Neuer Schweiger-"Tatort" Lass das mal den Türken machen

Wer ist hier der Star? Til Schweiger darf seinen knackigen Po zeigen - aber sein Sidekick Fahri Yardim hat die knackigeren Monologe. Als türkischer Kommissar Gümer führt er durch die unübersichtliche Multikulti-Gegenwart. Überraschung: ein starker "Tatort" aus Hamburg.

ARD

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HafenCity, Marco-Polo-Tower, 12. Stock. Hier kostet der Quadratmeter 14.000 Euro, das Bad mit integriertem Wasserfall ist mit australischem Mahagoni vertäfelt. Wer von hier oben frischgebadet und geölt über die Elbe blickt, den können schon mal Allmachtsgefühle überkommen. Im neuen "Tatort" gehört das Luxusapartment einem kurdischen Mafioso.

Kommissar Tschiller (Til Schweiger) tritt inmitten seiner aktuellen Untersuchungen, bei denen es am Ende 19 Tote im Umfeld konkurrierender Clans zu beklagen gibt, zwar ausgesprochen lädiert und ungebadet auf den Balkon der Kurden-Immobilie - die Hybris des machtgesättigten Panorama-Settings aber überträgt sich auf ihn.

Tschillers Blick streift über den Hafen und die Containerflächen, wo Drogenlieferungen aus Übersee verschoben werden, und hier oben in luftigen Höhen glaubt er auf einmal, sämtliche Player des organisierten Verbrechens ausschalten zu können. Der Wahnsinn blitzt in Tschillers Augen, dann zählt er im Dialog mit einem Kollegen auf, wen er sich alles vorknöpfen will: Erst sind die Kurden dran, dann die Russen, schließlich die Albaner. Die elenden Rockergangs stehen auch auf Tschillers Liste. Die Scheiß-Nazis ebenfalls. Und - yeah! - die Päderasten sowieso. Unsere Stadt soll sauberer werden.

Zwischen Gerechtigkeit und Gerechtigkeitswahn

Ein beängstigender Dialog. Beängstigend auch deshalb, weil er ein bisschen so klingt wie der Tschiller-Darsteller Schweiger, wenn er in Talkshows über Verbrechensbekämpfung räsoniert. Unvergessen die Lanz-Sendung, in der er 2011 in Populistenmanier den Internetpranger für Sexualstraftäter forderte. Im ersten "Tatort" mit Schweiger ließen die Verantwortlichen den fiktionalen Kommissar Tschiller - Bezug nehmend auf die Auftritte des realen Schweiger - als Heilsbringer agieren, der seinem dampfenden Gerechtigkeitsempfinden erfolgreich freien Lauf lässt und junge Osteuropäerinnen aus der Sexsklavenschaft freiballert. Da muss man in Anbetracht des sich nun über den Dächern von Hamburg anbahnenden Allmachtsszenarios noch Schlimmeres befürchten.

Es tritt aber nicht ein. Im Gegenteil. Im zweiten Schweiger-"Tatort" kippt das zuvor ehrfürchtig zelebrierte Gerechtigkeitsempfinden des Ermittlers in einen kühl beobachteten Selbstgerechtigkeitswahn; die Erlöserfigur wird gebrochen. Ein kluger dramaturgischer Dreh, der vor allem dank des Sidekicks Fahri Yardim gelingt, der das Treiben seines Kollegen im Laufe der Handlung immer kritischer kommentiert.

Sagten wir eben Sidekick? Wir entschuldigen uns. Wie Yardim seinen türkischen Kommissar Yalcim Gümer geschmeidig und straßenerfahren spielt, das hat Starpotential.

