Intendant Bellut ZDF offen für Kooperationen mit Netflix und Co.

Sparen und gleichzeitig den Anschluss ans Serien-Zeitalter finden? ZDF-Intendant Thomas Bellut zeigt sich vor diesem Hintergrund zur Zusammenarbeit mit Streaming-Diensten bereit.

Thomas Bellut
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Die ARD hatte es zuerst gewagt: Für das Prestigeobjekt "Babylon Berlin" ging der Senderverbund eine Kooperation mit dem Pay-TV-Anbieter Sky ein, um die 38 Millionen Euro teure Produktion finanzieren zu können. Nun streckt auch ZDF-Intendant Thomas Bellut seine Hand Richtung internationaler Fernsehanbieter aus.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt er: "Wir haben mit Netflix koproduziert beim Kinderprogramm oder die Serie '4Blocks' von TNT Serie für ZDFneo eingekauft." Die Dienste sind vom Angebot und Preis nach seiner Ansicht zwar nicht vergleichbar, da das ZDF ein Angebot für die ganze Gesellschaft mache. "Wir sind aber grundsätzlich offen für Kooperationen."

Insgesamt ist das ZDF noch hinterher, wenn es um die Produktion hochwertiger, moderner Serien geht. Auch 2017 war in dieser Hinsicht kein gutes Jahr für den Sender. Vorstellbar wäre nun aber zum Beispiel, dass das ZDF ein Projekt wie die im November von der UFA Fiction angekündigte ambitionierte Serie "Zellers Reeperbahn" mit Ulrich Tukur mit einem Streaming-Anbieter wie Netflix produziert.

Neue Finanzierungsmodelle durch Streaming-Dienste

Kooperationen mit Pay-TV-Anbietern sind bürokratisch und juristisch relativ schwierig für öffentlich-rechtliche Anbieter. In der ARD etwa wird intern heftig darüber diskutiert, ob "Babylon Berlin" dem Senderverbund wirklich nutzt - oder ob nicht eher Sky von einer frühen Erstausstrahlung profitiert, während die ARD die Serie erst viel später zeigen darf. Gleichzeitig eröffnen solche senderübergreifenden Projekte dem Ersten und dem Zweiten neue Finanzierungsmodelle - und die sind gerade vor dem Hintergrund neuer Sparauflagen notwendig.

Das ZDF will von 2021 bis 2028 270 Millionen Euro weniger ausgeben. Die Ministerpräsidenten der Länder sehen die Vorschläge von ZDF und ARD allerdings nur als ersten Schritt. Hier tut sich ein möglicher Konflikt auf.

Bellut erklärt gegenüber der Deutsche Presse-Agentur weiteren Einsparungen eine Absage: "Weitergehende Sparmöglichkeiten würden Einschnitte beim Programm bedeuten. Zum Auftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders gehören aber nicht nur Information und Kultur, sondern auch Fiction und Sport. Ich bin zum Beispiel froh darüber, dass wir die Rechte für die Berichterstattung an den nächsten vier Olympischen Spielen wieder haben."

Im Interview äußert sich Bellut auch über die Auseinandersetzung mit dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger. Die Verleger kritisieren das Engagement der öffentlich-rechtlichen Sender bei digitalen Angeboten. Bellut führt diplomatisch aus: "Die Verlage haben durch die Digitalisierung erhebliche Probleme, ihr Publikum weiter zu finden. Ich hänge sehr an den Qualitätszeitungen und will nicht deren Geschäftsmodelle erschweren. Wir haben in erster Linie einen Bewegtbild-Auftrag und das gilt auch im Netz."

