten Brix, Janneke und Riefenstahl ihren ersten Fall - bester Neuzugang im "Tatort"-Kosmos seit langer Zeit.

Rubin und Karow in Berlin
Er ein Schwein, sie eine Schlampe: Im Gegensatz zu den einstigen sonnigen Haupstadt-Cops Ritter und Stark sind "Tatort"-Nachfolger Mark Waschke als Robert Karow und Meret Becker als Nina Rubin mit extrem schwarzen Strich gezeichnet. Während Karow in der ersten Episode krumme Geschäfte mit der Drogenmafia laufen hat, vergnügt sich Rubin bei SM-Spielchen in den Hinterhöfen von Kreuzberger Hipster-Bars. Neben krassen Charakterzeichnungen gibt es im radikal modernisierten Berliner "Tatort" vor allem stimmige Hauptstadtimpressionen. Zwei Folgen pro Jahr, das Debüt macht Lust auf mehr.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund
Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt– würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Beim Start 2012 ein bisschen gewollt, jetzt die Elite des deutschen Fernsehkrimis.

Eisner und Fellner in Wien
Der doppelte Espresso: Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Major Moritz Eisner mürrisch, praktisch, gut. An die 5000 Tassen Mokka und andere starke koffeinhaltige Getränke hat er seitdem in sich hineingeschüttet. Seit 2011 wird er von Adele Neuhauser als Bibi Fellner unterstützt, einer (meistens) trockenen Alkoholikerin mit Hang zur Halbwelt am Prater. Wien, düster und kalt wie ein kleiner abgestandener Schwarzer. Zwei Einsätze im Jahr, immer tut's weh, selten enttäuscht's. 2014 gab es den Grimme-Preis.

Batic und Leitmayr in München
Die ewigen Junggesellen: Seit 1991 sind Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr im Einsatz. Früher gab es die eine oder andere mit den Fällen verbundene Affäre, heute sind sich die beiden Burschen offensichtlich selbst genug. Sehr zärtlich und verschworen untereinander, gegen den Rest der Welt wird trocken ausgeteilt. Drei Fälle im Jahr, auch nach weit über 20 Jahren besitzen die beiden eine hohe Treffsicherheit. Haben gerade eine junge Profilerin und einen Ermittlerbubi an die Seite gestellt bekommen. So kann es noch 10 Jahre weitergehen.

Borowski in Kiel
Der Weltenwandler: Als Klaus Borowski ist Axel Milberg am besten, wenn er in Parallelkosmen von Psychopathen hinabsteigt – vielleicht weil Borowski selber nah am Wahnsinn gebaut ist. Seit 2003 dabei, stand bis 2009 sinnigerweise unter der Beobachtung einer Polizeipsychologin; 2011 übernahm Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die bislang allerdings noch mit der Betreuung überfordert scheint. Zwei bis drei Fälle im Jahr. War früher beim Publikum recht unbeliebt, hat mit spektakulären Folgen wie der über Crystal Meth aber in der Zwischenzeit kräftig zugelegt.. Der vielleicht klügste Ermittler im "Tatort"-Land."

Ballauf und Schenk in Köln
Das Ehepaar: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk standen lange für den guten alten Soziokrimi – kein Thema, das von den beiden nicht warmherzig wegermittelt und wegerklärt wurde. Schenk hat zu Hause eine Frau, die man noch nie gesehen hat. Aber mal ehrlich: Was kann die schon gegen seine große Liebe Ballauf ausrichten? Seit 1997 dabei, drei bis vier Fälle im Jahr. Nachdem Anfang 2014 Assistentin Franziska grausam aus dem TV-Revier gemordet wurde, geht es bei den Kölnern düsterer und unversöhnlicher zu. Steht den beiden "Tatort"-Oldies eigentlich ganz gut.

Blum und Perlmann in Konstanz
Mutter Courage und der Schnösel: Seit 2004 geben Eva Mattes als Klara Blum im Fairtrade-Look und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann im gut sitzenden Anzug das Gespann der Gegensätze. Sie guckt traurig bis empört, er gelangweilt bis genervt. Zwei bis drei Fälle im Jahr, waren am Anfang ziemlich gut, heute scheinen beide oft nur noch den Feierabend herbeizusehnen. Den bekommen sie bald: 2016 wird das Bodensee-Revier abgewickelt.

