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TV-Serie "Falling Skies": Spiel noch mal mit den Aliens, Steven!

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Mit Geschichtswissen gegen die Alien-Invasoren: In der von Steven Spielberg produzierten TV-Serie "Falling Skies" kämpft ein Historiker gegen technisch überlegene Außerirdische. Der Abwehrkampf der letzten Amerikaner ist nicht sonderlich originell, aber packend erzählt.

TV-Serie "Falling Skies": Amerikaner gegen Aliens Fotos
AP/ TNT

Schon die braven Gallier im kleinen Dorf von Asterix und Obelix hatten nur vor einem Ereignis Angst: Möge ihnen doch bitte niemals der Himmel auf den Kopf fallen! In unzähligen Science-Fiction-Storys und -Filmen ist genau das passiert: Aus heiterem Himmel kreuzten feindselige Außerirdische auf, vernichteten die Zentren der Zivilisation und schickten die letzten Überlebenden auf einen archaischen Überlebenstrip, um das Erbe der Menschheit zu bewahren.

Das Schöne an unserer postmodernen Welt, in der popkulturelle Bilder von Alien-Raumschiffen, die New York oder Los Angeles in Schutt und Asche legen, tief im kollektiven Bewusstsein verankert sind: Wenn man so eine Geschichte heutzutage fürs Kino oder Fernsehen erzählen will, muss man die Zerstörung der Welt nicht mehr zeigen, man beginnt seine Story sechs Monate nach der Apokalypse. Das spart nicht nur Produktionskosten, das holt die Zuschauer auch dort ab, wo Filme wie "Independence Day", "Krieg der Welten" oder zuletzt "Battle: Los Angeles" bereits dargestellt haben, wie es aussehen könnte, wenn niederträchtige, technisch überlegene Weltraumwesen es auf die Erde abgesehen haben.

Steven Spielberg kennt sich bestens mit diesem Untergenre der Science Fiction aus, beim Klassiker-Remake "Krieg der Welten" führte er sogar selbst Regie, das Thema Außerirdische lässt ihn seit "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" und "E.T." ohnehin nicht mehr los. Einer seiner nächsten Filme wird von einer Welt nach dem Aufstand der Roboter handeln, und als Produzent zeichnete er kürzlich für den von "Lost"-Erfinder J.J. Abrams gedrehten Teenager- und Alien-Thriller "Super 8" verantwortlich. Mit den nuancierteren Erzählformen der Serie hat sich Spielberg bereits mehrfach beschäftigt, unter anderem in seinem preisgekrönten Kriegsmehrteiler "Band of Brothers" sowie in der Mini-Serie "Taken" über Menschen, die von Aliens entführt werden. Und auch bei der neuen, spektakulären TV-Serie "Falling Skies", die am Sonntag in den USA Premiere hatte und am 24. Juni auch in Deutschland empfangbar ist, war Spielberg nun als ausführender Produzent tätig.

Alles schon mal gesehen?

Nun mag der Kenner postapokalyptischer Horrorszenarien milde lächeln: Warum, Spielberg hin oder her, "Falling Skies" anschauen, wenn man eine ähnliche Geschichte gerade letztes Jahr mit blutrünstigen Zombies gesehen hat - in der Comic-Adaption "The Walking Dead", einem der großen TV-Erfolge der vergangenen US-Saison. Ganz einfach: Weil die Geschichte vom Überleben, Solidarisieren und Kämpfen der letzten Menschen eine der großen, essentiellen Erbauungserzählungen unserer Kultur ist, die immer wieder und in jeder neuen Facette zu fesseln vermag.

Ein Paradestoff also für Steven Spielberg, den großen Gefühlsmechaniker und Auteur des Actionabenteuers für die ganze Familie. In "Falling Skies", unter anderem geschrieben von "Saving Private Ryan"-Autor Robert Rodat, vermengt er bewährte Elemente seines bisherigen Œuvres und baut sie in das Szenario einer Alien-Invasion auf Erden ein. Wie schon in seinen Indiana-Jones- und Jurassic-Park-Filmen ist es ein Wissenschaftler, der den Helden spielen muss: Der ehemalige "ER"-Doktor Noah Wyle spielt in "Falling Skies" den Geschichtsprofessor Tom Mason, der nach dem Angriff der Außerirdischen auf seine Heimatstadt Boston seine Frau verloren hat.

