Eigentlich können alle zufrieden sein: Im März hat "Der Tatortreiniger" den Grimme-Preis gewonnen, die DVD der ersten Staffel verkauft sich bestens, der NDR hat die Produktion als beste sendereigene Programmidee ausgezeichnet - und an diesem Donnerstag feiert die erste Folge ARD-Premiere, gleich nach dem Quotengaranten "Sherlock". Kann es besser laufen für eine kleine schwarze Comedy?
Nun ja, vor allem hätte es besser anlaufen können. Was sich im Nachhinein wie eine Erfolgsgeschichte liest, kann man nämlich genauso gut als Geschichte über die Orientierungslosigkeit der ARD deuten. Kaum waren die ersten vier Folgen über Tatortreiniger Heiko "Schotty" Schotte (Bjarne Mädel) und seine wahrlich dreckige Arbeit abgedreht, soll sich nämlich schon Widerstand im NDR gegen das Format geregt haben.
Bei ersten Sichtungen durch Programmverantwortliche fiel Schotty dem Vernehmen nach komplett durch. Die Auftaktfolge, in der die Prostituierte Maja (gespielt von Katharina Marie Schubert) aus Versehen den Tatort betritt, den Schotty gerade reinigt, wurde als nicht familientauglich kritisiert. Dabei behält Maja mehr Kleidung an als Schotty, der sein Geld zusammenkratzt für eine kurze Ablenkung von den Leichenresten und schon bald nur noch in Unterhose auf dem Sofa des Mordopfers sitzt. Allerdings auch in einer Unterhose des Mordopfers, denn die erschien ihm saubere als seine eigene.
Solch bissiger Humor kam im NDR jedenfalls nicht gut an: Zwischen Weihnachten und Neujahr 2011 verschluckte das Nachtprogramm des Dritten alle vier Folgen, nach Silvester liefen zwei Episoden noch mal am späteren Abend. Fast wäre es damit um den "Tatortreiniger" geschehen gewesen - hätte er nicht tolle Kritiken bekommen, hätten sich Fans nicht den Link zur Sendung in der NDR-Mediathek gemailt und hätte es nicht die Nominierung für den Grimme-Preis gegeben. Plötzlich war auch der NDR von seinem Programm-Kleinod überaus angetan, bestellte eine zweite Staffel und sorgte für die Ausstrahlung im Hauptprogramm.
Jetzt ist die erste Folge "Ganz normale Jobs" am Donnerstag zu annehmbarer Zeit in der ARD zu sehen. Immer noch nicht im Anschluss an den Erfolgskrimi, den die Serie selber im Namen trägt und immer noch nicht die komplette Staffel. Aber jetzt noch über die fehlgeleitete Programmpolitik beschweren? Lieber darauf hoffen, dass die zweite Staffel gleich zur besten Zeit in der ARD läuft. Dann könnten wirklich alle zufrieden sein.
hpi
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