ARD-Sonntagskrimi Der neue Tukur-"Tatort" im Schnellcheck

Wenn Schießwut auf Zitierwut trifft: Der neue "Tatort" mit Ulrich Tukur beschwört Tarantino, Truffaut und Shakespeare, während die Figuren westernreif sterben. Ein grandioses ballistisches Ballett.

DPA

Was ist das Thema?

Wie aus Freunden Feinde werden. Kommissar Murot (Ulrich Tukur) trifft nach 25 Jahren auf Richard Harloff (Ulrich Matthes), ein einst nach Südamerika geflohener Ex-Polizist, der jetzt in Kaffee und Koks macht. Früher liebten sie dieselbe Frau, heute stehen sie auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes. Erst wird sich melancholisch an die alten Zeiten erinnert, dann mit Maschinenpistole aufeinander losgegangen.

Wie blutig ist die neue Folge?

Tarantino lässt grüßen. Dieser Rot in Rot daherkommende Gewalt- und Beziehungskrimi hat einen extrem hohen Bodycount. Blutfontänen spritzen hier allerdings schon mal in Form grafischer Spielereien in die Höhe. Sprich: Die Gewalt ist ästhetisch überhöht.

Gibt es einen gesellschaftspolitischen Auftrag?

Nein. Hier gilt wirklich das altmodische und doch irgendwie schöne Motto "l'art pour l'art". Eine tolle Abwechslung vom manchmal so ermüdenden Realitätsgebot anderer "Tatorte".

Wer sind die Macher?

Florian Schwarz (Regie) und Michael Proehl (Buch) sind ein eingespieltes Team. Sie haben unter anderem schon einen ziemlich irren Frankfurter "Tatort" über einen Club von schießwütigen Waffenschwestern gedreht und außerdem die preisgekrönte Folge "Weil sie böse sind". Meist geht es bei den beiden in Sachen Gewalt hoch her. Hier jedoch schießen nicht die Figuren um sich, bis am Ende 47 Tote im Staub liegen - hier ballern auch die Filmemacher rum. Mit Zitaten. Von Shakespeare bis zur Berliner Schule, von Truffaut bis Tarantino.

Und: Können wir das alles glauben?

Natürlich nicht. Aber haben Sie Tarantinos "Django Unchained" gesehen, weil sie eine realistische Abhandlung über die Sklaverei in den USA des 19. Jahrhunderts sehen wollten? It's art, stupid!

Lohnt das Einschalten?

Auf jeden Fall. Möglicherweise der beste "Tatort" des Jahres, definitiv der irrste!

Und wenn ich mehr über diesen "Tatort" wissen will?

Dann bitte hier weiterlesen!


"Tatort: Im Schmerz geboren", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Arno Frank kommentiert für uns den "Tatort" am Sonntag live auf Twitter.



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insgesamt 136 Beiträge
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Seite 1
cdrenk 12.10.2014
1. Warnung
Wenn SPON einen Tatort empfiehlt, ist er garantiert zum Abschalten.
herlock_sholmes 12.10.2014
2. Tatort vs. Tarantino
Ich gucke seit Jahrzehnten keinen Tatort mehr – vergeudete Lebenszeit. Allein schon der versuchte Vergleich mit Tarantino ist lächerlich. Tatort war, ist und wird immer nur eins sein: Trash
Mach999 12.10.2014
3.
Dann werde ich mir heute Abend wohl ein anderes Programm suchen müssen. Scheint ja ein richtig schlechter Tatort zu sein.
_meinemeinung 12.10.2014
4. Sch...Ballerei
Habe gelesen, es sollen 47 Menschen in 90 Min. abgeknallt werden - Massakerverdächtiger Rekord. Warum wird so was im ÖR Fernsehen gezeigt? Sollen wir alle darauf vorbereitet werden, gewissenlos alles und jeden abzuknallen? Mord als Gesellschaftsspiel? Was für eine perverse Gesellschaft....
erst_nachdenken 12.10.2014
5. Hoffentlich nicht zuviel Tarantino
Zitat von herlock_sholmesIch gucke seit Jahrzehnten keinen Tatort mehr – vergeudete Lebenszeit. Allein schon der versuchte Vergleich mit Tarantino ist lächerlich. Tatort war, ist und wird immer nur eins sein: Trash
Wenn dieser Tatort tatsächlich allzu deutliche Anleihen von Tarantino-Filmen präsentiert, ja dann dürfte diese Folge wirklich "Trash" sein. Von einem solchen, offensichtlich gestörten Regisseur/Drehbuchautor sollte sich KEIN Filmemacher irgendetwas abschauen.
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