TV-Serien-Mord in den USA "Dr. House" stirbt einen langsamen Tod

Momente der Wahrheit in der US-Fernsehbranche: Mitte Mai entscheiden die Sender, welche Formate sterben müssen. Unter den Opfern sind diesmal die "Oprah Winfrey Show" und "Criminal Intent" - aber auch anderen, in Deutschland beliebten Serien droht die Axt.

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"On the bubble" nennt man es im US-amerikanischen TV-Jargon, wenn eine "Show" wankt - und wenn die Blase platzt, ist es vorbei mit der Serie. Jedes Jahr im Mai steht die Entscheidung an, welche Formate des US-Fernsehens auch nach dem Sommer noch zu sehen sein werden. Die Amerikaner unterscheiden dabei nicht zwischen fiktionalen Serien und anderen Unterhaltungsformaten. Insgesamt 68 Shows kamen im Verlauf der letzten Woche bereits unter das Quoten-Fallbeil oder wurden eingestellt, weil ihnen inhaltlich die Luft ausging.

Zu den prominentesten Opfern letzterer Kategorie gehören in dieser Saison die "Oprah Winfrey Show" (wobei in diesem Fall die berühmte Talkerin offenbar selbst schlicht keine Lust mehr hatte) sowie das bereits im zehnten Jahr laufende Krimi-Format "Criminal Intent". Pünktlich zum Wochenende gab der Sender NBC das definitive Aus für die auch in Deutschland populäre Serie bekannt. Der Klassiker bekam ab Mitte Mai eine Gnadenfrist von acht letzten Folgen, die als zehnte Staffel gezählt und die Serie ganz regulär beschließen werden.

So etwas ist allerdings nicht die Regel, häufiger fällt das Fallbeil ohne Gnadenbrot und Ankündigung. Die Todesursachen für Serien sind vielfältig: So wackelte in den letzten Wochen "The Closer", weil Serienstar Kyra Sedgwick nach sechs Jahren keine Lust mehr hat. Sie unterzeichnete nun doch noch für eine siebte Saison - wie ihr Kollege Hugh Laurie alias "House", der allerdings auch andeutete, dass danach Schluss sein könnte.

Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Auch "House" (in Deutschland "Dr. House") verlor in den USA zuletzt deutlich an Quote. Die aufwendig produzierte Serie ist inzwischen so teuer, dass darüber verhandelt wird, ob man den Kreis der Hauptdarsteller eindampfen soll. Ein naheliegender Gedanke, der die Serie näher an die Wirklichkeit bringen könnte: Dass sich fünf Ärzte mit voller Kraft auf einen Patienten werfen, wirkt angesichts der Realität im Gesundheitswesen wie Science-Fiction.

Diagnose Nielsen

Meist erstellt die Diagnose, die zum Serientod führt, schlicht Nielsen: Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut liefert in den USA die Einschaltquoten. Wenn die nicht stimmen, sind Sender rigoros. Anders als in Deutschland gibt es im US-Fernsehen nur ansatzweise ein festes Sendeschema. Dann wird verschoben und probiert, ob etwas zu anderer Zeit besser funktioniert, und schnell verliert sich die Spur einer Serie selbst für Fans. Auch der Wechsel schwächelnder Formate von einem Sendernetzwerk zum anderen ist nicht unüblich.

Dazu kommt, dass die einzelnen Folgen gerade der aufwendig produzierten Formate oft nur bedingt regelmäßig gesendet und den Fans per Presse und Web angekündigt werden. Nötig ist das, weil mitunter fünf Folgen an einem Tag gezeigt werden (so geschehen bei der "Resteverwertung" der letzten fünf "Caprica"-Folgen vor Einstellung der Serie im Frühjahr). Häufiger aber sind Lücken und Wartezeiten, die mitten in der Serien-Saison entstehen, weil die Stars anderweitig beschäftigt sind.

Dazu kommen die berüchtigte Mid-Season-Break sowie die Serienunterbrechungen zur Feiertagszeit von Thanksgiving bis Weihnachten. Da kann es zu sechs Wochen Pause kommen. Während das Programm in Deutschland wie ein in Stein gemeißelter Ablaufplan wirkt, muss man sich im Land Hunderter TV-Sender informieren, was wann wo wieder läuft - zumal Sendeorte und -zeiten auch regional, mitunter sogar lokal unterschiedlich sind.

Schmerzfreie deutsche Planer

Das macht es für schwächere Serien nicht leichter - auch nicht für solche, denen nach längerer Laufzeit langsam die Luft ausgeht. Dazu zählt beispielsweise Jerry Bruckheimers "CSI:Miami", für RTL in Deutschland ein Quoten-Garant. Quote bringt "Miami" auch in den USA, ist aber klar auf dem absteigenden Ast.