Wo in diesem "Tatort" Ressentiment und Stammtischaktionismus aufblitzen, da führt Bomberjacken-Cop Gümer mit wenigen Worten beides ad absurdum. Wo Tschiller im Stellungsgefecht mit der schönen Staatsanwältin seinen immer noch sehr ansehnlichen Po in die Kamera halten darf, da bekommt Gümer die knackigeren Kommentare. Wo sich der Rest der Hamburger Polizei eher ungelenk durchs ethnische Dickicht konkurrierender Clans schlägt, behält er den Überblick. Die komplizierte Hamburger Multikulti-Gegenwart fürs "Tatort"-Publikum aufschlüsseln? Lass das mal den Türken machen.

Cenk Batu lässt leise grüßen

Über die Hintertür wird auf diese Weise ein Typ in die Krimi-Reihe eingeführt, dessen Einzug über die Vordertür einst nicht wirklich geklappt hat. Von 2008 bis 2012 agierte in Hamburg Mehmet Kurtulus als Kommissar Cenk Batu und lieferte extrem moderne Krimis, die in unterschiedlichen ethnischen Milieus spielten. Aber die Quoten waren mäßig, das Publikum offensichtlich noch nicht reif für einen nicht deutschen Solo-Ermittler. Kurtulus gab frustriert auf, der NDR konnte ihm keine wirklich zukunftsträchtige Option bieten. Dass nun ausgerechnet in dem "Tatort" mit Deutschlands zugkräftigstem Kinostar doch noch ein extrem starker türkischer Charakter etabliert wird, ist ein guter Schachzug der NDR-Verantwortlichen. Und zeigt, das muss man fairerweise sagen, die Größe Schweigers, der seinem weniger berühmten Schauspielerkumpel Yardim die stärkeren Auftritte lässt.

So gelingt nach dem scheußlichen Schweiger-Einstand im Vorjahr nun mit der Episode "Kopfgeld" (Regie führte wieder Christian Alvart, das Buch lieferte wieder Christoph Darnstädt) ein Thriller, der reflektiert mit verschiedenen Wirklichkeitsebenen arbeitet. Zum einen geht es, wie gerade erst im letzten Bremer "Tatort", um die neuen Verteilungskämpfe kurdischer und arabischer Clans, zum anderen wird spektakulär, aber niemals touristenfreundlich die neue Wohlstandsarchitektur Hamburgs in Szene gesetzt.

Außerdem spielen die Filmemacher klug mit der Starpersona Schweiger. "Der bringt Klicks und geile Zeilen", heißt es einmal über die von seinen Vorgesetzten nicht mehr kontrollierbaren und die örtlichen Tageszeitungen füllende Kunstfigur Tschiller - in der sich der echte Headline-Garant Schweiger spiegelt. Eine Pointe, die die Aufmerksamkeitsökonomie der modernen Gesellschaft auf den Punkt bringt.

Ein dritter und ein vierter "Tatort" mit Til Schweiger und Fahri Yardim werden noch in diesem Jahr direkt hintereinander abgedreht und 2015 zeitnah zueinander ausgestrahlt. Auch wenn wir jetzt Lesererwartungen enttäuschen sollten: Wir freuen uns drauf.

2016, kleiner Vorschlag, könnte Fahri Yardim das Hamburger "Tatort"-Revier dann komplett übernehmen.


"Tatort: Kopfgeld", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD

Alle "Tatort"-Teams im Überblick

Dorn und Lessing in Weimar
Ist das noch ein Krimi? Nora Tschirner als Kommissarin Dorn und Christian Ulmen als Kollege Lessing lassen mit lässiger Eleganz die üblichen "Tatort"-Ermittlerstanzen ins Leere laufen - und das ausgerechnet im Einflussgebiet des MDR, wo man sich früher schwer tat mit Humor und Subversion. Die beiden sind leider höchstens einmal im Jahr in Weimar im Einsatz und müssen sich dann immer Beschimpfungen vom Gebührenzahler anhören. Im Frühjahr folgt endlich ihr dritter Fall. Auch wenn Krimi-Spießer zürnen: Dürfen gerne regelmäßiger in Erscheinung treten.

