Kopper verabschiedet sich mit Mafia-"Tatort" Ciao, Mario

Noch ein Einsatz gegen das organisierte Verbrechen, dann ist nach 57 "Tatorten" Schluss: Kommissar Kopper ermittelt ein letztes Mal in Ludwigshafen. Lena Odenthal muss künftig ohne ihn klarkommen.

SWR/ Roland Suso Richter

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57 "Tatort"-Folgen lang war er der Italiener vom Dienst. In den vergangenen 20 davon bedeutete das für Kommissar Mario Kopper und Darsteller Andreas Hoppe, 57, aber lediglich: Rotwein entkorken, Pasta zaubern, Grappa nachfüllen. Als WG-Genosse von Kommissarin Odenthal sorgte er mit italienischer Lebensart dafür, dass die gestresste Kollegin nicht vom Fleisch fiel und auch mal Chianti-selig eine Nacht lang durchschlafen konnte.

In jüngster Zeit aber goss Kopper nur noch Grappa nach und spülte ihn dann in einem traurigen Ein-Zimmer-Apartment alleine runter. Zwischen Darsteller Hoppe und SWR-Redaktion, so hörte man, herrschte eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Hoppe grollte theatralisch, die Drehbuchautoren schrieben ihn noch weiter in die Schmollecke.

Es drohte ein trauriger Abgang, Tod durch Tristesse. Umso schöner, dass ihm die Redaktion zum tatsächlichen (und nicht ganz freiwilligen) Abschied jetzt eine "Tatort"-Folge schenkt, die ganz auf den Italo-Cop zugeschnitten ist, eine italienische Mafia-Oper.

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"Tatort" über Mafia: Der Pate 2 1/2

Der SWR hatte ja schon 2016 seiner zuvor ebenfalls dramaturgisch sträflich vernachlässigten Fernsehermittlerin Klara Blum am Bodensee ein furioses Finale gegönnt, eine Art Fassbinder-Hommage, in der Hauptdarstellerin Eva Mattes auf legendäre Zeitgenossinnen aus der Hochzeit des Neuen Deutschen Films traf. Das Kopper-Arrivederci ist eine kleine Variation aufs große Mafia-Kino geworden, ein Angebot der Redaktion, das Hoppe nicht ablehnen konnte. "Der Pate 2 1/2".

Vorbild war "Der Pate"

Bezeichnenderweise wird in diesem "Tatort" auch nur am Anfang Grappa ausgeschenkt, als Kopper mit einem italienischstämmigen Jugendfreund auf die alten Zeiten anstößt: Sandro Giangreco (angenehm undurchsichtig: Michele Cuciuffo) wird offensichtlich von italienischen Gangstern gejagt, Kopper rettet den anderen, indem er einen der Verfolger erschießt. Dann taucht er mit ihm zusammen unter, während Kollegin Odenthal (Ulrike Folkerts) den Fall aufklären soll.

Als Thriller über das organisierte Verbrechen ist dieser "Tatort" (Buch: Patrick Brunken, Regie: Roland Suso Richter) überschaubar. Es gibt zwar lockere Verweise auf die neuen Bündnisse der sizilianischen Mafia, es gibt geraunte Hinweise darauf, wie die Cosa Nostra und die Stidda innerhalb der EU im großen Stil bei der Müllbeseitigung Subventionen abgreifen.

Und natürlich verdienen daran in diesem "Tatort" auch ein paar Ludwigshafener Honoratioren mit, die beim Edelitaliener ihre dubiosen Geschäfte besprechen. "Ganz legale, ganz bürgerliche Fassade", wie es einmal im Film heißt.

Von den komplizierten Kapitalströmen und den doppelbödigen Allianzen wie wir sie aus der Mafia-Serie "Gomorrha" kennen (dritte Staffel im März bei Sky) ist dieser "Tatort" aber weit entfernt. Das liegt in der Natur der Sache: Der Krimi richtet seine Aufmerksamkeit auf Kopper, der hier in einen Loyalitätskonflikt zwischen seiner Kollegin Odenthal, seinem Jugendfreund Sandro und seiner großen Liebe gerät. Letztere wird bald auch von der Mafia bedroht.

Am Ende, so viel dürfen wir verraten, sitzt Kopper in Sizilien am Strand. Schwierig vorherzusagen, wie erfolgreich es mit dem Schauspieler Andreas Hoppe nach dem Ausstieg aus Deutschlands mächtigster Krimireihe weitergeht, demnächst ist er in einer Folge der "Soko Kölsch" zu sehen - das "Tatort"-Nachleben seiner Figur Mario Kopper aber könnte nicht schöner sein. Der Blick geht aufs Meer, eine Sizilianerin im Sommerkleid tanzt in der Sonne, im Glas perlt ein gut gekühlter Weißwein. So kann es nach 57 Folgen "Tatort" auf immer weitergehen. Ciao, Mario.

Bewertung: 6 von 10 Punkten


"Tatort: Kopper", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 15 Beiträge
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heinrich-wilhelm 05.01.2018
1. Sehr schade!
Das Paar Kopper - Odenthal hat mich immer mit den Tatortfolgen versöhnt,die uns derzeit von der ARD zugemutet werden,unverständliches Genuschele der Darsteller, miese Stories und Cyberausflüge,die allenfalls für nerds von Interesse sind. Ciao Mario,werden dich sehr vermissen!
Bondurant 05.01.2018
2. warum
hat man eigentlich Koppers Figur nicht größer entwickelt? Wei das auf Kosten von Ulrike Folkerts gegangen wäre? wenn überhaupt, dann ist die Figur Odenthal jetzt "auserzählt", wie man so schön sagt.
wannbrach 05.01.2018
3.
Gott sei Dank möchte man sagen, denn die Krimi - Serie ist einfach eine Zumutung. Wie kann es sein dass Länder wie Schweden und England spannende Seiten produzieren und aus Deutschland kommt nur Müll.
marelli62 05.01.2018
4.
Zitat von wannbrachGott sei Dank möchte man sagen, denn die Krimi - Serie ist einfach eine Zumutung. Wie kann es sein dass Länder wie Schweden und England spannende Seiten produzieren und aus Deutschland kommt nur Müll.
Was reden Sie da? Habe ich 19 Schweden gesehen, habe ich alle gesehen.
ripley99 05.01.2018
5. Im Ludwigshafener Tatort war schon lange die Luft raus
Gelegenheit für einen Neuanfang, die Odenthal bräuchte wieder einen starken Gegenpol (in der Anfangszeit hatte der Chef diese Rolle, ist aber laaange her). Alternativ verdienter Ruhestand, der SWR muß die Reihe ja nicht naturgegeben mit drei Teams parallel bespielen. Genaugenommen sogar dreieinhalb, Heike Makatsch ermittelt ja auch noch vereinzelt in Freiburg, warum auch immer.
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