TV-Drama "Mad Men": Mattel bringt Serienhelden als biedere Barbies heraus

Die Helden der US-Serie "Mad Men" sind die Lieblinge der Kritiker - und vielleicht auch bald der Kinder: Don Draper und Co. soll es ab Sommer als Barbie-Puppen geben. Doch einige entscheidende Dinge fehlen anscheinend bei den Plastikfiguren.

So sollen Joan, Roger, Don und Betty (von links) als Barbie-Puppen aussehen. Zur Großansicht
Mattel

So sollen Joan, Roger, Don und Betty (von links) als Barbie-Puppen aussehen.

Mit drei Golden Globes sowie 38 weiteren Auszeichnungen gehört "Mad Men" zu den erfolgreichsten TV-Serien aller Zeiten. Ab Sommer werden sich die Darsteller des Dramas um einen New Yorker Werber noch weitere Statuen ins Regal stellen können: nämlich sich selbst als Barbie-Puppen. Nach einem Bericht der "New York Times" ("NYT") plant der Spielzeughersteller Mattel, vier Hauptfiguren in Plastik herauszubringen. Dazu gehören die Eheleute Don und Betty Draper sowie das ehemalige Liebespaar Joan Holloway und Roger Sterling. "Wir glauben, dass die Puppen die Serie hervorragend verkörpern", sagte Stephanie Cota, Senior Vice President für die Vermarktung von Barbie bei Mattel, der "NYT".

"Mad Men" ist eine Schöpfung von "Sopranos"-Autor Matthew Weiner. Schauplatz ist die fiktive New Yorker Werbeagentur Sterling Cooper Anfang der Sechziger. Im Mittelpunkt stehen der undurchsichtige, gleichwohl sympathische Agenturchef Don Draper (gespielt von Jon Hamm) und die aufstrebende Texterin Peggy Olson (Elisabeth Moss). Anhand der beiden Figuren zeigt "Mad Men" die geltenden Geschlechterklischees vor der sexuellen Revolution auf: Don Draper führt eine durch und durch konventionelle Ehe, an deren Enge sowohl er als auch seine Frau Betty (January Jones) leiden. Peggy Olson hingegen schafft als erste Frau bei Sterling Cooper den Aufstieg von der Sekretärin zur Kreativen.

Kurvige Frauen und Ken-Klischees

Die Auswahl der Figuren, die Mattel als Barbie-Puppen herausbringen will, ist daher bezeichnend: Anstelle der emanzipierten Peggy wird es zunächst nur die Hausfrau Betty Draper und die Sekretärin Joan Holloway (Christina Hendricks) als Plastikvariante geben. Andererseits entsprechen die beiden Frauen dem ursprünglichen Barbie-Ideal: kurvige Frauen, deren Welt sich vor allem um ihren Mann und ihr Aussehen dreht. Die Agenturchefs Draper und Cooper entsprechen mit ihren perfekten Seitenscheiteln dagegen dem Ken-Klischee. Wobei Ken seine Barbie nicht annähernd so häufig betrogen haben dürfte, wie die beiden in der Serie ihre Partnerinnen.

Noch interessanter ist aber eine andere Auslassung: Die Mattel-Figuren sollen laut "NYT" keine Zigaretten und Drinks als Accessoires bekommen. In der Serie wird - den damaligen Lebensgewohnheiten einigermaßen entsprechend - exzessiv geraucht und getrunken. "Manche Dinge sind angemessen, manche nicht", sagte Marketing-Verantwortliche Cota dazu. Ob Kinder mit den Puppen eine ausgelassene Cocktailparty nachspielen und dabei die Vorzüge von Dirty Martinis und Zigarren entdecken würden, ist allerdings fraglich: Die Figuren sind vor allem auf die erwachsene Zuschauergruppe der Serie ausgerichtet.

"Die Puppen sind die Verwirklichung einer Phantasie - auf eine seltsame Weise", sagte Serienschöpfer Weiner der "NYT". Er wuchs nach eigenen Angaben in einem Haus voller Barbies auf. "Seine Charaktere als Barbies verkörpert zu sehen, ist durchaus ein Erfolgsindikator." Die Puppen sollen rund 75 US-Dollar kosten und ab dem Sommer online sowie in Spezialläden zu kaufen sein. Zeitgleich ist in den USA die vierte Staffel angesetzt.

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