Mit einem bunt zusammengewürfelten Haufen aus Zivilisten und Militärs, der als Widerstandstruppe "2 Massachusetts" unterwegs ist, versucht er, ein halbes Jahr nach der Invasion, das Überleben seiner Gruppe zu sichern und gleichzeitig den Rachefeldzug gegen die sechsbeinigen, "Skitters" genannten Aliens zu organisieren. Mason hat drei Söhne. Der eine, ein Teenager, gehört zur Einheit der Motorrad-Aufklärer, der kleinste hantiert auch schon tapfer mit Maschinengewehren - und der mittlere befindet sich in Gefangenschaft der Feinde, die das verheerte Land mit ihren "Mechs", martialischen Kampfrobotern, nach versklavbaren Überlebenden durchforsten. Es gibt auch noch den bärbeißigen Ex-Militär Weaver (Will Patton), der als Anführer der Survival-Einheit wenig Verständnis für die Belange von Zivilisten zeigt, sowie die hübsche und sanftmütige Ärztin Anne Glass (Moon Bloodgood), die im Verlauf der Serie zu Masons love interest werden dürfte.

Lagebesprechung vor dem Gedenkstein

Man merkt: Besonders originell wirkt das alles auf den ersten Blick nicht. Dennoch gelingt es "Falling Skies" gleich in den ersten beiden Folgen, die den Pilotfilm bilden, größtmögliche Spannung und Identifikation mit den Schicksalen der Hauptcharaktere aufzubauen - auf eine so unaufdringliche, gleichzeitig aber extrem effiziente Art, Details und Hintergrundinformationen zu installieren, wie es nur in den dichten Narrativen neuerer amerikanischer TV-Serien möglich ist.

Spielbergs Clou: Durch die akademische Bildung seines Protagonisten Mason kann er Allegorien und Hinweise auf historische Zusammenhänge streuen, wie es der Geschichtsversessenheit des Regisseurs von "Amistad" und "Schindlers Liste" nun einmal entspricht: Mal stehen Mason und sein Team bei einer Lagebesprechung wie zufällig vor einem Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege herum, mal doziert Mason vor seinen gelangweilten Mitstreitern über die Parallelen ihres Guerilla-Kampfes mit dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Die - genretypische - Botschaft ist klar: Amerikas Demokratie und Werteschatz müssen auch in der Zukunft verteidigt werden. Ehemals waren es Briten und Franzosen, dann die Nazis, dann islamistische Terrorfürsten - und künftig eben namen- und gesichtslose Hightech-Aliens. Wer weiß schon, was da noch so kommt.

Dass "Falling Skies" trotz dieser banalen Prämisse funktioniert, liegt an Spielbergs anderer Leidenschaft: seiner kindlichen Begeisterung für die comédie humaine auf dem großen Abenteuerspielplatz der Katastrophe. Egal ob er Kinder auf BMX-Rädern mit einem Alien-Baby vor den Autoritäten fliehen lässt oder staunende Professoren vor Sauriern türmen müssen: Stets sind es die zwischenmenschlichen Konflikte um Familie, Vertrauen und Moral, die jedes noch so monströse Setting zur bloßen Kulisse verdammen.

"Vor sieben oder acht Monaten wolltest du mir verbieten, mein Motorrad zu fahren, weil ich kein Licht hatte, und jetzt steckst du mir Extra-Munition zu", sagt Masons halbwüchsiger Sohn Hal mit bitterer Ironie zu seinem Vater, als der ihn vor einem gefährlichen Einsatz auf Alien-verseuchtem Terrain warnt. Im Krieg werden wir eben alle schneller erwachsen, als uns lieb ist. Und bald, so deutet es eine kurze Szene im Pilotfilm an, werden die letzten Amerikaner sich mit der unbequemen Tatsache auseinandersetzen müssen, dass auch die vermeintlich fiesen "Skitters" Gefühle haben. Beim Teutates!


