Schluss für "Tatortreiniger" "Ich vermisse Schotty jetzt schon"

Ausgeputzt: Nach 31 Folgen macht der NDR mit der Kultserie "Tatortreiniger" Schluss - zum eigenen Bedauern. Auch Hauptdarsteller Bjarne Mädel trauert.

"Tatortreiniger"-Hauptdarsteller Bjarne Mädel
NDR/ Thorsten Jander

"Tatortreiniger"-Hauptdarsteller Bjarne Mädel


Vier Folgen noch - dann ist Schluss mit dem "Tatortreiniger": Nach fast sieben Jahren beendet der NDR die Kultserie rund um den von Bjarne Mädel gespielten Putzmann Heiko Schotte. Die Entscheidung lag weder bei dem Sender noch bei Mädel. Beide hätten gern weitergemacht.

Doch Drehbuchautorin Mizzy Meyer alias Ingrid Lausund ist für ein "Aufhörn, wenn's am schönsten ist" und betont: "Das hat nichts zu tun mit Quoten, Gagen, Gehältern - das ist davon unabhängig." Der "Tatortreiniger" wurde mit Lob und Preisen überschüttet, unter anderem mit zwei Grimme-Preisen sowie drei Deutschen Comedypreisen.

"Ich trage die Entscheidung natürlich voll mit, aber ich hätte schon noch ganz gern ein paar Jahre geputzt", sagt Mädel. "Zumal dieses Format ohnehin ein Geschenk war." Als Heiko "Schotty" Schotte rückte er im weißen Schutzanzug am Leichenfundort an, kümmerte sich um die hartnäckigen, menschlichen Rückstände und philosophierte mit Angehörigen und Randfiguren über den Sinn des Lebens - Comedy als Kammerspiel. "Ich vermisse Schotty jetzt schon", erklärte der Schauspieler.

Nichts hätte sie umstimmen können, betont die Autorin. "Meine Situation war sowieso sehr luxuriös, ich war beim Schreiben sehr frei. Natürlich hat so ein Format Budgetgrenzen, aber auch die haben mich in meiner Kreativität nicht derart beschränkt, dass ich nicht mehr hätte schreiben können."

Quotenerfolg trotz Startschwierigkeiten

Auch Regisseur Arne Feldhusen, der schon bei "Stromberg" mit Mädel zusammenarbeitete, sieht die Gefahr der Wiederholung. Das ewig Gleiche sei nicht Schottys Ding, so Feldhusen. "Schotty ist einer, der kurz vorbeikommt und wieder geht. Aber eben mächtig Eindruck hinterlässt."

Die ersten vier Folgen hatte das NDR Fernsehen im Nachtprogramm Weihnachten 2011 ausgestrahlt, was dem Sender später Kritik einbrachte. Die Serie wurde zu einer der erfolgreichsten Produktionen des NDR - und dessen Arme sind laut NDR-Spielfilmchef Christian Granderath "weit offen" für den Fall, dass es eines Tages eine Weiterentwicklung geben sollte.

Zuletzt waren drei neue Episoden im Dezember 2016 zu sehen, sie erreichten laut NDR bundesweit bis zu 940.000 Zuschauer bei der Folge "Özgür". Zum Abschluss gibt es am 18. und 19. Dezember vier neue Ausgaben der halbstündigen Geschichten. In der 31. und letzten mit dem Titel "Einunddreißig" begegnet Schotty laut den Machern Menschen, die er aus früheren Jobs kennt - und am Ende steht sein eigenes Leben auf dem Spiel.

brs/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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kai-ser210 11.12.2018
1. Sehe ich ähnlich.
Stimme der Autorin zu. Man sollte gehen wenn‘s am schönsten ist. Das betrifft vor allem Serien- und Filmformate, die ja ansonsten gerne bis zum Abwinken gemolken werden. Wobei ich im Falle des Tatortreinigers schon davon ausgegangen wäre, dass sich erzählerisch noch einiges Lustige hätte ausgedacht werden können. Aber nun gut. Besser jetzt so ein abruptes Ende als das Schotty durch Quoten zum Aus genötigt wird. So ist es definitiv der stilvollere Abgang.
barbierossa 11.12.2018
2. Frau Meyer oder Frau Lausund?
Wie immer die Dame nun heißen mag - die von ihr geschriebenen Dialoge waren und sind das Blut in den Adern dieser Serie. Zu meiner Schande muß ich zugeben, nie ernsthaft in den Credits nach ihrem Namen geforscht zu haben. Vermutlich, da ich fest davon ausging, dass an solchen Dialogen mindestens ein Kollektiv von einem knappen Dutzend Leuten gefeilt haben müsse, die vor allem das taten, was nun anscheinend der Grund für's Ende des Tatortreinigers ist: darauf achten, dass man sich nicht wiederholt und jede platte Pointe umschifft. Dass diese Leistung von einer einzigen Autorin vollbracht wurde - dafür sei tief der Hut gezogen! Und wie heißt die Dame nun richtig - Meyer oder Lausund? Auf der Suche nach den wirklich wichtigen Informationen muss man dann die SPON-Seite verlassen und ein wenig traurig lächeln in Erinnerung an den Slogan, dass angeblich SPIEGEL-Leser mehr wüßten. Wie wär's mit einem ausführlichen Portrait der Autorin im Kultur-Teil?
iffelsine 11.12.2018
3. Schade, einer der ganz wenigen Filme, die
sich lohnten, einen öffentlich rechtlichen deutschen Sender einzuschalten. Alleine dafür hat sich die Rundfunkgebühr gelohnt. Es hätte bestimmt noch einen Haufen kruder Geschichten gegeben, die man hier hätte verarbeiten können - es reicht, in die Zeitung zu sehen...
brunnersohn 11.12.2018
4. Ausrede?
"aufhören, wenns am schönsten ist" das sagt sich leicht. wahrscheinlich haben Autorin eher Angst vor der eigenen Courage oder dem Ende ihrer Kreativität. Was hindert sie, den Plot, das Set up der Serie weiterzuentwickeln. Schotty könnte sich weiterbilden, an Depressionen erkranken, beim Tatort erscheinen ( dem Krimi) langsam in andere Serien reinwachsen, etc, es gibt so vieles- die Gedanken sind frei- aber die Angst bei Neuem zu scheitern ist eben größer als die Freude an der eigenen Kreativität. Der Erfolg, Ruhm und Ehre werden eingetütet und das wars dann. Schade
antelatis 11.12.2018
5. Tolle Serie!
Einige Folgen der Serie sind wahre Kunstwerke.
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