WDR über umstrittene Gottschalk-Gage "Keine Gebührengelder ausgegeben"

Der WDR hat bestätigt, dass an Thomas Gottschalk nach dem ARD-Aus für "Gottschalk live" noch Honorar gezahlt worden ist. Es habe sich dabei nicht um Gebührengelder, sondern um Mittel der Werbetöchter gehandelt. Eine Summe nannte der Sender nicht.

Thomas Gottschalk: Gage in Millionenhöhe?
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Thomas Gottschalk: Gage in Millionenhöhe?


Der WDR hat Honorarzahlungen an Thomas Gottschalk nach Ende der ARD-Vorabendshow "Gottschalk live" bestätigt: In dem Vertrag, den die ARD-Tochter Degeto mit der Produktionsfirma Grundy Light Entertainment über die Produktion von "Gottschalk live" abgeschlossen habe, sei die Fortzahlung des Moderatorenhonorars bis zum Auslaufen des Vertrags zum Jahresende 2012 enthalten gewesen. Da die Sendung im von Werbung getragenen Vorabendprogramm des Ersten ausgestrahlt wurde, sei diese aber ausschließlich über Werbeeinnahmen und nicht über Gebührengelder finanziert worden.

"Gottschalk live" war als Talk am Vorabend im Januar 2012 gestartet; im April hatten die Intendantinnen und Intendanten der ARD beschlossen, die Sendung wegen geringer Quoten abzusetzen. Im Juni 2012 wurde die letzte Folge ausgestrahlt.

Am Wochenende hatte die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) von WDR-Intendant Tom Buhrow Aufklärung darüber gefordert, ob der Sender für die vorzeitig abgesetzte Show mehr als zwei Millionen Euro ohne Gegenleistung gezahlt habe. Die ARD hatte die Sendung nach 70 Folgen abgesetzt. AG-Dok-Chef Thomas Frickel zufolge waren ursprünglich 144 Shows geplant. Er bezog sich auf interne Papiere über die Rahmenbedingungen des Vertrags, nach denen Gottschalk sich auch bei einem vorzeitigen Aus des Formats vertraglich das vollständige Honorar in Höhe von 4,6 Millionen Euro habe zusichern lassen.

Schneller Wechsel zum "Supertalent"

Über die konkrete Ausgestaltung des Vertrags machte der WDR keine Angaben: Es sei ein Honorar vereinbart worden, "das aus Sicht der damals Beteiligten seiner Bekanntheit und seinem Marktwert als einer der beliebtesten Moderatoren in Deutschland und der exklusiven Zusammenarbeit Rechnung trug". Die Höhe des Honorars sei Teil der Verschwiegenheitsklausel bei Verträgen mit externen Produzenten.

Die AG Dok hatte zudem kritisiert, dass 400.000 Euro für zwei geplante, aber nicht umgesetzte Abendshows gezahlt worden seien. Diese Zahlungen stritt der WDR nun jedoch ab: Bei den Vertragsverhandlungen habe es zwar Überlegungen gegeben, dass Gottschalk für die Moderation von zwei zusätzlichen Primetime-Shows ein zusätzliches Honorar erhalten sollte; diese seien letztlich aber nicht Gegenstand eines Vertrages geworden.

Stattdessen sei vereinbart worden, dass Gottschalk bei einem vorzeitigen Ende von "Gottschalk live" bis Ende 2012 für die Moderation für andere Shows ohne zusätzliches Honorar zur Verfügung stehe - ein Vorhaben, das aber nicht umgesetzt wurde. Aus Zeitgründen sei es nicht gelungen, ein "angemessenes Show-Format zu entwickeln und zu produzieren". Zudem sei Gottschalk unmittelbar nach dem Ende von "Gottschalk live" als Juror bei der RTL-Sendung "Supertalent" eingestiegen.

Gottschalk hatte bereits über eine Sprecherin mitteilen lassen: "Ich habe alles geliefert, was die ARD bestellt hat. Dafür hat die ARD bezahlt, was vorher vereinbart war."

eth/dpa

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