Schweiger-"Tatort" Der Böse und der Wicht

Eine Geiselnahme im "Tagesschau"-Studio, ein koksender Innensenator, außerdem ein "total irrer" und "total müder" Nick Tschiller: Im neuen Schweiger-"Tatort" gibt es nicht einmal Selbstironie ohne dicke Hose. Die Sendung im Check.

Gordon Timpen/ NDR

Eins kurz vorneweg: Die aktuelle "Tatort"-Doppelpackung mit Nick Tschiller ist vor einigen Wochen von den Verantwortlichen des Senders verschoben worden, als zu verstörend galten die Parallelen zu den Anschlägen von Paris. Verstörend zumindest für Til Schweiger dürften nun die mäßigen Quoten für den ersten Teil ("Der große Schmerz") gewesen sein, der am vergangenen Freitag ausgestrahlt wurde: 500.000 Zuschauer weniger, als zuletzt auf dem gleichen Sendeplatz die Weimarer Kommissare Ulmen und Tschirner einfahren konnten. Trotz Helene Fischer! Trotz Geballers! Trotz ballernder Helene Fischer!

Schuld daran tragen neben massenhafter Neujahrs-, Helene-Fischer- und Geballermüdigkeit wahrscheinlich die Kritiker. Vermeintliche Sesselfurzer, die Filme "besprechen", anstatt mal selber welche zu drehen. Journalistische Parasiten, die Til Schweiger (wie übrigens auch Luna Schweiger oder Helene Fischer) aus elitärer Missgunst und routinierter Gehässigkeit die Anerkennung versagen, die er selbst sich zollt. Diese Gestalten durften auf Betreiben Schweigers den zweiten Teil, "Fegefeuer", nicht früher sehen als alle anderen Leute auch. Schön hinten anstellen!

Geiselnahme im "Tagesschau"-Studio

Zähneknirschend streamt man sich dann halt den Tschiller - und los geht's mit feinstem Metafernsehen im Stil von Felix Murot. Judith Rakers ordnet gerade ihre Papiere in der "Tagesschau", als das Studio von vermeintlich "islamistischen Tschetschenen" gestürmt wird, die Geiseln nehmen und die Auslieferung einer kurdischen Kiezgröße fordern. Warum und wozu, dafür hätte man vermutlich den ersten Teil sehen müssen. Der Handlung kann man dennoch folgen. Man versteht ja auch "Stirb langsam 4", wenn man die ersten drei Teile verpasst hat.

Der Kurde hat im ersten Teil Tschillers Frau getötet und auch der Tochter (Luna Schweiger) wehgetan, was der Familienmensch mit der harten Schale verständlicherweise nicht auf sich beruhen lassen kann. Nun fahren Tschiller und der Kurde, beide arg ramponiert und übermüdet, durch die hanseatische Nacht und telefonieren viel. Der Kurde "gehört" Tschiller, wie Tschiller mehrfach gegenüber angeschlossenen Autoritäten betont, und Hamburg sieht aus wie Los Angeles. Brücken, Traversen, Autobahnzubringer im Neonlicht.

Eine ziemlich körperliche Veranstaltung

Das ist alles sehr männlich und wird nicht weniger männlich, wenn abgeklärte Frauen es auf dem Damenklo als "männlich" identifizieren. Da gibt es "Haare am Sack" und es wird "im harten Strahl gepisst", einmal verdienstvollerweise in einer Verfolgungsjagdpause an einen parkenden Lkw. Es kommt viel zu selten vor, dass fiktive Figuren im "Tatort" körperlichen Bedürfnissen nachkommen.

Überhaupt ist "Fegefeuer" eine ziemlich körperliche Veranstaltung. Es wird geblutet und gewürgt, geschlagen, getreten, gesprungen und abgerollt. Vor allem aber wird herumgefahren wie bei "Grand Theft Auto". Geschossen wird anderswo mehr. Klar getrennt sind die Mächte der Finsternis und des Lichts wie sonst nur in Hollywood, dessen Blockbuster-Handbuch Schweiger so gut studiert hat, dass er Nebenrollen so besetzt, dass am Ende der ethnische Proporz stimmt. Ethnischer Proporz ist gut.

