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15. Februar 2013, 08:52 Uhr

Terror-"Tatort"

Vorsicht mit dem Kanister, Herr Magister

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Terroristen wüten in Wien, doch die Behörden führen lieber Krieg gegeneinander - und die Ermittler Eisner und Fellner müssen plötzlich gegen Karriere-Lackaffen in den eigenen Reihen kämpfen. Der "Tatort" aus Österreich kommt verwegen daher: als blutige Verschwörungs-Operette.

Wer ein wenig müde geworden ist von der Diskussion um berechtigte und unberechtigte Doktortitel, findet in diesem Wiener "Tatort" etwas Ablenkung. Wie das in Österreich eben so ist - alle Beteiligten aus Polizeiapparat und Politik haben schön schnörkelige Berufsbezeichnungen. Ein bisschen kommt man sich als Norddeutscher beim ORF-Krimi ja eh immer vor wie in einer Operette von Johann Strauss. Major, Oberst, oder "der Herr Magister" - hier trägt jeder eine Art Titel-Panzer mit sich rum. Andererseits: ein bissl Wiener Schmäh vom Gegenüber, schon ist der Panzer gesprengt.

In der aktuellen Folge ist dieser ironische Titel-Kampf Teil eines Zweifrontenkriegs: Draußen wüten Terroristen noch nicht geklärter Herkunft, und drinnen, also im Staatsapparat, beharken sich unterschiedliche Behörden.

Bei einer internationalen Konferenz der Vereinten Nationen im Palais Liechtenstein wurde auf dem Vorhof ein Auto in die Luft gesprengt. Auf dem Fahrersitz saß ein Internetaktivist irakischer Herkunft, ein Selbstmordattentat liegt nahe. Doch bei ihren Ermittlungen finden Major Eisner (Harald Krassnitzer) und Kollegin Fellner (Adele Neuhauser) keinerlei Hinweise, dass der irakische Intellektuelle radikale religiöse oder politische Ziele verfolgte. Im Gegenteil: Er wollte die versammelten Diplomaten offensichtlich von der versöhnlichen Kraft des Internet überzeugen. Vom Segen der fünften Front, wie das Netz unter Militärstrategen genannt wird.

Islamismus oder Austrofaschismus?

Je weiter sich die beiden Polizisten vom Bundeskriminalamt vorarbeiten, desto tiefer geraten sie selbst zwischen die Fronten. Auf der einen Seite steht der Herr Magister Fred Michalski (Alfred Dorfer), Sektionsleiter vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, der seine Untergebenen dazu treibt, den Anschlag als Tat von Islamisten zu entlarven. Schließlich hat er einen Blick auf den Posten des Innenministers geworfen, und schnelle Ergebnisse sind ja oft gleichbedeutend mit einem schnellen Aufstieg. Auf der anderen Seite steht Bundeskriminalamtschef Ernst Rauter (Hubert Kramar), der seine Leute anhält, alles zu tun, um den Aufstieg seines Gegenspielers zu verhindern.

Hier die lustvollen und egoistischen Täuschungsmanöver der Behörden-Lackaffen, dort die schiere terroristische Bedrohung: Autorin Verena Kurth und Regisseur Harald Sicheritz haben ihren "Tatort" als Mischung aus Operetten-Schmäh und Verschwörungsthriller angelegt. Dass man als Zuschauer den gewagten Kurs mitgeht, liegt auch an den beiden Hauptfiguren Eisner und Fellner, die im sarkastischen Spiel die hierarchische Ordnung außer Kraft setzen, um sich zur Wahrheit hinter dem vermeintlich islamistischen Anschlag vorzukämpfen.

Nach und nach fällt so in dieser blutigen Operette die Deko, um einen höchst komplizierten Fall offenzulegen: Der Konflikt zwischen Serben und Muslimen im unter Uno-Beobachtung stehenden Bosnien spielt hier ebenso eine Rolle wie eine austrofaschistische Brüderschaft mit Verbindungen in höchste Regierungskreise.

Sicher, wie schon in dem Wiener Serben-"Tatort" aus dem vorigen Jahr wird in "Zwischen den Fronten" das politische und geopolitische Geflecht hinter dem Mordfall nicht besonders tiefenscharf ausgeleuchtet. Wie hier aber hinter der burlesken Titelverliebtheit der Figuren brutale Machtversessenheit aufblitzt, raubt einem zuweilen den Atem. Wiener Blut, Wiener Wut.



"Tatort: Zwischen den Fronten", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

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