TV- und Online-Event "The Spiral": Guck mich! Und klick mich!

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Die Kunstwelt ist korrupt - darum plant ein alternder Meister den Gegenschlag. In der Fernsehserie "The Spiral" organisiert er den perfekten Gemälderaub und macht aus der Aktion eine Performance. Helfen können die Zuschauer: Sie sollen online mitspielen. Ein wenig bemüht wirkt das, doch die Idee ist gut.

Fernsehserie: Europol jagt "The Spiral" Fotos
ARTE/ Caviar

Sie klettern über das Dach, mit Reisetaschen voller Geld, brechen ein Fenster auf und lassen es regnen: 200-Euro-Scheine flattern der feinen Gesellschaft, die auf der Vernissage millionenteure Kitschkunst bejubelt, in die Champagner-Flöten. Mit der Guerilla-Aktion, ganz im Stil von "Mission: Impossible", wollen der alternde Aktionskünstler Arturo und seine junge Gefolgschaft einen Mäzen ärgern. Der gibt zwar reichlich Geld für aktuelle Kunst aus, doch als guter Kapitalist hat er mal eben 7000 Mitarbeiter entlassen.

So beginnt "The Spiral", eine fünfteilige Serie mit angeschlossener Website zum Mitmachen, die am Montag um 20.15 Uhr in acht Ländern gleichzeitig startet - in Deutschland auf Arte. Das Werk ist ein niederländisch-belgisch-schwedisches Großprojekt, mit einem Ensemble herausragender, hierzulande weitgehend unbekannter Schauspieler.

Doch die Medien stürzen sich auf den Geldsegen, auf das Spektakel und nicht auf den fiesen Ausbeuter. Deswegen steht Arturo (Johan Leysen aus Belgien) später in der von ihm durchgefütterten Künstlerkommune in Kopenhagen und zieht Bilanz. Hat er mit seinen Aktionen überhaupt etwas bewirkt in all den Jahren? Im Gegenteil, ist er doch selbst lukrativer Teil des Kunstmarkts. Weil der Banksy-Verschnitt aber die Öffentlichkeit empören will, plant er Großes: Sechs Gemälde will er stehlen, aus sechs Museen, in sechs Ländern Nordeuropas. Gleichzeitig.

Europol gegen Kunstszene

So viel sei verraten: Der geniale Stunt gelingt, allerdings liegt Arturo da schon in Ketten. Die smarte Europol-Agentin Rose Dubois (Lien Van de Kelder aus Belgien) und ihr raubeiniger Partner Juha Virtanen (Tommi Korpela aus Finnland) feiern seine Verhaftung. Endlich hat Arturo, der mit seiner Street Art geradezu unglaublichen Schaden angerichtet haben soll, einen Fehler gemacht: Die 200-Euro-Scheine waren einfach zu gut gefälscht. Durchsuchungsbeschluss, Zugriff in Dänemark.

Während die Euro-Polizisten noch in ihrem Hochhaus in Brüssel konferieren, rücken Arturos Helfer, bestens gekleidete und frisierte Nachwuchskünstler, allein aus und ziehen den Heist durch, was der belgische Regisseur Hans Herbots in einer schnittigen Parallelmontage zeigt. Überhaupt sieht "The Spiral" äußerst sleek aus mit seinen kühlen Farben, Kamerafahrten und Luftaufnahmen. Es erinnert dabei sehr an die herausragende dänische Polizeiserie "Protectors".

Aber so schön es auch aussieht, in der ersten Folge ist "The Spiral" noch ein wenig bieder. Auf der einen Seite der Europol-Apparat und die Kunstwelt, eingepfercht in Beton, alte Mauern und Geld, auf der anderen die mutigen Künstler und Outlaws mit ihren dahinsiechenden Utopien, die es noch einmal wissen wollen. Wie sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk Subversion eben so vorstellt. Viel Platz für leise Zwischentöne bleibt da nicht, aber schließlich müssen in 45 Minuten auch ein Dutzend Charaktere eingeführt werden.

Online-Künstler sollen helfen

Dass es noch spannend werden könnte, legt zumindest der Werbetrailer nahe, in dem etliche Actionszenen zu sehen sind. Noch etwas bemüht wirkt zunächst die Online-Anbindung. Eine interessante Idee, die etwas plötzlich in "The Spiral" hereinbricht: Die entführten Kunstwerke werden in der Serie mit GPS-Sensoren ausgestattet und mit der Post verschickt, auf der Website thespiral.eu gibt es Hinweise auf den aktuellen Aufenthaltsort, wenn man kleine Aufgaben löst.

Zum Beispiel soll man eines der bestohlenen Museen besuchen und ein Foto machen oder René Magrittes Bild "Der Kuss" nachstellen. Vom Ansatz her ein bisschen wie die Multi-Künstlerin Miranda July, die auf learningtoloveyoumore.com ihren Fans kreative Aufgaben stellte - und die Einsendungen später zu einem Buch machte. Wer eine Aufgabe löst und ein Kunstwerk auf die "Spiral"-Seite hochlädt, bekommt die Position auf einer Google-Karte angezeigt.

Gipfeln soll die "Spiral"-Suche, die quasi in Echtzeit neben der Serie läuft, schließlich am 28. September um 21 Uhr abends vor dem EU-Parlament in Brüssel. Die Macher der Serie kündigen vollmundig an, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu verwischen. Mindestens ein Live-Auftritt von Arturo sollte da schon drin sein.


"The Spiral", Montag 20.15 Uhr, Arte

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