Til Schweiger versus SPIEGEL ONLINE "Irgendwelche Spackos"

Auf Facebook wirft Til Schweiger SPIEGEL ONLINE vor, Twitter-Kommentare von "irgendwelchen Internetnerds" aufzugreifen. Eine höfliche Replik in eigener Sache.

Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller: Wut auf SPIEGEL ONLINE
NDR

Til Schweiger als "Tatort"-Kommissar Nick Tschiller: Wut auf SPIEGEL ONLINE


Lieber Til Schweiger,

herzlichen Dank für Ihr Interesse an SPIEGEL ONLINE. In einem Facebook-Eintrag kritisieren Sie, dass wir "irgendwelchen internetnerds, die nix anderes zu tun haben, als zu lästern und zu haten", ein Forum bieten. Sie beziehen sich dabei auf unsere wöchentliche "Tatort"-Rubrik, in der wir Twitter-Beiträge einbinden. So wie auch am vergangenen Sonntag nach dem Leipziger "Tatort".

Sie fragen Ihre Freunde auf Facebook: "Was lernen wir dadurch? irgendwelche spackos, die sich hinter irgendwelchen phantasieprofilbildern verstecken und ihren -mal mehr oder weniger- unterhaltsamen frust ablassen....?" In einem weiteren Facebook-Eintrag unterstellen Sie, SPIEGEL ONLINE wolle suggerieren, "dass 30 tausend twitter-guys die allgemeinheit repräsentieren."

Das wollen wir natürlich nicht, aber wir halten die Beiträge für interessante, authentische Stimmen aus dem "Tatort"-Publikum, die in einem kuratierten Umfeld Gehör finden sollten.

Til Schweiger im Streitgespräch mit Christian Buß
Ein bisschen wundert uns Ihr Furor in Sachen Publikumspartizipation. Schließlich haben Sie sich irgendwann entschlossen, Ihre Filme nicht mehr vorab professionellen Filmkritikern zu zeigen, weil Sie deren Meinung nicht interessiere. Stattdessen interessiere Sie die Meinung der normalen Leute, die an der Kinokasse ihr Urteil abgeben, indem sie Tickets für Ihre Filme kaufen. Wir geben nun normalen "Tatort"-Zuschauern die Chance, ihren Unmut, aber auch ihr Lob für die aktuellen Episoden zu artikulieren. Das kann Sie nicht allen Ernstes stören.

Sie kritisieren außerdem, dass "spon einen 'journalisten' dafür bezahlt, dass er sich durch die twitter-gemeinde wühlt und die besten=gemeinsten kommentare veröffentlicht". Dass wir einen bezahlten Journalisten die Twitter-Kommentare auswählen und einordnen lassen, halten wir tatsächlich für unsere journalistische Pflicht.

Des Weiteren machen wir Sie gerne darauf aufmerksam, dass wir den "Tatort" mit weiteren Formaten sehr kritisch begleiten. Umfassend analysieren wir die jeweilige Folge in einer Vorabkritik, im Nachgang liefern wir einen peniblen Faktencheck. Mehr kritischer Umgang mit dem "Tatort" ist wohl kaum möglich.

Und wohl auch kaum mehr Offenheit: Ihr Hamburger "Tatort" kommt bei uns mal sehr schlecht, mal aber auch recht gut weg. Wir sehen uns da keinesweg als "Speerspitze" der Til-Schweiger-Kritik, wie Sie uns einmal bei Markus Lanz genannt haben. Von einer Kampagne kann bei einer positiven Kritik wie der zu Ihrem letzten "Tatort" wirklich nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Wir freuen uns schon auf Ihren nächsten "Tatort" an der Seite von Helene Fischer.

Bleiben Sie uns gewogen,

Im Namen der SPIEGEL-ONLINE-Redaktion, Ihr Christian Buß

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insgesamt 230 Beiträge
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Seite 1
strauch 17.02.2015
1.
"Des Weiteren machen wir Sie gerne darauf aufmerksam, dass wir den "Tatort" mit weiteren Formaten sehr kritisch begleiten. Umfassend analysieren wir die jeweilige Folge in einer Vorabkritik, im Nachgang liefern wir einen peniblen Faktencheck. Mehr kritischer Umgang mit dem "Tatort" ist wohl kaum möglich." Vielleicht wäre die journalistische Arbeit in anderen Bereichen besser aufgehoben, als beim Tatort.
petzle 17.02.2015
2. Ähem, ja
Gähn... Till Schweiger wäre der Name doch Programm. Langweilig, langweilig und nochmal.
peter_30201 17.02.2015
3. Twitter funktioniert auch ohne Spiegel Online
Wen interessiert, was andere Leute über den Tatort twittern, erfährt dies bei Twitter und braucht dazu nicht die Zweitverwertung über eine Redaktion. So ganz unrecht hat Til Schweiger nicht. Hat die Tatortmetakritik in der Berichterstattung solch eine hohe Priorität, dass diese einen eigenen Redakteur wert ist?
tiefseetanker 17.02.2015
4.
Jetzt wird also auch auf lästernde Facebook-spackos Bezug genommen? :)
brendan33 17.02.2015
5. Richtig verlogene Antwort...
die voller Speerspitzen steckt (wir freuen uns auf Ihren Tatort mit Helene Fischer) die die Annahme untermauern, die Schweiger formuliert.
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