Böse ist beispielsweise der koksende Innensenator, böser noch als der Kurde mit dem blattgoldenen Herzen. Böse ist "Natursekt" mit Minderjährigen und die Geiselnahme von Schwangeren. Böse ist es, den Forderungen von Terroristen nachzugeben. Böse ist der russische Inlandsgeheimdienst. Böse ist die Mafia, die sich den Hamburger Hafen unter den Nagel reißen will und die Kollegin, die nicht an das Gute in Tschiller glaubt. Gut sind Vatergefühle, Männerfreundschaften und Leute, die an Tschiller glauben.

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Tschiller ist gut. Tschiller ist auf Medikamenten. Tschiller ist stinksauer. Tschiller erschießt sein Handy. Tschiller trägt den Bösewicht huckepack ins Krankenhaus. Tschiller leitet beinahe die OP. Tschiller will wissen, wo er telefonieren kann. Tschiller bringt seine aufgebrachte Tochter mithilfe einer erzväterlichen Umarmung zur Vernunft. Tschiller macht Kaffeepause. Tschiller erschießt ein weiteres Handy. Tschiller zückt die Panzerfaust, macht damit aber nur ein Fluchtloch.

So geht's dahin.

Dabei lässt Tschiller sich fortwährend von Freund und Feind bescheinigen, er sei "total verrückt" respektive "total irre", wahlweise auch "total müde", weil gefoltert und trotzdem noch verhältnismäßig fit. Sogar bei der russischen Mafia verschafft er sich Respekt. Nicht mit der Wumme, sondern weil er total fies den Dialekt der Gangster nachmachen kann. Überhaupt ist Tschiller nicht annähernd so vernuschelt, wie ihm gerne unterstellt wird.

Tschiller freilich ist so identisch mit Schweiger, dass Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) dem Kurden erklärt, Tschiller käme - wie Schweiger - aus dem hessischen Heuchelheim, Heimat nur der "Härtesten". Nicht einmal Selbstironie gibt es hier ohne dicke Hose.

Das mag man alles hanebüchen finden und hölzern, unterkomplex oder einfach peinlich. Kein Wunder, es ist öffentlich-rechtliches Unterhaltungsfernsehen. Doch es soll "Tatorte" geben, die sich weniger trauen und damit mehr langweilen.

Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Dorn und Lessing in Weimar
Ist das noch ein Krimi? Nora Tschirner als Kommissarin Dorn und Christian Ulmen als Kollege Lessing lassen mit lässiger Eleganz die üblichen "Tatort"-Ermittlerstanzen ins Leere laufen - und das ausgerechnet im Einflussgebiet des MDR, wo man sich früher schwer tat mit Humor und Subversion. Die beiden sind leider höchstens einmal im Jahr in Weimar im Einsatz und müssen sich dann immer Beschimpfungen vom Gebührenzahler anhören. Im Frühjahr folgt endlich ihr dritter Fall. Auch wenn Krimi-Spießer zürnen: Dürfen gerne regelmäßiger in Erscheinung treten.

Murot in Hessen
Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr - Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge "Schwindelfrei" von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge "Im Schmerz geboren" 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Nach der letzten Folge, in der der reale Schauspieler Tukur auf den fiktiven Murot traf, gab es reichlich erzürnte Anrufe beim HR. Doch der verspricht: Es wird experimentell bleiben, ein weiterer Tukur-"Tatort" ist in Planung.

Tschiller in Hamburg
Wer ist der Größte im "Tatort"-Land? Til Schweiger schielt mit seinem Kommissar Nick Tschiller und seinen Actionblockbusterkrimis ganz eindeutig auf diese Spitzenposition. Beim letzten Doppel-"Tatort" nach dem Jahreswechsel holte man sogar Schlagerstar Helene Fischer ins Boot, um neue Quotenrekorde aufzustellen. Haute aber nicht hin, der Zweiteiler kam beim Publikum schlecht an. Da konnte selbst Schweiger mit Panzerfaust nicht viel anrichten, und auch der begnadete Sidekick und heimliche Hamburg-"Tatort"-Star Fahri Yardim als Kommissar Yalcin Gümer hielt die Zuschauer nicht. Die Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers und deren Zuschauerzahlen sind für Schweiger weiter entfernt denn je. Mal sehen, wie der im Februar startende Kino-"Tatort" ankommt.

