Krimi-Vote Wie fanden Sie den Rächer-"Tatort"?

Archaische Morde in Hightech-Wohnwelten: Der München-"Tatort" kam als visuell bestechende, inhaltlich leicht verrutschte Horror-Groteske daher. Oder sind Sie anderer Meinung?

BR/ Hendrik Heiden

Je digitaler die Lebenswelt, desto analoger die Tötungstechniken? Im Münchner "Tatort" ging es um Smart-Homes und Smart-Puppen, getötet aber wurde mit geradezu archaischen Waffen wie Machete und Pfeil und Bogen. Ein selbsternannter Rächer machte Jagd auf Täterväter, die ihre Kinder missbraucht haben. Der Mann tötete im Weihnachtsmannkostüm, Einlass in die hochgesicherten Eigenheimwelten erreichte er mithilfe computerisierter Puppen, durch die er die Kleinen manipulierte.

Ein Plot, der oft kunstvoll ins Groteske übersteigert wurde. In unserer Kritik schrieben wir: "Als Genre-Arbeit zwischen Spielzeug-Horror à la 'Chucky' und Home-Invasion-Thriller im Stil von Michael Hanekes 'Funny Games' hält dieser 'Tatort' bis zum Schluss ein hohes formales Niveau. Problematisch wird es allerdings dort, wo der Missbrauchs-Plot ausgesponnen wird." Wir gaben sieben von zehn Punkten. Wie bewerten Sie den Krimi?

Der 81. Fall von Batic und Leitmayr ist übrigens bereits abgedreht, er spielt unter Surfern in der Münchner Eisbach-Szene, trägt den schönen Titel "Die ewige Welle" und führt bis ins portugiesische Big-Wave-Surferparadies Nazaré.

cbu



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Alexis_Saint-Craque 03.12.2018
1. Modern
Das Phänomen des Kaperns ist doch nicht unerheblich modern. Ein sehr zeitgemäßer Blick.
troy_mcclure 03.12.2018
2. Wow
Das war ein richtig starker Tatort.
mir-san-mir 03.12.2018
3. Überkonstruiert
Witzig war der schwäbelnde bekiffte Nachbar Aber ansonsten viel Klischee und ein psychopathischer Spiritus Rector, dessen asiatische Freundin beim Versuch, das kleine Mädchen in den Tod zu stürzen, selbst vom Balkon fällt. Der Film wollte zu viel auf einmal.
fleischwurstfachvorleger 03.12.2018
4. Internet der Dinge
Siri und Alexa spionieren uns aus und übertragen Informationen und Daten, an die Hersteller von Siri und Alexa. Denn Daten sind Gold wert. Mit den richtigen Daten kann man Menschen manipulieren und diskreditieren. Es gibt keine gemeinsamen Standard, weil die Politik entweder zu doof, oder zu schwach ist. Aber die Industrie wird das sicherlich selbst irgendwann erledigen. Wie bei den Handy-Smartphone-Kabeln. Die smarten Geräte sind nicht sooo smart, da sie von noch smarteren Kriminellen gehackt werden können. Passiert heut schon, aber man will den Siegeszug der neuen IT-Welt nicht behindern. Politiker, die nach wie vor mir ihrem privaten Handy / Tablet / Laptop sich ins Netz des Bundestags einloggen, entscheiden über das Wohl und Weh von 80 Millionen Bundesbürgern. Politiker, die nur der Industrie dienen, verkaufen das Volk für ein paar Silberlinge. Aber Hauptsache man kann Alexa fragen, wie der aktuelle Bundeswirtschaftsminister heißt.
nickleby 03.12.2018
5. Abstrus
Kindesmissbrauch so zu vermarkten, ist geschmack-und instinktlos. Es handelt sich dabei um eines der gräßlichsten Verberchen, die es gibt. In diesem Tatort wurde nichts ausgelassen,was Stereotypen bedient : Obesrchicht ist pervers, der Sohn ist ebenso pervers, weil er mordet, das chinesische Au-Pair steht für Ausbeutung durch die Oberschichteltern, die zeigt, dass man sich ein Au-Peir leisten kann und dabei noch "Gutes" tut . Der Kommentar des Vaters bezüglich des Werts des Mädchens ist menschenverachtend. Der gesamte Handlungstrang, auch die Rolle der Polizei, zeigt, dass Morbidität zwar zu verurteilen ist, aber Teil der Gesellschaft ist, "verfeinert" durch die moderen technologische Entwicklung. Die Polizei wirkt angesichts der Situation hilflos, angewiesen auf Zufallshilfen. So wird der 'Tatort' als ernstzunehmende Unterhaltung zerstört.
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