Murot in Hessen
Keine Angst vor dem Pianisten! Ob am Klavier oder am Maschinengewehr - Ulrich Tukur als Kommissar Murot ist fast immer eine Sensation. Fast immer: Die Nummer mit den Gauklern in der Zirkus-Folge "Schwindelfrei" von 2013 war wirklich übel, dafür war die Tarantino-meets-Truffaut-Folge "Im Schmerz geboren" 2014 ein absolutes Meistwerk der Reihe. Eine angenehme Abwechslung ist es, dabei zuzuschauen, wie sich Ulrich – Hoppla, jetzt komm ich – Tukur als LKA-Mann Felix Murot durch die Handlung singt, tanzt und musiziert. Oder eben auch mal mit der Schnellfeuerwaffe für Ordnung sorgt. Nach der letzten Folge, in der der reale Schauspieler Tukur auf den fiktiven Murot traf, gab es reichlich erzürnte Anrufe beim HR. Doch der verspricht: Es wird experimentell bleiben, ein weiterer Tukur-"Tatort" ist in Planung.

Tschiller in Hamburg
Wer ist der Größte im "Tatort"-Land? Til Schweiger schielt mit seinem Kommissar Nick Tschiller und seinen Actionblockbusterkrimis ganz eindeutig auf diese Spitzenposition. Beim letzten Doppel-"Tatort" nach dem Jahreswechsel holte man sogar Schlagerstar Helene Fischer ins Boot, um neue Quotenrekorde aufzustellen. Haute aber nicht hin, der Zweiteiler kam beim Publikum schlecht an. Da konnte selbst Schweiger mit Panzerfaust nicht viel anrichten, und auch der begnadete Sidekick und heimliche Hamburg-"Tatort"-Star Fahri Yardim als Kommissar Yalcin Gümer hielt die Zuschauer nicht. Die Publikumslieblinge Axel Prahl und Jan Josef Liefers und deren Zuschauerzahlen sind für Schweiger weiter entfernt denn je. Mal sehen, wie der im Februar startende Kino-"Tatort" ankommt.

Falke in Norddeutschland
Für immer Punk: Wotan Wilke Möhring als Kommissar Falke hört linksradikalen Hardcore, ist immer nur in Absteigen zu sehen und trägt zum Schlafen wie zum Ermitteln ein fadenscheiniges Ramones-Shirt. Erst war er in Hamburg unterwegs, dann musste er Til Schweiger die Stadt überlassen und zog ins norddeutsche Umland ab. Als Bundespolizist kümmert er sich um extrem aktuellen Problemstoff: Schleuserkriminalität und Flüchtlingselend. Zwischendurch gab es ein paar schlechte Folgen, aber zuletzt lieferte Möhring aus Salzgitter den besten "Tatort" zum Thema Flüchtlinge überhaupt. Nach dem Ausstieg von Petra Schmidt-Schaller übernimmt jetzt Franziska Weisz die Rolle der Co-Ermittlerin. Trotz schwieriger Zeiten eines der interessantesten TV-Reviere.

Boerne und Thiel in Münster
Der Prof und der Proll: Seit 2002 ermitteln Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne und Axel Prahl als Frank Thiel zwischen Keksdynastien, Kartoffelkönigen und Spargelkaisern. Der eine Snob und eng verbandelt mit der Münsteraner Honoratiorenschaft, der andere St.-Pauli-Fan und Outsider. Eine Kombination, mit der anfangs gekonnt grotesker Humor in den "Tatort" geschmuggelt wurde, der erschöpfte sich in den letzten Jahren aber in Gag-Kanonaden. Zwei Fälle im Jahr, fast immer von neuen Quotenrekorden flankiert. Mit den letzten Folgen hat man endlich wieder einen härteren Ton angeschlagen.

