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"Tatort" über Schweizer Eliteinternat: Jugend forscht - auf Koks

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Luzerner Tatort: Mandarin und Morde Fotos
ARD/ Daniel Winkler

Sind die Eliteschüler von heute die Verbrecher von morgen? Flückiger und Ritschard ermitteln im Schweizer "Tatort" zwischen Bankdirektorensöhnen und arabischen Prinzen.

Ein pausbackiger Junge spritzt beflissen Flüssigkeiten in kleine, helle Gummischläuche und hängt diese an eine Leine, die quer durch sein Schlafzimmer im Eliteinternat hängt. Jugend forscht? Na ja: Die Gummischläuche sind Präservative, bei der Flüssigkeit handelt es sich um Fremd-Urin. Das improvisierte Labor dient der Wissenschaft - aber noch mehr dem Geschäft.

Der Zimmergenosse vertickt Koks, der Jugend-forscht-Junge bietet dazu von Drogen unbelasteten Urin an. Den brauchen einige Schüler, da die auf den Ruf ihrer Lehranstalt bedachte Rektorin regelmäßig Drogentests durchführt. Wer kifft oder kokst, fliegt. Oder eben auch nicht.

Eine Schülerin dieses Eliteinternats wurde erst erschlagen, dann auf eine Landstraße geworfen und schließlich von einem LKW überrollt. Die Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) treffen bei ihren Untersuchungen auf eine Welt, in der es viele strenge Regeln gibt, aber eben auch viele Möglichkeiten, diese zu umgehen.

Unterrichtet werden Russisch, Mandarin und Arabisch; Söhne von Bankdirektoren und Emiren erhalten hier ihre Ausbildung, um später geschmeidig die Welt zu lenken. Wer will kann hinzufügen: Eine Ausbildung, in der Betrug eben als eine Art inoffizielles Nebenfach vorkommt.

Gegen dubiose Auswüchse der Schweizer Eliteförderung

Unter Mordverdacht gerät schnell ein arabischer Prinz, der offensichtlich in die Ermordete verliebt gewesen ist. Der Vater des Prinzen ist der Emir eines Erdölstaats, der Bruder agiert als Minister für dieses Land. In einem Nobelhotel residiert der Bruder samt Entourage auf einer ganzen Etage - und auf dieser, das müssen die Ermittler schnell lernen, gelten aus diplomatischen Gründen die Gesetze des Erdölstaats. Einmal, als der Minister-Bruder aus einer wichtigen Besprechung gerufen wird, sagt er erzürnt: "Die Herren von der Fifa sind sehr enttäuscht darüber, dass ich ihr Mittagessen so schnell verlassen musste." Katar lässt grüßen.

Der aktuelle Luzerner "Tatort" (Buch: Stefan Brunner, Regie: Markus Welter) trägt ein paar schöne Spitzen gegen die dubiosen Auswüchse der Schweizer Eliteförderung zusammen - doch leider fehlt der Story der Fokus. Unvergessen die Bodensee-Folge "Herz aus Eis" aus dem Jahr 2009, in der Eva Mattes als Klara Blum bei Untersuchungen auf einem Eliteinternat mit einem perfiden System aus Macht und Unterwerfung konfrontiert wurde. Von dieser Schärfe ist der Schweizer "Tatort" weit entfernt.

Vielleicht auch deshalb, weil die Polizisten doch sehr mit ihrem Liebesleben beschäftigt sind. Als man die tote Internatsschülerin im Sommerkleidchen und mit verdrehten nackten Beinen auf der Landstraße findet, fragt die Frau von der Spurensicherung die lesbische Kollegin Ritschard, ob das Opfer ihr denn gefalle. Später schleppt die kokette Forensikerin noch den kleinen Praktikanten zu sich nach Hause ab.

Flückiger lässt sich derweil von Ritschard für ein Rendezvous erklären, worauf Frauen stehen. Fortan sieht man den Kommissar in farbenfroher, gebügelter Freizeitkleidung durch die zusehends konstruierter daherkommende Handlung schweben. Tschuldigung, knittrig gefällt uns Flückiger besser.

Bewertung: 5 von 10

"Tatort: Kleine Prinzen", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Zum Autor
Christian Buß ist Kulturredakteur bei SPIEGEL ONLINE mit Schwerpunkt Medien und Gesellschaft. Seine Kollegen denken, er hat eine Macke, weil er nicht nur gefeierte US-Serien schaut, sondern auch jeden "Tatort". Doch der TV-Krimi ist nun mal mehr als ein Täterrätsel - er öffnet ihm ein Fenster in die bundesrepublikanische Wirklichkeit.

E-Mail: Christian_Buss@spiegel.de

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Klischee trifft Realität
jakam 11.03.2016
Ich war auf einem solchen Internat damals und darf ihnen versichern - Teenager sind Teenager. Es ist relativ egal, woher sie kommen, weil man im Internat mit der Aussenwelt eher wenig zu tun hat und die Herkunft nur kurz vor und in den Ferien wieder zum Tragen kommt. Klar, ein paar Lutscher gab es immer, die sich den vermeintlich "gewinnbringenden" Freunden angedient haben und als deren Skanks fungierten. Die waren aber eine kleine Minorität und sind daher statistisch betrachtet zu vernachlässigen. Ein Internat ist in der Tat ein kleiner Kosmos für sich, da die Mehrheit interne sind und die paar externen aus den umliegenden Dörfern meist eher wenig Einfluss hatten. Disziplinarkonferenzen geschehen auch innerhalb der Schule und die gefühlte Immunität vor der Justiz der Aussenwelt hat tatsächlich den einen oder anderen jungen Wilden ganz schön derbe Dinge tun lassen. Nicht so extrem wie im Tatort, aber teilweise auch ganz schön nah am Rand der Illegalität. Teenager sehen das aber nicht so, für sie geht es um Spaß in der Freizeit und - logisch - um das Freistrampeln von elterlicher/lehrerinduzierter Autorität. Aber - seien sie versichert - wir sind (fast) alle nach dem Abi von dieser seltsamen eigenen kleinen Welt losgelöst wunderbar ins echte Leben migriert.
2. Ihnen ist schon bewusst,
Teilzeitalleinerzieherin 11.03.2016
dass Sie mit Ihren wohlgesetzten Worten das Klischee vom arroganten Internatsschnösel aus Trefflichste bedienen?
3. Alter Hut!
sandbaum30 11.03.2016
Wer ein bisschen Einblick in die Eliteinternate hat, der weiß, dass es dort nicht nur an den Rand der Illegalität geht. Selten solche Moloche gesehen wie die, wohin die Elite ihren Nachwuchs schickt.
4.
carlitom 11.03.2016
Der arabische Prinz ist fern der Realität. Heutzutage findet man auf den europäischen Eliteinternaten vor allem Russen.
5. Bewertung seitens SPON
Küstenfreund 11.03.2016
Die Dresdener Katastrophe hat letzte Woche 8/10 bekommen. Heißt 5/10 der Tatort ist nun richtig schlecht?
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