Vorwürfe gegen NBC-Urgestein Tom Brokaw bestreitet sexuelle Belästigung

22 Jahre lang moderierte Tom Brokaw die Hauptnachrichten des US-TV-Senders NBC. Darin berichtete Linda Vester aus Kriegsgebieten. Nun wirft ihm die Reporterin sexuelle Belästigung vor.

Tom Brokaw
AP

Tom Brokaw


Er ist einer der renommiertesten Nachrichtenmoderatoren des US-Fernsehens: Tom Brokaw war mehr als zwei Jahrzehnte lang das Gesicht der NBC Nightly News, er moderierte auch die Sendungen "Today" und "Meet the Press". Nun hat eine Frau, die als Kriegsreporterin für NBC News arbeitete, Brokaw vorgeworfen, ihr gegenüber in den Neunzigerjahren übergriffig geworden zu sein. Dies berichten die "Washington Post" und "Variety".

Der heute 78-jährige Brokaw bestritt die Vorwürfe in einem Mitteilung, die von NBC News veröffentlicht wurde. Der Sender war wegen seines Umgangs mit den Vorwürfen gegen seinen Star-Moderator Matt Lauer in die Kritik geraten.

Die ehemalige NBC-Korrespondentin Linda Vester berichtete den Publikationen, Brokaw habe ihr gegenüber unerwünschte Avancen gemacht und sie bei zwei Anlässen mit Gewalt zu küssen versucht. Die Journalistin war damals in ihren Zwanzigern.

Tom Brokaw, der von 1982 bis 2004 die Abendnachrichten moderierte - unter anderem auch am Tag des Mauerfalls - und seither als "Special Correspondent" für NBC News arbeitet, sagt: "Ich habe mich mit Linda Vester bei zwei Gelegenheit vor 23 Jahren getroffen, beide Male auf ihren Wunsch hin. Sie suchte meinen Rat im Zusammenhang mit ihrer Karriere bei NBC." Die Treffen seien "kurz, herzlich und angemessen" verlaufen und, "entgegen Lindas Vorwürfen" habe er ihr gegenüber niemals Annäherungsversuche gemacht.

Eine andere Frau, ehemals als Produktionsassistentin für NBC tätig, machte gegenüber der "Washington Post" ähnliche Vorwürfe wie Linda Vester, allerdings ohne ihre Identität preiszugeben.

"Der mächtigste Mann im Sender"

Die heute 52-jährige Vester berichtete den Medien von zwei Vorfällen. 1994 habe er ihr zunächst suggestive Computermitteilungen geschickt und dann ankündigt, in ihr New Yorker Hotelzimmer zu kommen. Vester sagte, Brokaw sei zu jener Zeit "der mächtigste Mann im Sender" gewesen "und ich die am niedrigsten gestellte Person". Sie habe sich nicht in der Lage gesehen, ihn abzuweisen.

Im Hotelzimmer habe sie ihn gefragt, was er von ihr wolle. "Eine Affäre von mehr als beiläufiger Zuneigung", die Antwort gewesen, worauf sie Brokaw darauf hingewiesen habe, dass er verheiratet und sie Katholikin" sei. Auf dem Sofa habe er Vester in den Nacken gegriffen und "mit Gewalt versucht, mich zu küssen". Der damals 28-Jährigen sei es gelungen, sich loszureißen und ihm zu sagen, dass sie "das" nicht wolle. Daraufhin habe er das Zimmer verlassen. Im folgenden Jahr in London habe er dasselbe versucht.

Journalistin Linda Vester in den Neunzigern
imago/ ZUMA Press

Journalistin Linda Vester in den Neunzigern

Seinerzeit hatte Linda Vester die Vorfälle nicht gegenüber ihren Vorgesetzten bei NBC angezeigt. Sie habe negative Auswirkungen befürchtet. Eine Kollegin, die sie damals ins Vertrauen gezogen habe, bestätigte gegenüber der "Post" die Aussagen; zudem legte Vester "Variety" Tagebucheinträge vor.

Dass sie heute die Vorwürfe öffentlich macht, begründet Vester damit, dass NBC weiterhin keine externe Stelle damit beauftragt habe, die verschiedenen Vorwürfe des sexuellen Fehlverhaltens von männlichen Sendermitarbeitern aufzuarbeiten. Anwaltlich vertreten wird sie von Ari Wilkenfeld, der wiederum auch die NBC-Mitarbeiterin vertritt, deren Vorwürfe gegen Matt Lauer dazu führten, dass dieser als "Today"-Moderator entlassen wurde.

Der "Washington Post" haben inzwischen weitere Frauen davon berichtet, dass Lauer ihnen gegenüber übergriffig geworden sei. Lauer selbst gab der Zeitung gegenüber zu, sich "als Ehemann, Vater und Vorgesetzter bei NBC" unangemessen verhalten zu haben. Allerdings wolle er sehr deutlich machen, dass alle Vorwürfe oder Berichte, wonach er "Zwang angewendet, aggressiv oder missbrauchend gehandelt" habe, falsch seien.

Lauers ehemalige Ko-Moderatorin Ann Curry sagte, sie habe zwei NBC-Manager schon 2012 auf Vorwürfe gegen Lauer aufmerksam gemacht. NBC-Chef Andy Lack, der damals allerdings noch nicht im Amt war, hatte nach Lauers Entlassung betont, dass die Vorwürfe im Herbst 2017 die ersten waren, von denen das aktuelle Management Kenntnis erhalten habe.

feb/AP/Reuters



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.