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Stephen-King-Serie "Under the Dome": Kuppel-Show des Grauens

Von Nina Rehfeld

TV-Serie "Under the Dome": Egos unter der Kuppel Fotos
CBS/ ProSieben

Der wahre Grusel kommt von innen: In der Stephen-King-Verfilmung "Under the Dome" wird die Kleinstadt Chester's Mill unter einer unzerbrechlichen Kuppel eingeschlossen. Darunter wird es bald ungemütlich.

Nein, die gigantische undurchlässige Kuppel, die sich in der Stephen-King-Verfilmung "Under the Dome" ohne Vorwarnung über das Städtchen Chester's Mill stülpt, ist nicht von der Schutzglocke über Springfield aus dem "Simpsons"-Film von 2007 inspiriert. Schon 1972, sagte King bei Dreharbeiten in North Carolina, habe er die Idee einer Handvoll Eingeschlossener gehabt. Aber erst 2009 veröffentlichte er den Roman, der jetzt als Fernsehserie zu sehen ist.

"Ich möchte euch einfach nur eine Scheißangst machen", umriss King auf dem Set in North Carolina seine schriftstellerische Mission. Diese unsichtbare, unüberwindliche Barriere, die seine Kleinstadt vom Rest der Welt isoliert, ist erneut ein recht beängstigendes Motiv. Aber der wahre Grusel kommt beim Meister des Horror-Romans von innen, nicht von außen. Und die Adaptionen von Kings Stoffen lassen sich auch daran bemessen, wie gut die Filmemacher das zu übersetzen wissen.

In Kings Thriller ist die eigentliche Bedrohung nicht die titelgebende Kuppel. Es sind die Egos der Eingeschlossenen, die die Lage so richtig gefährlich machen. Der Gebrauchtwagenhändler und stellvertretende Stadtrat "Big Jim" Rennie beispielsweise begreift im Handumdrehen, dass sich hier eine geniale Gelegenheit bietet, seine Machtgelüste zu inszenieren - wenn es ihm gelingt, sich im Moment der Gefahr als Beschützer der Bedrohten zu positionieren. Die Auftaktfolge von "Under the Dome", deren Drehbuch King selbst verfasste, sieht in dieser Hinsicht vielversprechend aus. Aber die Serie hält dieses Versprechen leider nicht ein.

Während des Irak-Krieges konzipiert

Verkörpert wird Rennie von Dean Norris, der momentan in der Rolle des Hank Schrader versucht, Walter White in "Breaking Bad" dingfest zu machen. Und wie Norris kumpelige Hemdsärmeligkeit mit schlitzohriger Schläue verbindet, das ist sehenswert. King hat den Gebrauchtwagenhändler dem ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney nachempfunden, als er "Under the Dome" während des Irak-Krieges konzipierte. Doch in der Fernsehversion ist er stark vereinfacht - er agiert als breitbeiniger Durchgreifer und nicht wie im Roman als Strippenzieher aus der zweiten Reihe. Auch fehlt es ihm an einem würdigen Opponenten.

Rennies Gegenspieler ist der mysteriöse Ex-Soldat Dale "Barbie" Barbera, der auf der Durchreise in Chester's Mill strandet, mit dem ehemaligen Model Mike Vogel enttäuschend blass besetzt. Und die Chefredakteurin der örtlichen Lokalzeitung, Julia Shumway, die Rennies Machtgeschacher - und eine Reihe illegaler Aktivitäten im Hintergrund - zu exponieren versucht, wird von der rotgelockten Rachelle Lefevre ("Twilight") mit der Kamera im Anschlag und schnoddriger "Ich will Antworten!"-Attitüde als wandelndes Klischee gespielt.

Neue Existenzbedingungen unter der Kuppel

Daneben arrangiert sich eine Gruppe Teenager mit den neuen Existenzbedingungen unter der Kuppel: Rennies Sohn Junior (Alexander Koch gibt überzeugend einen Psychopathen mit Welpenblick), der seine Ex-Freundin Angie (Britt Robertson) gefangenhält, Angies Bruder Joe (Colin Ford), der das Geheimnis um die Kuppel auf eigene Faust klären will, und Norrie (Mackenzie Lintz), die mit ihren beiden Müttern aus New York auf dem Weg zu einem Reform-Camp ist, als sich die Kuppel senkt.

