Entscheidung des Verwaltungsrats: Opernboss Hall wird neuer BBC-Direktor

Der Journalist und Kulturmanager Tony Hall soll die BBC aus der Krise führen. Der Verwaltungsrat ernannte den Chef der Londoner Royal Opera zum neuen Generaldirektor. Der hoch dekorierte Adlige soll das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Sender zurückgewinnen.

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Neuer BBC-Direktor Hall: "Die richtige Person, um die BBC aus der Krise zu führen"

London - Die BBC bekommt einen neuen Chef. Der Verwaltungsrat des Senders berief am Donnerstag Tony Hall auf den Direktorenposten. Der 61-Jährige wird damit Nachfolger von George Entwistle, der nach einem TV-Bericht, in dem falsche Kindesmissbrauchsvorwürfe gegen einen Tory-Politiker verbreitet wurden, zurückgetreten war.

Hall hat jahrelange Erfahrung bei dem von Skandalen erschütterten Sender. Nach seinem Studienabschluss fing er 1973 bei der BBC an und arbeitete sich in den neunziger Jahren bis zum Nachrichtenchef nach oben. 1999 kandidierte er erfolglos für den Posten des BBC-Generaldirektors. Zwei Jahre später verließ Hall den Sender und wurde Direktor des Royal Opera Houses im Londoner Covent Garden. Unter seiner Führung öffnete sich die Oper für ein breiteres Publikum und steigerte ihre Einnahmen durch DVD-Veröffentlichungen und Live-Übertragungen im Internet.

Die Queen ernannte ihn 2005 zum Commander des Order of the British Empire. 2010 wurde Hall in den Adelsstand erhoben und zum Baron Hall of Birkenhead ernannt. Seither sitzt er auch im House of Lords, dem britischen Oberhaus.

Skandal um Jimmy Savile

BBC-Verwaltungsratschef Chris Patten sagte, Hall sei "die richtige Person, um die BBC aus der gegenwärtigen Krise zu führen". Die vergangenen acht Wochen seien für alle Mitarbeiter "sehr traumatisch" gewesen, doch mit der Ernennung eines neuen Direktors beginne eine neue Phase. "Die wichtigste Aufgabe wird es sein, unseren öffentlichen Ruf wiederherzustellen."

Die Krise der BBC begann mit der Enthüllung, dass ihr langjähriger Kult-Moderator Jimmy Savile jahrelang Minderjährige missbraucht hatte. Eine Aufdeckung des Skandals hatten die Senderverantwortlichen lange unterdrückt. Dann sorgte ein Bericht der BBC-Sendung "Newsnight" für Aufsehen, in der ein Tory-Politiker implizit des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde.

Nachdem sich die Vorwürfe als haltlos erwiesen, mussten der nur 54 Tage amtierende BBC-Direktor Entwistle sowie die Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Vize Stephen Mitchell ihre Ämter niederlegen. Zudem leitete der Sender weitere Disziplinarmaßnahmen ein. Die Medienaufsichtsbehörde Ofcom prüft, ob die BBC gegen den Medienkodex verstieß. Im schlimmsten Fall drohen der Anstalt damit Strafzahlungen in Millionenhöhe.

syd

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