Falke in Norddeutschland
Für immer Punk: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke hört linksradikalen Hardcore, ist immer nur in Absteigen zu sehen und trägt zum Schlafen wie zum Ermitteln ein fadenscheiniges Ramones-Shirt. Erst war er in Hamburg unterwegs, dann musste er Til Schweiger die Stadt überlassen und zog ins norddeutsche Umland ab. Als Bundespolizist kümmert er sich um extrem aktuellen Problemstoff: Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend. Zwischendurch gab es ein paar schlechte Folgen, aber zuletzt lieferte Möhring aus Salzgitter den besten "Tatort" zum Thema Flüchtlinge überhaupt. Nach dem Ausstieg von Petra Schmidt-Schaller übernimmt jetzt Franziska Weisz die Rolle der Co-Ermittlerin. Trotz schwieriger Zeiten eines der interessantesten TV-Reviere.

Boerne und Thiel in Münster
Der Prof und der Proll: Seit 2002 ermitteln Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Frank Thiel zwischen Keksdynastien, Kartoffelkönigen und Spargelkaisern. Der eine Snob und eng verbandelt mit der Münsteraner Honoratiorenschaft, der andere St.-Pauli-Fan und Outsider. Eine Kombination, mit der anfangs gekonnt grotesker Humor in den "Tatort" geschmuggelt wurde, der erschöpfte sich in den letzten Jahren aber in Gag-Kanonaden. Zwei Fälle im Jahr, fast immer von neuen Quotenrekorden flankiert. Mit den letzten Folgen hat man endlich wieder einen härteren Ton angeschlagen.

Voss und Ringelhahn in Franken
Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zu einander passen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich werden Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt. Ab Mitte April, vielversprechend.

Brix und Janneke in Frankfurt
Wie sind die denn drauf? So ausgeglichen wie Paul Brix (Wolfram Koch, l.) und Anna Janneke (Margarita Broich, r.) geht sonst niemand in Fernsehkrimideutschland zur Arbeit. Gute Laune als Alleinstellungsmerkmal, ein interessanter Dreh. Statt Reibung die geballte Aufmerksamkeit für den jeweiligen Fall. Brix war früher bei der Sitte, Janneke hat zuvor als Psychologin gearbeitet: Eine gute Ergänzung, um in die harten, kranken und doch oft auch heiter verdrehten Fälle des hessischen "Tatorts" hinabzusteigen. Auch nicht schlecht: der Gewitter-Chef (Roeland Wiesnekker), der auf den schönen Namen Riefenstahl hört, hehe. Im Mai absolvierten Brix, Janneke und Riefenstahl ihren ersten Fall - bester Neuzugang im "Tatort"-Kosmos seit langer Zeit.

Rubin und Karow in Berlin
Er ein Schwein, sie eine Schlampe: Im Gegensatz zu den einstigen sonnigen Haupstadt-Cops Ritter und Stark sind "Tatort"-Nachfolger Mark Waschke als Robert Karow und Meret Becker als Nina Rubin mit extrem schwarzen Strich gezeichnet. Während Karow in der ersten Episode krumme Geschäfte mit der Drogenmafia laufen hat, vergnügt sich Rubin bei SM-Spielchen in den Hinterhöfen von Kreuzberger Hipster-Bars. Neben krassen Charakterzeichnungen gibt es im radikal modernisierten Berliner "Tatort" vor allem stimmige Hauptstadtimpressionen. Zwei Folgen pro Jahr, das Debüt macht Lust auf mehr.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund
Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt– würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Beim Start 2012 ein bisschen gewollt, jetzt die Elite des deutschen Fernsehkrimis.