Voss und Ringelhahn in Franken
Die Fremden: Felix Voss ist ein verirrtes und verschlossenes Nordlicht mit Vorliebe für Techno-Exzesse, Paula Ringelhahn machte noch zu Mauerzeiten aus dem Osten rüber, weil sie an Freiheit und Demokratie glaubte. Jetzt ermitteln die beiden Kommissare, die überhaupt nicht zu einander passen, in einer Gegend, in der sie zudem noch deplatziert wirken. Eine reizvolle Grundsituation. Einmal jährlich werden Fabian Hinrichs und Dagmar Manzel als ungleiches Paar im Hinterland von Unter-, Mittel- und Oberfranken auftreten. Hinrichs hatte zuvor schon in einer BR-Episode als Ermittler-Kauz Gisbert für Furore und verliebtes Publikum gesorgt. Ab Mitte April, vielversprechend.

Brix und Janneke in Frankfurt
Wie sind die denn drauf? So ausgeglichen wie Paul Brix (Wolfram Koch, l.) und Anna Janneke (Margarita Broich, r.) geht sonst niemand in Fernsehkrimideutschland zur Arbeit. Gute Laune als Alleinstellungsmerkmal, ein interessanter Dreh. Statt Reibung die geballte Aufmerksamkeit für den jeweiligen Fall. Brix war früher bei der Sitte, Janneke hat zuvor als Psychologin gearbeitet: Eine gute Ergänzung, um in die harten, kranken und doch oft auch heiter verdrehten Fälle des hessischen "Tatorts" hinabzusteigen. Auch nicht schlecht: der Gewitter-Chef (Roeland Wiesnekker), der auf den schönen Namen Riefenstahl hört, hehe. Im Mai absolvierten Brix, Janneke und Riefenstahl ihren ersten Fall - bester Neuzugang im "Tatort"-Kosmos seit langer Zeit.

Rubin und Karow in Berlin
Er ein Schwein, sie eine Schlampe: Im Gegensatz zu den einstigen sonnigen Haupstadt-Cops Ritter und Stark sind "Tatort"-Nachfolger Mark Waschke als Robert Karow und Meret Becker als Nina Rubin mit extrem schwarzen Strich gezeichnet. Während Karow in der ersten Episode krumme Geschäfte mit der Drogenmafia laufen hat, vergnügt sich Rubin bei SM-Spielchen in den Hinterhöfen von Kreuzberger Hipster-Bars. Neben krassen Charakterzeichnungen gibt es im radikal modernisierten Berliner "Tatort" vor allem stimmige Hauptstadtimpressionen. Zwei Folgen pro Jahr, das Debüt macht Lust auf mehr.

Faber, Bönisch, Dalay und Kossik in Dortmund
Die Kranken: Jörg Hartmann schluckt als Peter Faber reichlich Pillen und schlägt Toiletten kaputt. Anna Schudt als Kollegin Martina Bönisch steigt mehr zum Frustabbau als zum Lustgewinn mit Callboys und Staubsaugervertretern ins Bett. Aylin Tezel als Nora Dalay und Stefan Konarske als Daniel Kossik haben schon gemeinsam auf Streife und im Bett zusammen geschwitzt– würden aber niemals das L-Wort benutzen. Zwei Folgen im Jahr. Eines der wenigen TV-Reviere mit stringenter Figurenentwicklung. Beim Start 2012 ein bisschen gewollt, jetzt die Elite des deutschen Fernsehkrimis.

Eisner und Fellner in Wien
Der doppelte Espresso: Seit 1999 ermittelt Harald Krassnitzer als Major Moritz Eisner mürrisch, praktisch, gut. An die 5000 Tassen Mokka und andere starke koffeinhaltige Getränke hat er seitdem in sich hineingeschüttet. Seit 2011 wird er von Adele Neuhauser als Bibi Fellner unterstützt, einer (meistens) trockenen Alkoholikerin mit Hang zur Halbwelt am Prater. Wien, düster und kalt wie ein kleiner abgestandener Schwarzer. Zwei Einsätze im Jahr, immer tut's weh, selten enttäuscht's. 2014 gab es den Grimme-Preis.

