Hoeneß-Talk bei Plasberg: Die Steuer ist fällig, aber der Geist ist schwach

Von Christoph Twickel

"Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?", lautete das Motto beim TV-Talk von Frank Plasberg. Doch das große Drama wollte sich in der Debatte partout nicht einstellen, die Abrechnung mit dem prominenten Steuersünder aus München blieb aus. Stattdessen gab es viele Phrasen.

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Uli Hoeneß: Transfer-Genie und Millionenjongleur

Muss man zwei Abende hintereinander im Ersten über die unversteuerten Zinsen des Uli Hoeneß in der Schweiz reden? Schon am Sonntag ließ Günther Jauch zum Thema "Vom Saubermann zum Steuersünder" seine Gäste diskutieren. Und offensichtlich fand man in der "Hart aber fair"-Redaktion, dass die Causa Hoeneß wichtig genug sei, um auch noch den Montagabend damit zu füllen.

Kurz zum Sachverhalt: Uli Hoeneß, FC Bayern-Manager und Multimillionär, soll zur Zeit des New Media Booms in der Schweiz mit einem kleineren zweistelligen Millionenbetrag spekuliert haben, wie es die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Und offensichtlich hat er darauf keine Kapitalertragssteuer gezahlt.

"Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?", lautete das Motto bei Plasberg, was von unfreiwilliger Komik ist. Wenn Joachim Gauck oder Angela Merkel unversteuert Millionen in der Schweiz gebunkert hätten - na gut, da hätte man mal kurz an der Menschheit zweifeln mögen. Aber Hoeneß? Ein Mann, der öffentlich über die steuerliche Belastung von Fußballern und ihren Managern klagt? Der sich gegen eine "Reichensteuer" mit dem Argument wehrt: "Wenn die Unternehmer alle in die Schweiz gehen, ist auch keinem geholfen"? Da wäre man fast ja schon enttäuscht gewesen, wenn so ein gewiefter Stratege, so ein Transfer-Genie und Millionenjongleur so gar keine Schwarzgeldkonten gehabt hätte.

Die Dramaturgie des Talkshow-Wesens gebietet es jedoch, den als Gauner Enttarnten zum vormaligen "Vorbild" zu stilisieren, das jetzt vom Sockel gestürzt ist. "Schockiert, enttäuscht, ratlos, so äußern sich heute Weggefährten", erklärt Plasberg mit festem Blick zu Beginn der Sendung. Und zitiert obendrein das Bonmot von Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Hoeneß sei "der Vater Teresa vom Tegernsee, der Nelson Mandela von der Säbener Straße" gewesen.

Warnung vor der Jagdgesellschaft

Wie dem auch sei, die ganze Aufregung wich in den ersten 15 Minuten des Talks. Der ehemalige CSU-Vorsitzende und Hoeneß-Spezl Erwin Huber mochte nicht verzichten auf den ranzigen Bibelspruch vom ersten Stein, den werfen möge, wer ohne Sünde. Zwar sei Steuerhinterziehung - Achtung, wieder Platituden - "kein Kavaliersdelikt". Aber "an den Pranger" dürfe man den Hoeneß deshalb nicht stellen, schließlich habe er sich selbst angezeigt.

Das wollte aber auch partout keiner machen. Im Gegenteil: "SZ"-Redakteur Hans Leyendecker warnte vor einer "Jagdgesellschaft" wie im Falle von Christian Wulff: "Wir gehen schon mit ziemlicher Wucht ran, wenn jemand ganz oben ist", was so viel heißen sollte wie: Regt euch wieder ab. Jedenfalls ein bisschen. "Ich will keine Jagd machen", erwiderte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Mich interessiert: Wie kriegen wir ein vernünftiges Steuerrecht für die Zukunft hin."

Wenn die Gäste sich lagerübergreifend darauf verständigen, dass die Personalie das viele Echauffieren nicht richtig lohnt, dann nützt auch der schönste Einspielfilm nichts. Redaktionsmitarbeiter mussten einen überdimensionalen Papp-Hoeneß in einer Fußgängerzone herumtragen und Normalbürger dabei filmen, wie sie dem ihre Meinung geigen. Zum Beispiel: "Was soll man denn noch glauben in Deutschland, wenn selbst der Uli Hoeneß..." In Fußgängerzonen finden sich eben immer ein paar Menschen, die das ins Mikrofon sagen, was das Team von ihren hören will.

"Alarmzeichen für Deutschland"

Die Runde diskutierte schließlich über das Steuerabkommen mit der Schweiz. Auf die am Bundesrat gescheiterte Vereinbarung, die eine anonyme Exit-Strategie mit Pauschalzahlungen für Steuersünder vorsah, hatte auch Hoeneß gewartet und sich selbst angezeigt, als sie nicht kam. Leyendecker und Künast begrüßten das Scheitern des Steuerabkommens und hofften auf weitere Steuer-CDs - wie etwa die, die der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl erstanden hatte, der auch in der Runde saß und zu berichten wusste, dass die rund 40.000 Schweizer Datensätze vor allem jene betreffen, "die deutlich über dem Durchschnitt sind vom Einkommen her". Wer hätte das gedacht!