Odenthal und Kopper in Ludwigshafen
Die WG-Stoffel: Früher war Ludwigshafen das Labor des "Tatort". Hier gab es die schönsten amourösen Eskapaden und die verwegensten Storys – samt Ausflug ins All. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ist seit 1989 im Einsatz, Andreas Hoppe als Mario Kopper stieß 1996 dazu. Die offen lesbische Schauspielerin Folkerts durfte ihre Odenthal leider keine langlebige lesbische Liebe erleben lassen. Kämpft sehr mit sich, nach vielen öden Episoden kommt langsam wieder Bewegung in Personenführung.

Lindholm in Hannover und Umgebung
Die Frau von heute: Seit 2002 ist Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm in Niedersachsen unterwegs und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff der modernen weiblichen Ermittlerin. WG-erfahren, hochschwanger während brisanter Ermittlungen, später brachte sie Kind und Karriere gut zusammen. Lindholm ist die personifizierte Selbstoptimierung, im Herzen konservativ, aber offen für Experimente. Kurz: die Ursula von der Leyen des "Tatort". Früher zwei bis drei Episoden im Jahr, jetzt nur noch eine. Nicht immer großartig, niemals langweilig.

Flückiger in Luzern
Der Leisetreter: Nachdem Stefan Gubser als Reto Flückiger bereits einige Male als Gast bei Kollegin Klara Blum in Konstanz ermittelt hatte, bekam er 2011 ein eigenes Revier in Luzern. Bringt eine leise Note in den zur Hysterie neigenden "Tatort". In der desaströsen ersten Folge stand ihm noch Sofia Milos als Abby Lanning zur Seite, dann übernahm Delia Mayer als Liz Ritschard die weibliche Sidekick-Rolle. Sie spielt die erste offen lesbische Ermittlerin im "Tatort"-Verbund. Zwei Folgen im Jahr, sorgen oft für unaufgeregte Kontrapunkte.

Lürsen und Stedefreund in Bremen
Die ewigen Spontis: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund liefern sich ein schönes Wechselspiel. Wenn der Jungspund es zu wild treibt, setzt sie ihr strenges Gesicht auf, wenn die Chefin allzu viel Spaß hat, macht er den Miesepeter. Schnoddrig lösen die beiden auf diese Weise politisch aufgeladene Fälle. Links, launig, manchmal ein wenig zu laut. Sie ist seit 1997 dabei, er seit 2001. Zwei bis drei Fälle im Jahr. Immer gut – solange es den Kommissaren schlecht geht.

Lannert und Bootz in Stuttgart
Die Geschundenen: Richy Müller als Thorsten Lannert und Felix Klare als Sebastian Bootz sind prima Kerle. Der eine mit tragischer Undercover-Ermittler-Vergangenheit, der andere als ehrenhaft gescheiterter Ehemann. Sie liefern gute, korrekte Ermittlerarbeit – der manchmal aber die gute, korrekte Inszenierung fehlt. Seit 2008 im Einsatz, zwei bis drei Folgen im Jahr, da geht noch was.

Stellbrink und Marx in Saarbrücken
Der Zarte und die Harte: Seit 2013 ermitteln Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx in Saarbrücken. Er ist ein kiffender Gefühlsmensch, sie eine rabiate Analysemaschine. Man mag es in Saarbrücken in Sachen Charakterzeichnung eben gerne ein bisschen schlichter. Startete als Comedy-Krimi, wird jetzt langsam ernster. Zwei Folgen im Jahr, immer noch die große Baustelle der "Tatort"-Reviere.

Gespielt wird die Ehefrau des Toten von Maren Eggert, die im Kieler "Tatort" einst die, nun ja, unfehlbare Polizeipsychologin Frieda Jung darstellte. Im Dortmunder "Tatort" schwebt sie nun im Wickelkleidchen als Abbild einer reichen Pillenschluckerin durch ihre eigene Wirklichkeit und stellt dem Sohn der anderen Familie nach, den sie hartnäckig für ihren eigenen hält. Hat sie einen an der Waffel? Sucht sie im Gegenüber eine höhere Wahrheit? Und warum bietet ihr ausgerechnet die Down-to-earth-Kommissarin Bönisch an, mit ihr zusammen zu beweisen, dass das fremde Kind das eigene ist?