Batic und Leitmayr in München
Die ewigen Junggesellen: Seit 1991 sind Miroslav Nemec als Kommissar Ivo Batic und Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr im Einsatz. Früher gab es die eine oder andere mit den Fällen verbundene Affäre, heute sind sich die beiden Burschen offensichtlich selbst genug. Sehr zärtlich und verschworen untereinander, gegen den Rest der Welt wird trocken ausgeteilt. Drei Fälle im Jahr, auch nach weit über 20 Jahren besitzen die beiden eine hohe Treffsicherheit. Haben gerade eine junge Profilerin und einen Ermittlerbubi an die Seite gestellt bekommen. So kann es noch 10 Jahre weitergehen.

Borowski in Kiel
Der Weltenwandler: Als Klaus Borowski ist Axel Milberg am besten, wenn er in Parallelkosmen von Psychopathen hinabsteigt – vielleicht weil Borowski selber nah am Wahnsinn gebaut ist. Seit 2003 dabei, stand bis 2009 sinnigerweise unter der Beobachtung einer Polizeipsychologin; 2011 übernahm Sarah Brandt (Sibel Kekilli), die bislang allerdings noch mit der Betreuung überfordert scheint. Zwei bis drei Fälle im Jahr. War früher beim Publikum recht unbeliebt, hat mit spektakulären Folgen wie der über Crystal Meth aber in der Zwischenzeit kräftig zugelegt.. Der vielleicht klügste Ermittler im "Tatort"-Land."

Ballauf und Schenk in Köln
Das Ehepaar: Klaus J. Behrendt als Max Ballauf und Dietmar Bär als Freddy Schenk standen lange für den guten alten Soziokrimi – kein Thema, das von den beiden nicht warmherzig wegermittelt und wegerklärt wurde. Schenk hat zu Hause eine Frau, die man noch nie gesehen hat. Aber mal ehrlich: Was kann die schon gegen seine große Liebe Ballauf ausrichten? Seit 1997 dabei, drei bis vier Fälle im Jahr. Nachdem Anfang 2014 Assistentin Franziska grausam aus dem TV-Revier gemordet wurde, geht es bei den Kölnern düsterer und unversöhnlicher zu. Steht den beiden "Tatort"-Oldies eigentlich ganz gut.

Blum und Perlmann in Konstanz
Mutter Courage und der Schnösel: Seit 2004 geben Eva Mattes als Klara Blum im Fairtrade-Look und Sebastian Bezzel als Kai Perlmann im gut sitzenden Anzug das Gespann der Gegensätze. Sie guckt traurig bis empört, er gelangweilt bis genervt. Zwei bis drei Fälle im Jahr, waren am Anfang ziemlich gut, heute scheinen beide oft nur noch den Feierabend herbeizusehnen. Den bekommen sie bald: 2016 wird das Bodensee-Revier abgewickelt.

Odenthal und Kopper in Ludwigshafen
Die WG-Stoffel: Früher war Ludwigshafen das Labor des "Tatort". Hier gab es die schönsten amourösen Eskapaden und die verwegensten Storys – samt Ausflug ins All. Ulrike Folkerts als Lena Odenthal ist seit 1989 im Einsatz, Andreas Hoppe als Mario Kopper stieß 1996 dazu. Die offen lesbische Schauspielerin Folkerts durfte ihre Odenthal leider keine langlebige lesbische Liebe erleben lassen. Kämpft sehr mit sich, nach vielen öden Episoden kommt langsam wieder Bewegung in Personenführung.

Lindholm in Hannover und Umgebung
Die Frau von heute: Seit 2002 ist Maria Furtwängler in der Rolle der Charlotte Lindholm in Niedersachsen unterwegs und wurde in den letzten Jahren zum Inbegriff der modernen weiblichen Ermittlerin. WG-erfahren, hochschwanger während brisanter Ermittlungen, später brachte sie Kind und Karriere gut zusammen. Lindholm ist die personifizierte Selbstoptimierung, im Herzen konservativ, aber offen für Experimente. Kurz: die Ursula von der Leyen des "Tatort". Früher zwei bis drei Episoden im Jahr, jetzt nur noch eine. Nicht immer großartig, niemals langweilig.

