"Tatort"-Mördersuche online SWR-Server hält Ermittleransturm nicht stand

Wer ist der Mörder? Diese entscheidende Krimi-Frage ließ der "Tatort" vom Sonntag unbeantwortet - und rief die Zuschauer auf, den Täter in einem Online-Spiel zu finden. Sehr modern, aber nicht ohne Tücken: Die Hobby-Ermittler ließen den Server beim SWR zusammenbrechen.

Szene aus dem SWR-"Tatort" vom Sonntag: Einer von diesen fünf Männern ist der Mörder
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Szene aus dem SWR-"Tatort" vom Sonntag: Einer von diesen fünf Männern ist der Mörder


Baden-Baden/Hamburg - Wer erinnert sich noch an den Decoder namens F.U.N.-Box? Er stand im Mittelpunkt eines früheren Versuchs des Südwestrundfunks (SWR), sich auf der Höhe der Zeit des Fernsehens mit technischem Mehrwert zu zeigen. Während der "Tatort"-Folge "Der schwarze Ritter" im Mai 2000 konnten die Zuschauer mit F.U.N.-Zugang kleine interaktive Spielereien mitmachen. Alternativ konnte man auf der Website des Magazins "TV Movie" teilnehmen. Von 700 Mitspielern blieben 50 bis zum Ende dabei, meldete damals der "Tagesspiegel".

Da war das neueste Experiment der SWR-"Tatort"-Redaktion publikumsträchtiger. Erstmals in mehr als 40 Jahren "Tatort" waren die Zuschauer dazu aufgerufen, den Mörder im Internet selbst zu ermitteln, wie der SWR am Montag in Baden-Baden mitteilte. Doch die Online-Tätersuche ließ am Sonntagabend kurzzeitig den Server zusammenbrechen.

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"Tatort" aus Ludwigshafen: Kleiner Halt im Pfälzerwald
Den SWR-"Tatort" mit Schauspielerin Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal verfolgten im Ersten durchschnittlich 8,37 Millionen Zuschauer. Nach Senderangaben war "Der Wald steht schwarz und schweiget" der Quotensieger vom Sonntag und mit einem Marktanteil von 24,6 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 19,3 Prozent.

Auch im Internet war der Andrang groß. Trotz des halbstündigen Server-Ausfalls beteiligten sich bis zum Montagmorgen rund 20.000 Fans an der Online-Ermittlung auf der Webseite sowie bei Facebook und Twitter. "Das Rätsel ist so angelegt, dass die Leute über mehrere Tage spielen können", sagte Guido Bülow, Social-Media-Manager beim SWR. Die Hobby-Ermittler sollen Indizien, Aussagen und Laborereignisse finden und interpretieren, damit der Fall der Staatsanwaltschaft übergeben werden kann.

Einige Internetnutzer hätten bereits den Täter ermittelt. "Das hat sicher einige Stunden gedauert", sagte Bülow. Das Spiel läuft noch bis zum 20. Mai. Dann veröffentlicht der Sender den Namen des Täters im Internet.

Ob Zuschauer ungehalten reagiert hätten, weil die Mördersuche im Fernsehen nicht abgeschlossen wurde, stehe noch nicht fest, weil noch nicht alle schriftlichen Reaktionen ausgewertet worden seien.

Das ZDF experimentiert schon länger mit Online-Fortführungen von Fernsehfällen, zum Beispiel 2011 mit dem Krimi "Wer rettet Dina Foxx?".