Eisner und Fellner in Wien
Der doppelte Espresso: Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Major Moritz Eisner mürrisch, praktisch, gut. An die 5000 Tassen Mokka und andere starke koffeinhaltige Getränke hat er seitdem in sich hineingeschüttet. Seit 2011 wird er von Adele Neuhauser als Bibi Fellner unterstützt, einer (meistens) trockenen Alkoholikerin mit Hang zur Halbwelt am Prater. Wien, düster und kalt wie ein kleiner abgestandener Schwarzer. Zwei Einsätze im Jahr, immer tut's weh, selten enttäuscht's. 2014 gab es den Grimme-Preis.

Batic und Leitmayr in München
Die ewigen Junggesellen: Seit 1991 sind Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr im Einsatz. Früher gab es die eine oder andere mit den Fällen verbundene Affäre, heute sind sich die beiden Burschen offensichtlich selbst genug. Sehr zärtlich und verschworen untereinander, gegen den Rest der Welt wird trocken ausgeteilt. Drei Fälle im Jahr, auch nach weit über 20 Jahren besitzen die beiden eine hohe Treffsicherheit. Haben gerade eine junge Profilerin und einen Ermittlerbubi an die Seite gestellt bekommen. So kann es noch 10 Jahre weitergehen.

Borowski in Kiel
Der Weltenwandler: Als Klaus Borowski ist Axel Milberg am besten, wenn er in Parallelkosmen von Psychopathen hinabsteigt – vielleicht weil Borowski selber nah am Wahnsinn gebaut ist. Seit 2003 dabei, stand bis 2009 sinnigerweise unter der Beobachtung einer Polizeipsychologin; 2011 übernahm Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die bislang allerdings noch mit der Betreuung überfordert scheint. Zwei bis drei Fälle im Jahr. War früher beim Publikum recht unbeliebt, hat mit spektakulären Folgen wie der über Crystal Meth aber in der Zwischenzeit kräftig zugelegt.. Der vielleicht klügste Ermittler im "Tatort"-Land."

Ballauf und Schenk in Köln
Das Ehepaar: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk standen lange für den guten alten Soziokrimi – kein Thema, das von den beiden nicht warmherzig wegermittelt und wegerklärt wurde. Schenk hat zu Hause eine Frau, die man noch nie gesehen hat. Aber mal ehrlich: Was kann die schon gegen seine große Liebe Ballauf ausrichten? Seit 1997 dabei, drei bis vier Fälle im Jahr. Nachdem Anfang 2014 Assistentin Franziska grausam aus dem TV-Revier gemordet wurde, geht es bei den Kölnern düsterer und unversöhnlicher zu. Steht den beiden "Tatort"-Oldies eigentlich ganz gut.

Blum und Perlmann in Konstanz
Mutter Courage und der Schnösel: Seit 2004 geben Eva Mattes als Klara Blum im Fairtrade-Look und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann im gut sitzenden Anzug das Gespann der Gegensätze. Sie guckt traurig bis empört, er gelangweilt bis genervt. Zwei bis drei Fälle im Jahr, waren am Anfang ziemlich gut, heute scheinen beide oft nur noch den Feierabend herbeizusehnen. Den bekommen sie bald: 2016 wird das Bodensee-Revier abgewickelt.

Odenthal und Kopper in Ludwigshafen
Die WG-Stoffel: Früher war Ludwigshafen das Labor des "Tatort". Hier gab es die schönsten amourösen Eskapaden und die verwegensten Storys – samt Ausflug ins All. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ist seit 1989 im Einsatz, Andreas Hoppe als Mario Kopper stieß 1996 dazu. Die offen lesbische Schauspielerin Folkerts durfte ihre Odenthal leider keine langlebige lesbische Liebe erleben lassen. Kämpft sehr mit sich, nach vielen öden Episoden kommt langsam wieder Bewegung in Personenführung.

Lindholm in Hannover und Umgebung
Die Frau von heute: Seit 2002 ist Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm in Niedersachsen unterwegs und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff der modernen weiblichen Ermittlerin. WG-erfahren, hochschwanger während brisanter Ermittlungen, später brachte sie Kind und Karriere gut zusammen. Lindholm ist die personifizierte Selbstoptimierung, im Herzen konservativ, aber offen für Experimente. Kurz: die Ursula von der Leyen des "Tatort". Früher zwei bis drei Episoden im Jahr, jetzt nur noch eine. Nicht immer großartig, niemals langweilig.