Stephen Kings Geschichten sind vielfach und oft unter seiner eigenen Mitwirkung adaptiert worden. Und auch hier produziert er mit, neben Steven Spielbergs Amblin Entertainment sowie dem "Lost"-Produzenten Jack Bender. Einer Kinoverfilmung von "Under the Dome" widersetzte er sich, weil es im Roman - im Original immerhin 1074 Seiten stark - "zu viele Figuren und zu viele Nebenhandlungen" gebe.

Den Sender CBS hielt das nicht davon ab, dem Ganzen noch mehr Stoff hinzuzufügen und den Thriller melodramatisch zu mästen, wohl auf dass sich der Stoff nach dem Vorbild der haltlos fortgesetzten Verfilmung von Kings "Children of the Corn" noch viele Staffeln lang melken ließe. "Das Problem mit episodischem Fernsehen ist oft", bemerkte King, "dass es einen Anfang hat und eine Mitte, eine Mitte, eine Mitte." Eine zweite Staffel von "Under the Dome" ist für den kommenden Sommer bereits bestellt.


"Under the Dome", 4. September, 20.15 Uhr, ProSieben

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Gähn.
gormus 04.09.2013
War die NSA wohl etwas langsam mit der Weitergabe des Ausspionierten. Das Buch "Die Wand" ist von 1963. Selbst die Simpsons waren schneller.
2.
totalmayhem 04.09.2013
Ich finde, UTD ist eine eher fade Angelegenheit. Gott sei dank laufen zur Zeit genug bessere Serien. Ray Donovan mit Liev Schreiber (genial!) als "Fixer", der mit mehr oder weniger unlauteren Methoden die Probleme der Hollywood-Schickeria aus der Welt schafft (und nebenher genug eigene hat). Kreiert von Ann Biderman, die schon fuer Southland verantwortlich zeichnete. Low Winder Sun mit Mark Strong (der dieselbe Rolle auch in der englischen Vorlage spielte) als "moerderischer" Cop. Dazu die Fortsetzungen von Suits und Hell on Wheels. Und nicht zu vergessen, Sons of Anarchy, Staffel 6, am naechsten Mittwoch. ;)
3.
Gorone 04.09.2013
Zitat von sysopCBS/ ProSiebenDer wahre Grusel kommt von innen: In der Stephen-King-Verfilmung "Under the Dome" wird die Kleinstadt Chester's Mill unter einer unzerbrechlichen Kuppel eingeschlossen. Darunter wird es bald ungemütlich. http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-serie-zum-stephen-king-bestseller-under-the-dome-a-920291.html
Der Roman war durchweg spannend und hatte keine Längen, trotz der vielen Seiten. Schön zum mitfiebern. Für die Verfilmung hätten sie es aber bei einer Miniserie belassen sollen. Dann würde es auch keinen langgezogenen Mittelteil geben.
4. Blättern vor der Kamera
Pat-Riot 04.09.2013
Zitat von sysopCBS/ ProSiebenDer wahre Grusel kommt von innen: In der Stephen-King-Verfilmung "Under the Dome" wird die Kleinstadt Chester's Mill unter einer unzerbrechlichen Kuppel eingeschlossen. Darunter wird es bald ungemütlich. http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-serie-zum-stephen-king-bestseller-under-the-dome-a-920291.html
Der Roman ist als Serie zu sehen? Wie denn, Seite für Seite eine Folge? Stell' ich mir wahnsinnig langweiliig vor. Dagegen sind "Die schönsten Bahnstrecken" ein echter Thriller. Eine Verfilmung des Romans wäre sicherlich spannender, wenn auch aufwendiger gewesen.
5. Wird das wieder so´n
meinungs_macher 04.09.2013
wo sihc nach der 5. Stafel niemand mehr für ne Auflödsung interesiert, weil eh keiner mehr blickt was geht? Wenn ich schon höre, die Show wird nen Anfang, ne Mitte, ne Mitte, ne Mite und dazwischen noch ne Mitte haben, wird es wohl ähnlich *gähn* spannend werden ... Ich schau lieber nochmal "Die Simpsons - The Movie".
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