Flückiger in Luzern
Der Leisetreter: Nachdem Stefan Gubser als Reto Flückiger bereits einige Male als Gast bei Kollegin Klara Blum in Konstanz ermittelt hatte, bekam er 2011 ein eigenes Revier in Luzern. Bringt eine leise Note in den zur Hysterie neigenden "Tatort". In der desaströsen ersten Folge stand ihm noch Sofia Milos als Abby Lanning zur Seite, dann übernahm Delia Mayer als Liz Ritschard die weibliche Sidekick-Rolle. Sie spielt die erste offen lesbische Ermittlerin im "Tatort"-Verbund. Zwei Folgen im Jahr, sorgen oft für unaufgeregte Kontrapunkte.

Lürsen und Stedefreund in Bremen
Die ewigen Spontis: Sabine Postel als Inga Lürsen und Oliver Mommsen als Nils Stedefreund liefern sich ein schönes Wechselspiel. Wenn der Jungspund es zu wild treibt, setzt sie ihr strenges Gesicht auf, wenn die Chefin allzu viel Spaß hat, macht er den Miesepeter. Schnoddrig lösen die beiden auf diese Weise politisch aufgeladene Fälle. Links, launig, manchmal ein wenig zu laut. Sie ist seit 1997 dabei, er seit 2001. Zwei bis drei Fälle im Jahr. Immer gut – solange es den Kommissaren schlecht geht.

Lannert und Bootz in Stuttgart
Die Geschundenen: Richy Müller als Thorsten Lannert und Felix Klare als Sebastian Bootz sind prima Kerle. Der eine mit tragischer Undercover-Ermittler-Vergangenheit, der andere als ehrenhaft gescheiterter Ehemann. Sie liefern gute, korrekte Ermittlerarbeit – der manchmal aber die gute, korrekte Inszenierung fehlt. Seit 2008 im Einsatz, zwei bis drei Folgen im Jahr, da geht noch was.

Stellbrink und Marx in Saarbrücken
Der Zarte und die Harte: Seit 2013 ermitteln Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx in Saarbrücken. Er ist ein kiffender Gefühlsmensch, sie eine rabiate Analysemaschine. Man mag es in Saarbrücken in Sachen Charakterzeichnung eben gerne ein bisschen schlichter. Startete als Comedy-Krimi, wird jetzt langsam ernster. Zwei Folgen im Jahr, immer noch die große Baustelle der "Tatort"-Reviere.

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Seite 1
hschmitter 07.03.2014
1. Ich schlag vor
Alle Online und Fensehmedien lassen Laufbänder laufen: noch so und so viel Stunden,Minuten,Sekunden bis zum Tatort (der so langweilig und überschaubar sein wird wie 98% aller Tatorte der letzten 50 Jahre). Nur so kann man diesem wichtigen Ereignis gerecht werden.
kiltbear 07.03.2014
2. Zweiter Gesichtsausdruck
Solange sich Till Schweiger, der Dreiknarrenkommissar nich endlich einen zweiten Gesichtsausdruck zulegt, tuc ich ihn mir nicht an. Aber vielleicht hat er ja auch eine Mimikmuskellähmung, wie Sylvester Stallone.
kommentar4711 07.03.2014
3.
Wie bitte? SPON feiert einen (1.) Tatort und dann noch einen mit (2.) Till Schweiger? Das ist ja als würde Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen. Ne, eigentlich noch viel unwahrscheinlicher.
jubiladino 07.03.2014
4. Lange nicht vermisst.
Sehr selbstgerecht, aber erfolgreich, etwas naiv kindisch kindlich. Die Medien sollten ihn nicht so hypen, denn wir haben in Deutschland wahrlich wirklich gute Schauspieler.
BettyB. 07.03.2014
5. Tolle Idee
Schweiger für´n A*** und Yardim für Sprache, Witz und Minenspiel. Nun, da lässt sich auch Schweiger gerade noch ertragen, wenigstens von hinten...
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