cbu/dpa

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agash 02.01.2018
1. "..da das ZDF ein Angebot für die ganze Gesellschaft mache."
Danke für den ersten großen Lacher 2018. Das ZDF macht allerdings kein Programm für mich (weiblich, single, knapp über 30), ich hab im letzten Jahr nicht eine Minute im ZDF gesehen und obwohl die kein schaubares Programm für mich machen, muss ich sie trotzdem muss finanzieren. Vielleicht sollte das ZDF mal darüber nachdenken wirklich ein Programm für die ganze Gesellschaft zu machen, statt Milliarden für Sport und Schlager rauszublasen.
.patou 02.01.2018
2.
Wahrscheinlich musste sich Herr Bellut ein Lachen verkneifen bei der Behauptung, das Hauptprogramm des ZDF sei ein "Angebot für die ganze Gesellschaft". Außerdem sei der Hinweis erlaubt, dass "Fiction" mehr beinhaltet als Herzkino und Seichtkrimis. Am heutigen Tag (und am morgigen ebenso) liegt der Krimi-Anteil des ZDF-"Fiction"-Programms beispielsweise bei bemerkenswerten 100 %: Notruf Hafenkante SOKO Wismar Die Rosenheim-Cops (einmal vormittags, einmal nachmittags) SOKO Köln Im Wald - Der Taunuskrimi (plus eine Wiederholung von The Night Manager) Da bereits jetzt die einzigen brauchbaren Produktionen die im Ausland eingekauften sind, sind Kooperationen mit Netflix & Co. im fiktionalen Bereich sehr zu begrüßen. Ein Qualitätsanstieg ist quasi unvermeidbar.
Ignorant00 02.01.2018
3. Kennen Sie denn das gesamte ZDF Programm?
Zitat von agashDanke für den ersten großen Lacher 2018. Das ZDF macht allerdings kein Programm für mich (weiblich, single, knapp über 30), ich hab im letzten Jahr nicht eine Minute im ZDF gesehen und obwohl die kein schaubares Programm für mich machen, muss ich sie trotzdem muss finanzieren. Vielleicht sollte das ZDF mal darüber nachdenken wirklich ein Programm für die ganze Gesellschaft zu machen, statt Milliarden für Sport und Schlager rauszublasen.
Kennen Sie denn das gesamte ZDF Programm? Seitdem ich nicht mehr "live" Fernsehen schaue, sondern nur noch per Mediatheken, schaue ich relativ oft ZDF! Das ZDF auf Schlager und Sport zu reduzieren ist mE nicht fair: Ich finde die haben im Bereich der Dokumentationen viele spannende Formate! Und haben mit 4 Blocks (genial!), Bruder, Familie Braun (internationaler Emmy) oder Tempel auch spannende Serien entwickelt bzw. ausgestrahlt. Vielleicht einfach mal fernab von Schlager und Sport im Angebot stöbern, ich denke auch Sie würden das eine oder andere finden.
martinm70 02.01.2018
4. Eine gemeinsame Oberfläche wäre nicht schlecht.
Ich starte nur ein Programm und habe darin Netflix, Amazon Prime, Maxdome, Sky und die ZDF Mediathek, das Live Programm könnte am besten auch noch mit drin sein. Die Benutzeroberfläche sollte an Netflix angelehnt sein, da diese im Moment mit am besten ist.Es geht aber sicher noch besser. Die Größe der Kacheln darf gerne einstellbar sein, mehr verschiedene Sortier und Filter Möglichkeiten. Am wichtigsten wäre aber daß das Ganze schnell und flüssig ist. Es nervt einfach extrem, wenn ständig alles hängt und hakt. Und bei der Gelegenheit, ich würde auch gerne 3D Filme per VOD sehen, keine Ahnung wieso das nirgendwo geht.
gruenertee 02.01.2018
5.
ARD+ ZDF kosten doppelt soviel wie Netflix. Jetzt vergleichen wir mal die Leistungen und stellen fest, dass da was nicht stimmen kann. Ich hätte kein Problem damit, dass ARD+ZDF zu einem Nachrichtensender werden, ähnlich wie N24, NTV & Co. Wer Schlager, Sport, Dokus und Traumschiff möchte, kann sich dann ja für 15,00/Monat ein Extra Paket bei der GEZ zubuchen.
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