Britische Krimiserie "The Fall" Keine Zeit für Bullshit

Steffan Hill/ ZDF

Noch eine Krimiserie mit einer starken Frauenfigur: Doch in "The Fall - Tod in Belfast" mit "Akte X"-Star Gillian Anderson über eine Mordserie an jungen Frauen ist alles anders. Hier darf die Kommissarin endlich einfach ihren Job machen.

Es ist Nacht geworden in Belfast. Die Kommissarin treibt's mit einem jungen Unbekannten im Hotelbett, den sie quasi auf der Straße aufgelesen hat. Schnitt. Der Serienmörder fesselt eine nackte Frau an ihr eigenes Bettgestell, foltert sie. Zwei Sex-Szenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Diese Sequenz in der ersten Folge der brillanten britischen Krimiserie "The Fall", die ab Sonntagabend im ZDF läuft, macht gleich klar, was die Story dominieren wird: die vielen Frauen, die Opfer eines brutalen Täters (Jamie Dornan) werden. Und die Kriminalkommissarin, die mit erhobenem Haupt und festem Blick die Ermittlung leitet - und keine Nerven für irgendeinen Bullshit hat. Man könnte fast sagen, dass "The Fall" eine Serie über diese Stella Gibson ist, die mit der "Akte X"-Schauspielerin Gillian Anderson großartig besetzt ist.

Natürlich gab es in vergangenen Zeit Krimiserien mit Frauen in Hauptrollen: Sarah Lund in "Kommissarin Lund", Saga Norén in "Die Brücke", Ellie Miller in "Broadchurch". Aber während Lund und Norén als mürrische Frauenfiguren, letztere gar mit Asperger-Syndrom, inszeniert wurden, Miller immer auch das weiche, zögerliche Muttertier gibt, ist bei Gibson alles anders: So wenig hat im Fernsehen selten eine Rolle gespielt, dass jemand eine Frau ist.

Konsequent erzählte Gleichberechtigung

Gibson trägt zwar glänzende Seidenblusen, aber sie macht sich einfach an die Arbeit; so zielgerichtet, wie sie morgens ihre Bahnen schwimmt. Es gibt rund um ihren Dienst keinen einzigen Dialog und keinen Blick, die auf ihr Frausein abzielen. Diese Leerstelle zeigt, wie penetrant präsent das sonst überall ist. Und Gibson nimmt sich eben mit aufs Zimmer, wen sie will. Wenn das für eine Nacht ein jüngerer Kollege ist, noch dazu verheiratet: so what?

Diese konsequent erzählte Gleichberechtigung ist unverzichtbar als Gegengewicht: Sonst wäre es vor allem eine Serie, in der eine gebildete Brünette nach der anderen von einem harmlos wirkenden Familienvater grausam ermordet wird - nachdem er sie gestalkt, heimlich ihre Unterwäschenkommode durchwühlt, ihr aufgelauert, sie ausgezogen und ans Bett gefesselt hat.

Die Geschichte, die auf den Drehbuchautor Allan Cubitt zurückgeht, der zusammen mit Jakob Verbruggen Regie geführt hat, funktioniert auch deswegen so hervorragend, weil sie darauf basiert, zwei Perspektiven ineinanderzuflechten wie in der eingangs erwähnten Sex-Sequenz.

So wissen die Zuschauer von Anfang an, dass der Mörder der Trauertherapeut Paul Spector ist, der mit seiner Frau abends auch mal in eine Bar geht, seinen zwei kleinen Kindern Frühstück macht, sie in die Schule bringt, und sich genauso liebevoll um seine Patienten kümmert. Und dessen Parallelleben, nachts, in schwarzen Klamotten und Lederhandschuhen, mit Rucksack auf dem Rücken, immer mehr Raum einnimmt in seinem Alltag.

Dieser Spector sieht gut aus, ist aber nicht ansatzweise als Sympathieträger inszeniert. Das Problem: Man merkt, dass Jamie Dornan Unterwäschemodel war - denn mehr als einen durchtrainierten Körper und einen Gesichtsausdruck hat er offenbar nicht mit ans Set gebracht.

Das ZDF hat die erste und zweite Staffel dankenswerterweise in sechs 90-minütige Folgen umverpackt - und hat sich schon so auf die veränderten Fernsehgewohnheiten eingestellt, dass in der Mediathek schon jetzt alle Folgen im Original und mit Untertiteln zu sehen sind. Anders wären die Cliffhanger kaum auszuhalten. Und die Story ist da noch nicht zu Ende erzählt: Staffel Nummer drei wird derzeit in Belfast gedreht und soll im kommenden Jahr in Großbritannien auf BBC2 zu sehen sein.

Drei Staffeln für einen Fall: Das grenzt fast an eine Neudefinition des Genres "TV-Krimi". Erst recht, wenn die Kommissarin so selbstverständlich ihren Job machen darf wie Stella Gibson.


"The Fall. Tod in Belfast", ab 15.11., 22.00 Uhr im ZDF.

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
wind_stopper 15.11.2015
1.
Nach dem Ende der 2. Staffel faellt es mir schwer zu erkennen, wie man daraus noch eine 3. Staffel machen kann?
Abel Frühstück 15.11.2015
2.
"The Fall" ist großartig - jedenfalls die erste Staffel (erste drei ZDF-Folgen). Ist leider gegenüber der BBC-Fassung leicht gekürzt. Schlimmer: die markante Synchronstimme Andersons wurde ersetzt. Dennoch ein spannendes Stück.
spon-49j-k5ri 15.11.2015
3.
Hab die Serie bereits auf Englisch durch. Sehr sehenswert, aber den Artikel jetzt auf die gleichberechtigte Ermittlerin zu reduzieren, zeigt wie weit der Autor mit der Gleichberechtigung ist...
Mastermason 15.11.2015
4.
"Es gibt rund um ihren Dienst keinen einzigen Dialog und keinen Blick, die auf ihr Frau-Sein abzielen." Warum thematisieren Sie dann das "Frau-sein" der Kommissarin? Es scheint doch für die Lösung der Fälle irrelevant zu sein.
hinschauen 15.11.2015
5.
Als ich die Serie sah, war mir klar, dass das Verhalten der Kommissarin als Musterbeispiel von Emanzipation beschrieben würde. Also: eine Kommissarin lernt einen jüngeren gutaussehenden Kollegen am Tatort kennen, gibt ihm ihre Hotezimmernummer - und hat mit ihm Sex als erwartungsgemäß dort hin kommt. Wobei sie ihm klar macht, dass er gefälligst die Klappe halten soll - und auch, dass nach dem Sex nichts mehr laufen wird. Was erhalten wir, wenn wir in derselben Szene die Männer- und Frauenrollen austauschen? Richtig, einen widerlichen frauenverachtenden Macho! Als Krimi finde ich die Serie übrigens brillant.
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