Flückiger in Luzern
Der Leisetreter: Nachdem Stefan Gubser als Reto Flückiger bereits einige Male als Gast bei Kollegin Klara Blum in Konstanz ermittelt hatte, bekam er 2011 ein eigenes Revier in Luzern. Bringt eine leise Note in den zur Hysterie neigenden "Tatort". In der desaströsen ersten Folge stand ihm noch Sofia Milos als Abby Lanning zur Seite, dann übernahm Delia Mayer als Liz Ritschard die weibliche Sidekick-Rolle. Sie spielt die erste offen lesbische Ermittlerin im "Tatort"-Verbund. Zwei Folgen im Jahr, sorgen oft für unaufgeregte Kontrapunkte.

Lürsen und Stedefreund in Bremen
Die ewigen Spontis: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund liefern sich ein schönes Wechselspiel. Wenn der Jungspund es zu wild treibt, setzt sie ihr strenges Gesicht auf, wenn die Chefin allzu viel Spaß hat, macht er den Miesepeter. Schnoddrig lösen die beiden auf diese Weise politisch aufgeladene Fälle. Links, launig, manchmal ein wenig zu laut. Sie ist seit 1997 dabei, er seit 2001. Zwei bis drei Fälle im Jahr. Immer gut – solange es den Kommissaren schlecht geht.

Lannert und Bootz in Stuttgart
Die Geschundenen: Richy Müller als Thorsten Lannert und Felix Klare als Sebastian Bootz sind prima Kerle. Der eine mit tragischer Undercover-Ermittler-Vergangenheit, der andere als ehrenhaft gescheiterter Ehemann. Sie liefern gute, korrekte Ermittlerarbeit – der manchmal aber die gute, korrekte Inszenierung fehlt. Seit 2008 im Einsatz, zwei bis drei Folgen im Jahr, da geht noch was.

