Oligarchen-"Tatort" aus Dortmund Hilfe, die Russen wollen Borussia kaufen!

Flirt mit einem Oligarchen: Kommissarin Bönisch trinkt Kurze mit einem russischen Milliardär, Faber schmollt. Ein "Tatort" wie ein Wodka-Schwips - heiter, aber streckenweise neben der Spur.

WDR/ Thomas Kost

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Er ist einer der 100 reichsten Männer der Welt, mit seinem Unternehmen ComGas hat er Milliarden gemacht, wenn er etwas sieht, das ihm gefällt, kauft er es. Konkurrenten, Fußballklubs, Frauen. Oleg Kambarow (Samuel Finzi) ist ein Oligarch auf Einkaufstour, er hat stets einen Koffer mit Gelscheinen bei sich. Gerade hält er sich in Dortmund auf, weil er darüber nachdenkt, sich Borussia einzuverleiben.

Im Hotel hat Kambarow eine Blondine mit großem Durst kennengelernt, und weil die Kaschemme, in die er sie zum Wodkasaufen abschleppt, irgendwann schließen will, kauft er diese eben auch noch schnell. Dann singt er sehr elegant ein altes russisches Trinklied mit. Bei der Blondine mit dem großen Durst handelt es sich um Kommissarin Bönisch (Anna Schudt). Die hat bekanntlich Erfahrungen mit fremden Männern in teuren Hotels - jenes, in das der russische Oligarch abgestiegen ist, ist ihr Liebesnest für One-Night-Stands, wir kennen es aus früheren Dortmunder "Tatorten".

Bönisch mietet sich dort nun noch einmal unter dem falschem Namen ein, um undercover zu recherchieren: Am Stadtrand wurden verkohlte menschliche Überreste gefunden, wie sich herausstellt die Leiche eines Kampfsportlers, der offenbar für einen illegalen Fightclub gearbeitet hat. Die Spur führt ins Hotel. Hat Kambarow mit seinen Geldkoffern etwas mit den mörderischen Schaukämpfen zu tun?

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"Tatort" mit Faber und Bönisch: Die Promille-Polizei

Bönisch geht auf Tuchfühlung mit dem flotten Oligarchen, den Spaßverderber Faber (Jörg Hartmann) beruhigt sie mit den Worten, dass sie stets Dienst und Entspannung auseinanderhielte. Der Kollege verdutzt: "Ich dachte immer, Prinzipien wären gegen Ihre Prinzipien."

In seinen guten Momenten ist dieser "Tatort" wie ein Wodka-Schwips: schnelle Schlagabtäusche, warme Farben, im Abgang von sanfter Melancholie. Die Folge war eigentlich als Nachfolger zum drastischen, fatalistischen Terror-"Tatort" vom April 2017 gedacht, an dessen Ende Dortmund unter Asche und Leichenteilen begraben war. Man wollte eine hellere und hoffnungsvollere Story hinterherschicken, dann gab es Umbesetzungen, eine andere Folge wurde vorgezogen, Kontinuität geht anders. Im Episoden-Kuddelmuddel weiß man nun manchmal nicht so recht, was man mit der betonten Heiterkeit von "Tod und Spiele" anfangen soll.

Faber, die olle Motte

Dabei ist die Öffnung zum Licht auf Dialogebene wunderbar gelungen; Drehbuchautor Wolfgang Stauch, der zuvor ein paar der besten Rostock-"Polizeirufe" geschrieben hat, arbeitet im lakonisch runtergefahrenen Austausch der Figuren neue Facetten an ihnen hervor. Die alte graue Motte Faber etwa flattert hier rührend hoffnungsfroh Richtung Glühlampe, immer in der Gefahr, sich am ungewohnten Licht zu verbrennen.

Etwa bei dem Gespräch mit der Kollegin Dalay (Aylin Tezel), in dem er zum ersten Mal andeutungsweise über den Tod seines Kindes spricht. Dalay: "Ist doch das Schlimmste wenn ein Kind seine Eltern verliert." Faber lakonisch: "Andersrum ist schlimmer, die Kinder schaffen das schon. Hätte der liebe Gott verbieten sollen."

Das Gespräch bezieht sich auf den halbwüchsigen Sohn des ermordeten Kampfsportlers, den die Dortmunder Ermittler aufgreifen und im Revier schlafen lassen. Und an diesem Punkt wird es schwierig mit der forcierten Feelgood-Stimmung (Regie: Maris Pfeiffer). Denn die traurige Geschichte des Waisenjungen ist dann doch ein bisschen zu farbenfroh inszeniert, und der eigentlich extrem harte Subplot vom klandestinen Fightclub fürs besser verdienende Publikum, in dem arme Söldner aus dem ehemaligen Ostblock bis zum Exitus in den Clinch gehen, wird wie ein exotischer Goodie in die Handlung geworfen. Das geht am brutalen Thema vorbei.

Ermittler-Neuzugang Jan Pawlak (Rick Okon, ersetzt Stefan Konarske als Daniel Kossik) hat hier einen ersten körperlichen Einsatz, einer muss ja die Knochen hinhalten. Doch die Szenen tun einfach nicht weh, und die ewige Heiterkeit ist hier fehl am Platz.

Nicht dass wir etwas gegen eine etwas hellere Färbung von Deutschlands wohl düsterstem "Tatort"-Revier hätten. Wir wünschen uns doch auch von ganzem Herzen, dass Faber wieder ins Leben und Bönisch die Liebe findet. Und man muss diesen "Tatort" dann am Ende doch dafür loben, dass er in seinen verqueren zärtlichen Momenten die Möglichkeit aufleuchten lässt, dass das irgendwann zusammengehören könnte, ein Leben für Faber und eine Liebe für Bönisch.

Bewertung: 6 von 10 Punkten


"Tatort: Tod und Spiele", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

insgesamt 5 Beiträge
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hileute 05.10.2018
1. Bin gespannt
vor allem ob es Dialoge zwischen den kommissaren geht in deren Verlauf sie sich nicht gegenseitig anschreien, die habe ich nämlich im Dortmunder Tatort noch nicht gesehen;-)
gersois 05.10.2018
2. 6 Punkte
& Punkte von Herrn Buß sind eine Ansage. Der Tatort könnte also unterhaltsam werden
robin-masters 06.10.2018
3. Dortmund
Also Dortmund hat nach Polizeiruf Rostock die beste Dynamik zwischen den Personen.
ruzoe 06.10.2018
4. Na prima,
jetzt weiß ich auch, welches Getränk zum Pflichtfilm passt...
Little_Nemo 07.10.2018
5. Mal nicht über den Durst pilchern
Schreit mich da etwa zwischen den Zeilen Herrn Buß' Hoffnung an, Faber und Bönisch könnten am fröhlichen Ende ein trautes Paar werden? Ich bin alarmiert. Das wäre dann doch eher ein Fall für das ZDF-"Herzkino". Ich freue mich auf heute abend. Obwohl ich den letzten Dortmund-"Tatort" vergleichsweise schwach fand. Aber natürlich auf vergleichsweise hohem Niveau.
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