"Tatort" über Geldschmuggler: Die Gier im Visier
Kleiner Grenzverkehr der Sparfüchse und Gierlappen: Der Bodensee-"Tatort" zeigt, auf welche sonderbaren Ideen Menschen kommen, um Geld in die Schweiz zu schmuggeln. Ein interessanter Plot, der allerdings nicht in die Tiefe geht. Immerhin posiert Ermittlerin Blum kokett mit 'nem klitzekleinen BH.
Mit Geld verhält es sich ja oft wie mit Drogen: Wer einmal drauf ist, kommt nicht mehr runter. Die Gier ist hier wie dort das bestimmende Prinzip, ob man nun auf Euro oder auf Koks ist, und um diese Gier zu befriedigen, kommt man schon mal auf abstruse Ideen: Geldscheine im Wert von 10.000 Euro in einen Spazierstock zu stecken etwa oder 60.000 Euro in eine präparierte Bibel. Junkie-Irrsinn eben.
Besonders gut studieren - so legt die neue Episode des Bodensee-"Tatort" nahe - kann man diesen Irrsinn an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, an der Zollstation zwischen Konstanz und Kreuzlingen. Werden an anderen Demarkationslinien Koks und Marihuana gesucht, wird man hier vor allem auf undeklariertes Geld gefilzt. Woanders sind Drogenhunde im Einsatz, hier indes erschnuppert ein Vierbeiner Bares, das am deutschen Fiskus vorbei geschmuggelt werden soll.
"Money" ist denn auch der Name des Hundes im Krimi, der Scheine drei Kilometer gegen den Wind riechen kann wie Artgenossen eine Wurst. Sein Frauchen hat einen nicht ganz so sicheren Riecher fürs Monetäre: Zollbeamtin Marie Schreiber (Julia Koschitz, "Der letzte schöne Tag") hat Schulden an der Backe, nachdem sie für ihren Ex-Mann gebürgt hat. Sonderbare Situation: Einerseits sitzt ihr der Gerichtsvollzieher im Nacken, andererseits gehen fast täglich Bündel geschmuggelter Banknoten durch ihre Hände.
Klara Blum ganz kokett
Der Geldtransfer zwischen der Schweiz und Deutschland ist ein tolles Thema für den "Tatort" - aus dem in der Episode "Schmuggler" (Buch: Leo P. Ard und Birgit Grosz, Regie: Jürgen Bretzinger) leider nicht allzu viel gemacht wird. Wie der Hund vom Zoll die kleinen Steuerflüchtlinge auffliegen lässt, ist drollig anzusehen, diejenigen allerdings, die im ganz anderen Stil Geld über die Grenze schaffen, finden im Plot nicht so recht Platz.
Dabei hätte man im "Tatort" doch den perfekten Agenten, den man ins Milieu der großen Geldverschieber schleusen könnte. Ermittler Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) war bei Eröffnung des Bodensee-Reviers 2004 ein Yuppie, der sich als ideal erwies, um auf Tuchfühlung mit reichen Verdächtigen zu gehen. Einerseits drohte der schlecht bezahlte Bulle mit seiner Neigung zu teuren Anzügen und Uhren immer dem Charme des Geldes zu erliegen, andererseits trieb ihn der Neid dann erst recht dazu, die Geldsäcke dingfest zu machen.
Doch vom alten Ehrgeiz ist nicht mehr viel zu spüren: Über die acht Jahre, in denen er an der Seite von Kommissarin Klara Blum (Eva Mattes) ermittelt, ist er ein bisschen zu sanft geworden. Der Blick auf den ewig verhangenen Bodensee hat offensichtlich seine Aufstiegswut benebelt, seine kreative Missgunst gebändigt, es fehlt der Biss. Jetzt lässt sich Perlmann von der korrekten Chefin Blum an der kurzen Leine halten, verzichtet auf jene Extratouren, die ihn früher in interessante gesellschaftliche Grauzonen getrieben haben.
In diesem "Tatort" über den kleinen Grenzverkehr der Sparfüchse und Gierlappen verfolgt er nach dem Mord an einem Zollbeamten dienstbeflissen einen Inverstmentbanker, der für seine Kunden Geld von Deutschland in die Schweiz schafft. Aufrecht nimmt Perlmann dessen unstillbaren Hunger nach Reichtum ins Visier, lässt sich selbst aber nicht verführen.
Und der Dank? Einmal hält sich Klara Blum kokett einen klitzekleinen BH, den sie in der Wohnung des Ermordeten findet, vor die mütterliche Brust und zwinkert einladend. Nein danke, zwinkert Perlman zurück. Ach, wo ist denn nur der Antrieb des Polizisten hin? Gier kann kann ja auch ein Motor sein, beim geläuterten Yuppie Perlmann droht er nicht mehr anzuspringen.
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- Freitag, 27.01.2012 – 14:36 Uhr
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