Krimi-Vote Wie fanden Sie den Murmeltier-"Tatort"?

Alles, bloß keine Routine! Der "Tatort" mit Ulrich Tukur war ein blutiger Aufstand gegen den Krimi-Alltag. Oder sind Sie anderer Meinung?

HR/ Bettina Müller

Schon der Vorspann ließ am Sonntag erahnen, dass diese "Tatort"-Folge sich nicht an die Regeln des Formats halten würden. Die bei der ARD eigentlich heilige, einheitliche Fadenkreuz-Optik wurde fließend in diesen etwas anderen Fall eingearbeitet, in dem Ulrich Tukur als Kommissar Murot während der Geiselnahme in eine Zeitschleife gerät.

Zeitschleifen-Geschichten haben zur Zeit ja wieder Konjunktur. Bei Netflix läuft gerade erfolgreich die Comedyserie "Matrjoschka" mit Natasha Lyonne über eine Game-Programmiererin, die wieder und wieder ihren Geburtstag erlebt. Bei ihr sind Drogen mit im Spiel. Aber mit wissenschaftlichen Erklärungen kommt man bei solchen Stoffen ja sowieso nicht hinterher. Zeitschleifen-Geschichten sind auch immer Fantasy.

Für den "Tatort" und dem in ihn verankerten Realitätsgebot sind solche Stoffe deshalb immer riskant. Der Tukur-Krimi aber kümmerte sich nicht um die üblichen Formatregeln. In unserer Kritik schrieben wir: "Fragen Sie bitte auch nicht nach der Plausibilität dieses salopp gebauten, launig inszenierten Krimis. Nehmen Sie ihn einfach als blutigen Befreiungsschlag gegen die Sonntagsroutine." Wir gaben neun von zehn Punkten.

Gedreht worden war "Murot und das Murmeltier" bereits im Sommer 2017. Dass der Film solange auf Halde lag, mag dem üblichen ARD-Abstimmungschaos geschuldet gewesen sein. Der positive Nebeneffekt ist, dass 2019 wahrscheinlich noch ein zweiter "Tatort" mit Tukur ausgestrahlt wird, obwohl sich der Schauspieler eigentlich nur alle ein, zwei Jahre für die Krimireihe vor die Kamera begibt. Die neue Folge trägt den Titel "Der Angriff" und ist bereits abgedreht, in einer Episodenhauptrolle agiert Peter Kurth.

Wie die Folge vom letzten Sonntag, die ja eine blutige Neuauflage der Zeitschleifen-Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier" war, greift auch "Der Angriff" auf berühmte Vorbilder in der Filmgeschichte zurück: Tukurs Ermittler Murot verteidigt hier eine verlassene Polizeistation in der hessischen Provinz gegen Eindringlinge - und dabei werden Klassiker wie John Carpenters "Assault on Precinct 13" und George A. Romeros "Night of the Living Dead" zitiert. Hartes Genre-Kino für die Sonntagsprimetime.

cbu



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