feb/dpa/dapd



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insgesamt 7 Beiträge
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Paul Panda 14.05.2012
1. Pfälzer Wald
Zitat von sysopSWRWer ist der Mörder? Diese entscheidende Krimi-Frage ließ der "Tatort" vom Sonntag unbeantwortet - und rief die Zuschauer auf, den Täter in einem Onlinespiel zu finden. Sehr modern, aber nicht ohne Tücken: Die Hobby-Ermittler ließen den Server beim SWR zusammenbrechen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,833069,00.html
Vom Online-Tätersuchspiel hab' ich zwar nichts gewusst, da ich Besuch bekam und die "Glotze" daher vorzeitig ausschaltete (und es hätte mich auch nicht besonders interessiert), aber ich fand es toll, dass der wunderschöne Pfälzer Wald endlich mal zur Geltung kam: Eine Region, die der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt zu sein scheint (größtes zusammenhängendes Waldgebiet in Deutschland) und die auf Grund ihrer Struktur, nachdem sie von den US-Streitkräften seit langem nicht mehr als Tiefflug-Übungsgelände genutzt wird, als Gebiet zum Wandern und als Kulisse für Krimis und Abenteuerfilme geradezu prädestiniert erscheint.
spon-facebook-10000353116 14.05.2012
2. Pseudomoderne Seh-Hör-und jetz auch noch Ratespiele.
Die modernen Tatortmacher haben vergessen,dass die meisten Tatortseher am Sonntagabend nur Unterhaltung möchten.Ich möchte nicht erzählt bekommen "das ein grosser schwarzer Käfer gerade über eine Hand läuft",obwohl ich dies gerade im Grossformat im Bild sehe. ich möchte auch nicht ,das mir jemand erzählt,dass jemand gerade an einem Holzstapel zur linken rechts vorbei geht. Was ich möchte ist ein Tatort mit guten Schauspielern,die auch sprachlich gut ausgebildet sind,und nicht solche Nuschler wie Till Schweiger,der schon nach einem neuen Vorspann schreit,ehe etwas von ihm gezeigt wurde. Ich möchte an einem Sonntagabend im ersten Programm,nur ganz normal unterhalten werden.Für anderes hat die ARD andere Kanäle .
callistonairi 14.05.2012
3.
Ansich eine gute Idee, das ganze dann auf's Internet auszudehnen, aber warum denn gerade das mit dem (altehrwürdigen) Tatort versuchen, wo doch ausgerechnet diese Sendung etliche der älteren Generation sehen? Meine Eltern sehen sich gerne den Tatort an, meine Mutter fiebert immer richtig mit und möchte dann am Ende natürlich auch einen Täter präsentiert bekommen. Weil sie das so seit Ewigkeiten kennen. Meine Eltern haben Internet und kennen sich damit aus, aber haben schlicht keine Lust, sich nach dem Tatort vom warmen Sofa ins kalte Büro zu setzen, um zu erfahren, wie es denn nun ausging. Nette Idee, aber vielleicht das falsche Publikum gewählt?
MarioDeMonti 14.05.2012
4. Eine gute Idee mit Schwung an die Wand
Zitat von sysopSWRWer ist der Mörder? Diese entscheidende Krimi-Frage ließ der "Tatort" vom Sonntag unbeantwortet - und rief die Zuschauer auf, den Täter in einem Onlinespiel zu finden. Sehr modern, aber nicht ohne Tücken: Die Hobby-Ermittler ließen den Server beim SWR zusammenbrechen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,833069,00.html
Von 8 Millionen Zuschauern haben sich 20.000, also noch nicht einmal ein Prozent, an der Tätersuche beteiligt. Und selbst das war zuviel für den Server. Mit was für einer Beteiligung hat der SWR denn gerechnet? Vielleicht denken die Programmverantwortlichen, dass es eh niemanden interessiert, wer bei einem Krimi der Täter ist. Außerdem scheint mir gerade der Tatort für so ein Experiment ungeeignet. Die einzelnen Folgen sind ja in der Regel in sich abgeschlossen und haben am Ende keinen Cliffhanger. Und jetzt soll man eine Woche auf die Lösung warten oder sich registrieren und sich einer stundenlangen Beschäftigungstherapie, inklusive Serverabstürzen, hingeben? Sorry, so spannend sind die Sonntagsabendkrimis nun auch wieder nicht, und bei (Online-)Spielen gibt es massenhaft bessere Alternativen. Dieser Tatort wird wahrscheinlich auch nie wiederholt, oder blendet man dann im Abspann den Namen des Täters ein? Eine gute Idee wäre dieses Format allerdings für Fortsetzungsserien, sprich jede Woche oder Monat ein spannendes, offenes Ende und zwischen den Folgen gibt es reichlich Raum für Online-Interaktionen (Zusatzinfos, Foren, Fanfiction, Spiele, ...).
pffft 14.05.2012
5. cui bono?!
Zitat von sysopSWRWer ist der Mörder? Diese entscheidende Krimi-Frage ließ der "Tatort" vom Sonntag unbeantwortet - und rief die Zuschauer auf, den Täter in einem Onlinespiel zu finden. Sehr modern, aber nicht ohne Tücken: Die Hobby-Ermittler ließen den Server beim SWR zusammenbrechen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,833069,00.html
warum die das gemacht haben? Na ganz einfach: jetzt haben sie einen amtlichen Grund, NOCH MEHR GELD zu fordern für ihren Internetauftritt. Geht ja nicht, sieht man ja. Wir senden ja jetzt auch im Internet. Medienkonvergenz und so Blödsinn.
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