Das Problem der echten Erfolgsserien ist, dass ihre Stars irgendwann so viel verdienen, ihre Produktion so kostspielig ist, dass die betriebswirtschaftlich notwendige Mindestquote immer höher angesetzt werden muss. "CSI:Miami" war zum Saisonende 2010/2011 ein wochenlang diskutierter Wackelkandidat, hat das Mai-Serien-Massaker aber noch einmal, womöglich zum letzten Mal, überstanden.

Wohl im Gegensatz zu "CSI:NY". Inzwischen gilt es als recht wahrscheinlich, dass die Fans der Krimi-Serie womöglich nie erfahren werden, ob ihr Held Mac Taylor (Gary Sinise) den Cliffhanger der letzten Folge der aktuellen Staffel überleben wird oder nicht. So etwas ist nicht selten, für TV-Fans aber gerade bei Serien, die eine fortlaufende Geschichte aufbauen, bitter: "Twin Peaks" ist das vielleicht berühmteste Beispiel für eine Serie ohne Ende (und Auflösung). Andere waren "Firefly", "My Name is Earl", "Heroes", "Jericho" oder das populäre "Prison Break", dem die Produzenten zumindest zwei nachproduzierte End-Folgen gönnten, um die offenen Handlungsstränge noch irgendwie zu einem Ende zu bringen.

Neben solchen auch in Deutschland bekannten Serien produziert das experimentierfreudige US-Fernsehen jede Saison dutzendweise Rohrkrepierer, die keine Fortsetzung erleben. In Deutschland bekommen wir die meisten davon nicht mit, weil die deutschen Einkäufer nur selten den Mut entwickeln, sich frühzeitig auf etwas Neues einzulassen.

Wenn es aber passiert, agieren unsere Programmmacher völlig schmerzfrei: Was gekauft ist, wird auch gesendet. ProSieben etwa zeigte die Serien "Surface" ab Juli und "Invasion" ab Oktober 2006, obwohl beide bereits jeweils ein halbes Jahr zuvor nach einer Staffel eingestellt worden waren. Bereits bei der Erstausstrahlung der ersten Folgen war also klar, dass die Zuschauer nie erfahren würden, wie die groß beworbenen Prime-Time-Storys enden würden.

Korrekturhinweis: Eine erste Version des Artikels erweckte den Eindruck, dass sich Hugh Laurie bereits definitiv entschieden habe, die Serie "House" nach dem Abdrehen der kommenden Staffel zu verlassen. Tatsächlich hat er nur angedeutet, dass dies geschehen könne.



insgesamt 103 Beiträge
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Seite 1
ambergris 16.05.2011
1. .
Es heisst "on the bubble".
saul7 16.05.2011
2. ++
Zitat von sysopMomente*der Wahrheit in der*US-Fernsehbranche: Mitte Mai entscheiden die Sender, welche Formate sterben müssen.*Unter den*Opfer sind diesmal die "Oprah Winfrey Show" und "Criminal Intent" -*aber auch anderen, in Deutschland beliebten*Serien droht die Axt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,762331,00.html
Dr.House sollte bald eingestellt werden. Die Handlungsabläufe sind derart konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht mehr schön ist. Es ist deutlich zu spüren, dass den Produzenten die Luft ausgegangen ist. Der Zynismus des Protagonisten ist unerträglich...
Zyklotron, 16.05.2011
3. Quotenidioten
Die Quoten machen die Idioten. Nicht nur im Fernsehen. Daher wird die Welt jeden Tag ein bisschen ärmer. Sei es um Serien, oder... anderes.
fatherted98 16.05.2011
4. Dr. House Darsteller...
....steigt doch sowieso aus. Wurde jedenfalls letzte Woche berichtet...also stirbt die Serie eh....und es wurde auch langsam echt langweilig.
dent42 16.05.2011
5. re
Zitat von saul7Dr.House sollte bald eingestellt werden. Die Handlungsabläufe sind derart konstruiert und an den Haaren herbeigezogen, dass es nicht mehr schön ist. Es ist deutlich zu spüren, dass den Produzenten die Luft ausgegangen ist. Der Zynismus des Protagonisten ist unerträglich...
House wird wenn, dann nah der 8. Staffel auslaufen im Mai 2012 Oprah Winfrey stellt ihre Show ein, weil sie inzwischen einen eigenen Sender hat und das Programmschema ist in den USA sehr viel Festgezurrter als in Deutschland, von wegen in Stein gemeisselt.
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