TV-Quoten 2012: Fußball und Olympia katapultieren ZDF an die Spitze

Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich die Führung zurückerobert: Dank hoher Einschaltquoten bei der Fußball-EM und den Olympischen Spielen landete das ZDF an der Spitze der Einschaltquoten für 2012. ARD und RTL erreichten Platz zwei. Vor allem die Casting-Shows des Privatsenders verloren viele Fans.

Katrin Mueller-Hohenstein und Oliver Kahn während der EM: Fußball brachte hohe Quoten Zur Großansicht
dapd

Katrin Mueller-Hohenstein und Oliver Kahn während der EM: Fußball brachte hohe Quoten

Berlin - Ein Sender-Marktanteil von 12,6 Prozent reichte dem ZDF, um 2012 das Quoten-Rennen unter den großen deutschen Fernsehsendern für sich zu entscheiden. Damit stieß das Zweite RTL (12,3 Prozent) vom Thron. 2011 hatte der Privatsender noch dank Bohlen-Hits wie "DSDS" und anderen Casting-Formaten die Nase vorn gehabt. Damals gewann RTL mit 14,1 Prozent, während das ZDF mit 12,1 Prozent nur den dritten Platz erreichte.

Die ARD landete in diesem Jahr mit 12,3 Prozent den gleichen Marktanteil wie RTL, und verlor damit im Vergleich zum Vorjahr nur geringfügig (12,4 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die GfK-Fernsehforschung, die diese Werte bis einschließlich 29. Dezember ermittelte. Demnach kamen Sat.1 auf 9,5 Prozent (Vorjahr: 10,2 Prozent) und ProSieben auf 5,9 (6,2 Prozent). Die dritten ARD-Programme verbuchten zusammengerechnet gleichbleibende 12,5 Prozent.

Trotz der Spitzenposition des ZDF täuschen die gemessenen Werte der GfK-Fernsehforschung nicht darüber hinweg, dass auch der Sieger einige Probleme hat, sich am Markt zu behaupten. Zwar steigerte sich das ZDF um 0,5 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Zu verdanken hat der Sender diese Tatsache aber großen TV-Ereignissen.

Nur das ZDF profitierte vom Sport-Boom

Vor allem die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele sorgten für überragende Einschaltquoten, gegen die die private Konkurrenz kaum etwas entgegensetzen konnte. Allerdings profitierte lediglich das ZDF von dem Sport-Boom, während die ARD weiter an Anteilen verlor. Wie der SPIEGEL berichtete, wird innerhalb der ARD unter anderem die monatelange Quotenpleite der täglichen Talkshow von Thomas Gottschalk am Vorabend dafür verantwortlich gemacht. Unter dem schwachen Zuspruch der Sendung hätten die Quoten der nachfolgenden Sendungen gelitten, heißt es intern. Für das Programmjahr 2013, in dem kein sportliches Großereignis stattfindet, erwarten ARD-Verantwortliche keine Besserung.

Beim privaten Sender RTL verloren vor allem die Casting-Formate einige ihrer Fans. Die einstigen Publikumsmagneten wie "Das Supertalent" und "Deutschland sucht den Superstar" büßten deutlich an Anziehungskraft ein - neue Ideen fehlten dem Sender. Auch Sat.1 hatte reihenweise Pech mit Eigenproduktionen: Deutsche Serien wie "Es kommt noch dicker" oder "Auf Herz und Nieren" brachen ein, auch das Casting-Experiment "Million Dollar Shootingstar" mit Bar Refaeli scheiterte. Inzwischen wechselte in München die Geschäftsführung.

Bei den jüngeren Zuschauern führt RTL

Bei den jüngeren Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren, die von den Privatsendern bevorzugt angesprochen werden, behält RTL seine Führung - aber auch hier nur mit hohen Verlusten. In dieser Zielgruppe kommt der Sender auf 15,9 Prozent Marktanteil (nach 18,5 Prozent). Dahinter liegen die Konkurrenten ProSieben mit 11,3 Prozent (11,7 Prozent) und Sat.1 mit 9,9 Prozent (10,6 Prozent). Die öffentlich-rechtlichen Anbieter legten in diesem Segment leicht zu: Die ARD kam auf 7,0 Prozent (6,6 Prozent) und das ZDF auf 6,8 Prozent (6,2 Prozent).

Die durchschnittliche Sehdauer nahm nach dem Allzeithoch vom vergangenen Jahr etwas ab. Der Zuschauer ab drei Jahren hockte laut der Marktforschungsfirma Media Control in Baden-Baden bis zum 27. Dezember einschließlich jeden Tag durchschnittlich 222 Minuten (im Vorjahr: 225 Minuten) vor dem Bildschirm, die werberelevante Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren genau 187 Minuten (192 Minuten).

cib/dpa

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1. Alles subventioniert!
spon-facebook-10000211236 30.12.2012
Ist doch klar subventioniert von meinen GEZ-Gebühren.
2. Sicher! ...
egowehner 30.12.2012
das ZDF als Hort der `dicken Beene`.
3. Die
mdelfi 30.12.2012
Gleich vorweg: Nein ich bin kein Mitarbeiter oder Angestellter der GEZ - finanzierten Anstalten. Und auch ich ärgere mich über viele sinnlose Radiosender der öffentlich / rechtlichen. Ich frage mich aber was die Alternative dazu ist. Die Privatsender der beiden großen Konzerne: RTL-Group bzw. die ProSiebenSat.1 Media AG? In Ihren ersten Sendejahren waren diese Fernsehsender noch innovativ, frech und sind neue Wege gegangen. Damals gab es aber auch noch keine Quoten. Heute sieht das ganze schon anders aus. Innovativ oder frech sind vollkommen verschwunden. Alles richtet sich nur nach Quoten und Werbeeinnahmen. Wahrheit oder Realität spielen keine Rolle mehr. Es wird den ganzen Tag nur noch gezeigt, wie das Leben nicht ist. Alles ist gefakt und Menschen werden vorgeführt. Egal ob sich das DSDS, Bauer sucht Frau oder The Voice of Germany nennt. Selbstverständlich gibt es auch bei ARD und ZDF vielen Schwachsinn zu sehen: z.B. Florian Silbereisen mit seinen unsäglichen und teuren Volksmusiksendungen. Aber, und das unterscheidet diese beiden Systeme: in den öffentlich / rechtlichen findet noch kritischer Journalismus statt. Warum wohl gibt es keine kritische Sendung mehr auf RTL, wie zb. Die drei von der Telekom? Weil die Telekom ja dann nicht mehr auf RTL wirbt ...
4. Grundversorgung
peter9999 31.12.2012
Eine ordentliche werbefreie Grundversorgung für alle, über eine Gebühr bezahlt von der Gesamt-Gesellschaft, ist schon der richtige Weg! Diese Grundversorgung dürfen wir weder dem Kommerz-Werbungs-Privat-TV noch dem Pay-TV überlassen. Dass wohl jeder Forist hier, einschliesslich mir, sich über vieles bei den Öffentlich Rechlichen ärgert, ändert nichts an dieser Grundaussage. Ich hätte auch viele Vorschläge, wie ich das ÖR-Fernsehen aus meiner Sicht besser machen würde, ohne dass es teurer wird. Wahrscheinlich hätte das jeder und (leider) jeder ein bisschen andere Ideen dazu. Deswegen müssen wir es eben so nehmen, wie es ist und es ist auch akzeptabel so.
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