Regisseur Stephan Wagner hat unter anderem den Relaunch des Berliner "Tatort" vorangetrieben, und mit der ersten Folge der neuen Hauptstadtermittler den wahrscheinlich am schnellsten geschnittenen deutschen Fernsehkrimi aller Zeiten gedreht. Auch sein Dortmunder "Tatort" ist rasant montiert, doch die Kleinteiligkeit in den Sequenzen folgt konsequent der Dynamik der Interaktion und zeigt, was passiert, wenn wir uns in der Begegnung mit anderen Menschen erkennen. Blicke und Dialoge, hier fungieren sie als Plotbeschleuniger.

Auch wenn gesoffen (Faber und Kollegin Bönisch), geschrien (Faber und Kollege Kossik) oder verzweifelt gevögelt wird (Faber und eine unbekannte Imbisskraft): "Hundstage" ist ein zärtlicher "Tatort" geworden. Sogar Bönischs hämische Kommentare auf den Kollegen Faber kommen zwischenzeitlich wie Liebeserklärungen daher. Etwa als der Bekloppte bei 35 Grad im Schatten seine Kutte überwirft. Bönisch aufmunternd: "Schicke Klamotten!" Faber: "Ohne meinen Parka kann ich nicht denken!"

Vielleicht trägt Faber den schlammbraunen Lumpen aber auch nur, um noch mehr schwitzen und saufen zu können.

Bewertung: 9 von 10 Punkten


"Tatort: Hundstage", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Zum Autor
Saima Altunkaya
Christian Buß ist Kulturredakteur bei SPIEGEL ONLINE mit Schwerpunkt Medien und Gesellschaft. Seine Kollegen denken, er hat eine Macke, weil er nicht nur gefeierte US-Serien schaut, sondern auch jeden "Tatort". Doch der TV-Krimi ist nun mal mehr als ein Täterrätsel - er öffnet ihm ein Fenster in die bundesrepublikanische Wirklichkeit.

E-Mail: Christian_Buss@spiegel.de

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Welche Überraschung!
uis0157 29.01.2016
Ja, ja, Tatort Dortmund, den liebt Herr Buss, 9 Punkte, logisch. Wozu dann noch viele Worte?
2. Hammer
nexus32 29.01.2016
Die Tatorte aus Dortmund sind einfach der absolute Hammer. Die Dynamiken der handelnden Personen sind absolut sehenswert. Und (Hand aufs Herz) so ganz unrealistisch sind die persönlichen Lebensläufe und Handlungen der Hauprcharaktere nun wirklich nicht. Viele von uns haben auch Geheimnisse die sie mit anderen nicht teilen wollen. Manchmal nicht mal mit den engsten Angehörigen. Und wenn solche Menschen (die an sich selbst krank werden) dann in einem Mordfall ermitteln sollen, dann kann es nur spannend werden. Die Dortmunder Fälle sind auf jeden Fall immer stark erzählt.
3. Jaaaaaaaa
mariakäfer 29.01.2016
Ich freue mich....das beste Tatortteam zur Zeit. Ich liebe Herrn Faber und kann jeden Gefühlsausbruch nachvollziehen. Auch Frau Bönisch ist der Hammer.
4. Kann nicht
bonngoldbaer 29.01.2016
Glücklicherweise bin ich am Sonntag Abend "Unterwegs nach Cold Mountain" und brauche mir daher die Dortmunder Psychopathentruppe nicht anzusehen.
5. Danke!
he.ro.lito 29.01.2016
Je mehr man von Herrn Buß gelesen hat, desto eher weiß man ihn einzuschätzen. Dies hier ist eine Ankündigung, die mir Freude auf den Film macht, zumal auch noch Maren Eggert mitspielt! 9 von 10 Punkten für Herrn Buß.
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