Stellbrink und Marx in Saarbrücken
Der Zarte und die Harte: Seit 2013 ermitteln Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx in Saarbrücken. Er ist ein kiffender Gefühlsmensch, sie eine rabiate Analysemaschine. Man mag es in Saarbrücken in Sachen Charakterzeichnung eben gerne ein bisschen schlichter. Startete als Comedy-Krimi, wird jetzt langsam ernster. Zwei Folgen im Jahr, immer noch die große Baustelle der "Tatort"-Reviere.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 154 Beiträge
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Seite 1
stefan.martens.75 04.01.2016
1. Warum nicht auch so einen Tatort?
Was bitte ist los? Das ist Unterhaltung. Wir haben doch nun wirklich zu viele stink langweilige hochstilisierte, neurotische, metakomplexe Ermittler. Da werden wir doch wohl einen solchen ertragen ohne das unsere möchte gern Anspruchsneurotiker den Untergang der Welt erkennen. Für mich ist das immer noch bessere Unterhaltung als mindestens die Hälfte aller Anderen Ermittler aus Deutschland. Wenn man diesen Tatort kritisieren und besprechen will, dann doch bitte fair und Genretypisch. Ich rege mich doch auch, bei der Bulle von Tölz, nicht auf, dass kein Stunt vorkommt oder bei Thiel und Börne, dass der nötige Ernst fehlt. Dies ist ein Action Tatort und der Film hat durchaus schwächen und stärken. Versucht doch einfach mal eine Kritik des Films am eigenen Anspruch! Einen Ferrari kritisiere ich auch nicht dafür, dass ich meine Familie da nicht rein bekomme. Den Spiegel auch nicht dafür, dass Kim Kardashian nicht regelmäßig erwähnt wird......
durchfluss 04.01.2016
2. Gebühren verballert
Ich glaube ich fände eine Live-Doku "Till Schweiger auf der Couch" interessanter - wobei der Komplex eigentlich klar ist und das Bild mit der Panzerfaust mehr sagt als 5 Jahre Psychoanalyse...
Shivon 04.01.2016
3.
Ich fands gut. Schöner Kontrast zu den restlichen Tatorten! Realismus und Co. muss man nicht suchen, wenn man einfach unterhalten werden möchte und das war ich. Und in den nächsten Wochen kommen wieder Tatorte, bei denen ich einpennen (würde) und andere sich wieder erfreuen.
!!!Fovea!!! 04.01.2016
4. Abgesehen davon,
dass Nich Tschiller schlecht zu verstehen ist, frage ich mich tatsächlich, was für eine Schleichwerbung die letzten Tatorte für den zwangsfinanzierten ÖR sein sollen. Immerhin gab es nun Innenansichten, wofür der Steuerzahler gepresst wird. Hat man den keine neuen Darsteller mehr, so dass man Nachrichtensprecherinnen als Schauspielerinnen engagiert? Abgesehen von der abstrusen Story war der Tatort nur peinlich. Oder hat man aus Kostengründen in einem Tagesschaustudie gefilmt. Erbärmlich ist auch, dass Tagesthemensprecher sich für so einen Schund hergeben. Vielleicht haben sich gerade solche Tagessch/Tagesthemensprecher ihr Gehalt aufgebessert, nachdem der GEZ Zwangsbeitrag um ca. 0,50.-€ herabgesenkt wurde. Diese Art von Schleichwerbung für die ÖR ist von den Privaten abgeschaut, die immerhin werden nicht zwangsfinanziert, auch wenn der "Ich zahle gerne" Konsument immer meint, durch die beworbenen Produkte finanziert die Privaten mit genauso wie das ÖR. Fazit ist: Das das ÖR wieder einmal die Privaten kopiert, ob das letztenlich innovativ und intelligent ist, ist sehr zu bezweifeln, gerade in Hinsicht darauf, dass das ÖR sich als intelligentes TV ständig rechtfertigt um somit seine Zwangsgelder zu legitimieren. Armselig, einfach nur armselig. P.S.: Helene Fischer wäre im vorherigen Fall durchaus austauschbar gewesen, mit der darstellerischen Leistung und dem ca. 5 Sätzen die sie gesagt hat. Dafür hätte man auch eine x-beliebige Schauspielerin nehmen können, warum dann die Fischer, ein Kostenpunkt, über den man durchaus diskutieren kann, ob das notwendig gewesen ist.
naive is beautiful 04.01.2016
5. Erklärungsversuch eines völlig versemmelten Tatorts
Liebe Schweiger-Fans, leider müsst ihr jetzt ganz ganz stark sein. Auch wenn Til Schweiger keineswegs der einzige schauspielerische Reinfall dieses 'leider daneben' Zweiteilers ist: Er hat jedenfalls einen gewichtigen Anteil an diesem Durchfaller. Als mäßig begabter Schauspieler allemal, hier aber auch als Opfer seiner selbst: Nämlich weil sich irgendwelche Tatort-Autoren irgendwie genötigt oder befleißigt sahen, dem harten Till eine vermeintlich passend harte Rolle ins Drehbuch zu kesseln. Leider ging das völlig daneben, und heraus kam ein chaotischer Zweiteiler, ohne wirkliches Konzept, ohne Stringenz, ohne jegliche Anflüge von Realismus. Einfach nur Baller. Koks. Schrägdialoge. Mimikpeinlichkeiten. Skriptabgründe. Hauptsache spektakulär. Leider flach. Leider verschwendete Ressourcen. Und verschwendete Zeit. Ärgerlich. Noch ärgerlicher finde ich seit diesem Tatort übrigens die nicht wenigen Kommentarausbrüche zum ziemlich exakten Tatort-Gegenmodell aus der letzten Woche, nämlich dem Wiesbadener 'Tukur'. Den habe ich mir gleich zweimal angesehen (was höchst selten vorkommt), quasi zur Absicherung des ersten Eindrucks, und DIESER Tatort war seit vielen Jahren das geilste was die Serienmacher an Originalität, Hintersinn, Überraschungsei-Spaß zustande gebracht haben. Anders als dieser missratene Zweiteiler...
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