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Zombie-Serie "The Returned": Zu schön, um tot zu sein

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Serienhit "The Returned": Mein untoter Verlobter Fotos
RTL

Eine neue Art Zombies tritt an, die Welt ihrer Hinterbliebenen mit leisem Horror durcheinanderzubringen. Jetzt ist die französische Erfolgsproduktion "The Returned" im deutschen TV zu sehen.

Die Gemsen scheinen durchs Wasser zu schweben. Ein kleiner Junge steht regungslos auf einer Brücke, die Straße um ihn ist menschenleer, das Tal darunter nur eine verschwommene Andeutung. Und ist der junge Mann, der vor einer Reihe von Neubauten wartet, ein Eindringling oder ein Besucher?

Der Vorspann ist in Fernsehproduktionen längst zu einer eigenen Kunstform geworden. Bilder und Sounds erzeugen eine Geschichte jenseits der offensichtlichen Handlung. Bei der großartigen französischen Fernsehserie "The Returned" (Originaltitel: "Les Revenants") leistet der Vorspann noch mehr: Er ist selbst ein Rätsel, das sich mit jeder Folge ein Stück weiter auflöst. Am Ende der acht Teile hat jede Einstellung die Geschichte dahinter preisgegeben. Nur der Horror, der den Bildern innewohnt, bleibt der gleiche.

"The Returned" spielt in einem gesichtslosen französischen Bergdorf, in das plötzlich die Toten zurückkommen. Manche sind erst vor einigen Jahren verstorben, andere schon vor langer Zeit. Die Wiedergänger wissen nicht um ihren Tod und haben sich äußerlich nicht verändert, wohl aber die Welt, in der sie keinen Platz mehr finden.

So trifft Camille (Yara Pilartz), die als 15-Jährige bei einem Busunfall ums Leben kam, zu Hause auf ihre Zwillingsschwester Léna (Jenna Thiam). Nur ist diese mittlerweile vier Jahre älter als sie. Simon (Pierre Perrier), der junge Mann aus dem Vorspann, wollte am Tag seines Todes heiraten. Zehn Jahre später hat seine Braut Adèle längst einen anderen. Und der Junge von der Brücke ist schon so lang tot gewesen, dass sich niemand mehr an sein furchtbares Schicksal, das ihm die Sprache verschlagen hat, erinnern kann.

Die Last der Vergangenheit

"The Returned" basiert lose auf dem Film "Les Revenants" von Robin Campillo und mag motivisch an die Zombie-Phantasmagorien des internationalen Genrekinos erinnern. Mit den Besten von ihnen hat er immerhin eine wichtige Allegorie gemein: Die Untoten sind das Andere, das nicht Erklärbare, und eine Gesellschaft muss sich auch daran messen lassen, ob sie bereit ist, dieses Fremde zu integrieren.

An moralischen Appellen freilich hat Fabrice Gobert, der die Serie für den französischen Sender Canal+ entwickelte, offensichtlich wenig Interesse. Die Vergangenheit lastet wie ein großer Schatten nicht nur über den Rückkehrern, sondern auch über denen, die noch nicht gestorben sind. Mit den Toten dringt auch der Tod durch die Ritzen in der dünnen Wand zwischen dem Hier und Anderswo, dem Erklärbaren und dem Unerklärlichen: Eine Frau im besten Alter kehrt zurück zu ihrem Mann, und der Greis stürzt sich bald darauf in den Staudamm - dessen Wasserspiegel aus rätselhaften Gründen immer niedriger wird.

Der Erzählfluss ist gemächlich, setzt nicht auf drastische Effekte. Wollte man die Serie in ein Genrekorsett pressen, so müsste man von einem multiperspektivischen Melodram sprechen, das fließend übergeht in einen Mystery-Thriller. Das Bekannte und das Bedrohliche liegen dicht beieinander, die Atmosphäre ist bestimmt von düsterer Vorahnung.

So ist "The Returned" zu einer trügerischen, hinterhältigen und wunderbar melancholischen Serie geworden, die einen weltweiten Siegeszug angetreten hat. Die erste Staffel - eine zweite entsteht gerade - wurde 2013 mit einem "International Emmy" als bestes Drama ausgezeichnet und von der Redaktion des "Guardian" zur Serie des Jahres in Großbritannien gewählt.

Während in den USA Carlton Cuse, der Schöpfer von "Lost", und Raelle Tucker, Autorin von "True Blood", an einem englischsprachigen Remake werkeln, waren Nutzer in Deutschland bislang auf den Streaming-Dienst "Watchever" oder auf importierte DVDs angewiesen. Für das wie Canal+ zum französischen Vivendi-Konzern gehörende Unternehmen war "The Returned" lange Zeit ein exklusives Prestigeprojekt, nun strahlt der Pay-TV-Sender RTL Crime die Serie ab 28. Mai immer mittwochs zur besten Sendezeit aus. Eine Chance beim potenziell größeren Publikum des frei empfangbaren Fernsehens wäre "The Returned" aber auf jeden Fall zu wünschen.

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insgesamt 42 Beiträge
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1. The Returned.02
GSYBE 28.05.2014
...und ich vergass (wurde im Artikel nicht erwähnt): komplette Filmmusik von MOGWAI, einfach sensationell! http://www.youtube.com/watch?v=RFHlvaL0HtU
2. Das Zombie Wort
Thomas Berres 28.05.2014
... In der Überschrift wird leider wieder viele abschrecken und ist auch die falsche Assoziation. Viel eher ist das was für Fans von Twin Peaks oder Top Of The Lake.
3. bin gespannt
baiki 28.05.2014
Story und setting klingen hervorragend. Man hörte ja schon was von einem alpinen twin peaks...
4. Auf dem Pay-TV-Sender
doc.nemo 28.05.2014
RTL Crime? Also für Otto Normalseher nicht erreichbar.
5. Unsere schöne deutsche Sprache!
spon_2601733 28.05.2014
Ich lebe seit fast 25 Jahren im englischsprachigen Ausland. Seit über 4 Jahren in England. Ich betrachte D von außen. Was haben meine Landsleute nur mit unserer schönen Srache gemacht. Der Film heißt in Frankreich Les Revenants. Die Briten haben ihm eine englischen Titel gegeben und wir übernehmen ihn in deren Sprache. Das soll noch einer begreifen.
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