"Falling Skies" ist ab dem 24. Juni auf TNT Serie zu sehen, u.a. über Sky empfangbar

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1. Hoch lebe der Produzent
der_kait 20.06.2011
Also ich weiß nicht, was das für eine Serien-Kritik sein soll.. durchgehende Lobhudelei des Produzenten und Aufzählung seiner früheren Werke.. Wie soll mir das weiterhelfen, wenn ich Steven Spielberg bereits kenne? Über die Serie selbst erfährt an nicht viel mehr, als dass sie nicht sonderlich originell ist. Ich habe vorher nicht viel von der Serie gehört und hätte sie mir evtl. angesehen. Nach der Lektüre dieses Artikels ist meine Motivation eher geschrumpft als gewachsen.
2. überbewertet und unoriginell
jsemmelr 20.06.2011
Ich hab mir die beiden Pilotepisoden gestern Nacht aus dem Netz gezogen und muss sagen; leider nur mässig originell. Hat ungefähr soviel Tiefgang wie die Neuauflage von V -The Visitors....typisch eindimensionale US-amerikanische Vater-Sohn storyline nach der zombie/alien/nuclear Apokalypse. Das hat Spielberg auch schon mit seinem durchschnittlichen War of the Worlds Remake verbraten. Die original V-The Visitors war da wesentlich origineller (Falling Skies "leiht" sich viel von dieser 80er Jahre Serie) als auch die leider zu früh gecancelten Sarah Connor Chronicles. Hatte nach dem Hype echt Hoffnung das Falling Skies mir über die einjährige Wartezeit zur zweiten Staffel von Game of Thrones helfen würde..... na ja, die meisten Star Trek Pilotstaffeln waren ja auch recht schwach im Vergleich zu den späteren Staffeln.
3. Taugt wohl nix
Hercules Rockefeller, 20.06.2011
Ich hab mir den Trailer angeschaut, da lockt mich garnix. Spielberg hat auch schon ne Menge Mist produziert, zumindest im TV Bereich. Der ist sowas wie der Svarovskikristall der TV-Branche geworden, klebt mittlerweile gefühlt überall drauf. Die Serie selbst wirkt wie ein gedehnter Abklatsch von Battle Los Angeles und diesem anderen Film mit den blauen Lichtern. Aliens abknallen ist ausserdem total öde, passt einfach nicht mehr in die Zeit.
4. Mal schauen!
BlakesWort 20.06.2011
Ich habe langsam so meine Befürchtung, Spielberg könnte Richtung Mittelmaß abdriften. Krieg der Welten ist maßlos unterschätzt, schließlich ist er Spielbergs Antwort auf den 11. September und zitiert einige der grauenerregenden Details (zum Beispiel Menschen die sich in Asche auflösen.) Band of Brothers war eine der besten Serien, die jemals für das Fernsehen produziert wurden; hier erkennt man, was ihn als Regisseur und Produzent so groß gemacht hat: die Konzentration auf das Menschliche, das eben nicht konstruiert oder aufgesetzt wirkt. Ich als Fan von Endzeitfilmen/-serien kann nur hoffen, dass "Fallen Skies" vieles richtig macht und seine Chance erhält.
5. gesehen!
kolejnik 20.06.2011
Habe den Pilot gestern gesehen und auch mich hat er nicht grade umgehauen. Ich denke jedoch die Serie hat Potential, deswegen werde ich auf jeden Fall die naechsten Folgen ebenfalls gucken. Ich hab schon einige Serien gesehen, wo der Pilot eher mittelmaessig war, sich die Story aber im Verlauf immer weiter verbessert hat. Ich werde dieser Serie eine faire Chance geben, denn: Never judge a book by its cover!
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