Der einzige Gast, der ein wenig Provokation in die Runde brachte - weshalb er zweifelsohne auch geladen war -, war Roger Köppel, Chefredakteur der Schweizer "Weltwoche", der in jüngerer Zeit eher mit rassistischen Titelbildern auf sein Blatt aufmerksam macht. Bei Plasberg gab er den indignierten Schweizer, der den Durchgriff der Deutschen auf die eidgenössische Traditionsverschwiegenheit geißelt. Und überhaupt müsse das doch ein "Alarmzeichen für Deutschland" sein, wenn die Deutschen in Geld ihr der Schweiz vor dem Fiskus schützen wollten.

Inmitten der Scharmützel zwischen Künast ("Hehlerei der Banken!") und Köppel ("Die Steuer-CDs kaufen, das ist Hehlerei!") saß dann noch der Sportjournalist Manfred Breuckmann, der darüber spekulierte, was den Uli bloß dazu gebracht haben könnte. "Ich bin sicher, dass er ein sozialer Mensch ist", so Breuckmann. Aber "heiligengleiche Verehrung", die ihm bei öffentlichen Auftritten zuteil werde: "Das beeinflusst das Bewusstsein." So ist es wahrscheinlich. Die Steuer ist fällig, aber der Geist ist schwach.

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insgesamt 152 Beiträge
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1. Na und?
ka296 23.04.2013
Wer hat denn nicht schon versucht den Fiskus zu betrügen? - im Rahmen seiner Möglichkeiten. Die Diskussion ist so sinnlos wie die Suche nach einem Täter, der eine Radarfalle geklaut hat. Wer würde da nicht auch heimlich applaudieren?
2. Im Grunde ist es völlig
ronald1952 23.04.2013
Zitat von sysop"Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?" lautete das Motto beim TV-Talk von Frank Plasberg. Doch das große Drama wollte sich in der Debatte partout nicht einstellen, die Abrechnung mit dem prominenten Steuersünder aus München blieb aus. Stattdessen gab es viele Phrasen. TV-Talk: Uli Hoeneß ist Thema bei Frank Plasberg - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-talk-uli-hoeness-ist-thema-bei-frank-plasberg-a-895894.html)
Überzogen, so gegen Hoennß Blank zu ziehen. Die wirklich Schuldigen sitzen doch in der Politik. Es ist die Lasche Gesetzgebung die es den Großverdiehnern doch erst die Möglichkeit schaft, alles am Fiskus vorbei ins Ausland zu bringen. Gelegenheit macht eben Diebe, oder. Es ist natürlich auch der Zorn des normalen Bürgers, der hart seiner Arbeit nachgeht und dabei Gnadenlos von der Steuer geschröpft wird. Bei uns ist eben durch diese marode Politik die mit Kohl angefangen hat, alles in die Schieflage geraten. Seit 1982 wird in unserem Staat nicht das getan was nötig wäre, sondern das was vielen Bundesbürgern nur noch ein Kopfschütteln und Unverstädnis ab- verlangt.Die Belastungen des Normal-Bürgers werden immer größer und der Rest verdiehnt das Geld. Egal ob er Hoeneß oder Sachs oder sonswie heißt, die Wirkliche Schuld daran, tragen unsere Politiker und wir, weil wir diesen Haufen auch noch wählen.Wir leisten der Sache auch noch den nötigen Vorschub.Dumm gelaufen das ganze. schönen Tag noch,
3. optional
rg-net 23.04.2013
Der größte Steuersünder ist doch der Staat, die kalte Progression ist immer noch nicht abgeschafft, dafür gibt es aber immer noch genug legale Möglichkeiten Steuern zu "sparen".
4.
Darjaan 23.04.2013
jene, die menschen wie Hoeneß oder oder auch andere "Samariter" wegen ihrer Spendenbereitschaft für karitative Zwecke in den Himmel loben, vergessen, dass diese Menschen nichtmal einen Bruchteil dessen gespendet haben, was ihnen dieses ungleiche Entlohnungssystem überhaupt erst an Einkommen ermöglicht hat. man kann leicht 1 Million spenden wenn man noch 100 Mio auf der hohen Kante hat und vor allem im Hinterstübchen weiß, nie finanzielle Sorgen haben zu müssen. Jemand der aber nur ein geringes Einkommen hat und über den ständig das Schwert der Arbeitslosigkeit und damit des sozialen Absturzes schwebt, jender der keine Rücklagen bilden kann und den Rest seines Lebens in diesem System in Angst leben muss, seine Mite einmal nicht mehr zahlen zu können, wenn dieser Mensch 20 Euro spendet, da habe ich mehr Resepkt vor als vor Reichen, die über ihre Steuerlast jammern. die vergessen einfach, dass dieses System der hohen Steuern eben auch das System ist, welches solche Einkommen erst ermöglicht. da muss man schon beide Seiten der Medaille betrachten.
5. Schwach
felixbonobo 23.04.2013
..finde ich ihren kommentar, herr twickel. "..mit einem kleineren zweistelligen Millionenbetrag spekuliert" Hallo? Wo sie da unfreiwillige komik entdeckt haben wollen, das "ausgerechnet ein hoeneß", der sich als steuersaubermann verkaufte, zum titel der sendung gemacht wurde, bleibt ein rätsel. "-Ein Mann, der öffentlich über die steuerliche Belastung von Fußballern und ihren Managern klagt? " Das lässt dann auch erkennen, das er steuern hinterzieht? Macht sich jetzt hier jeder seine gesetze nach gut dünken, weil ihm persönlich etwas gefällt oder nicht? "-Da wäre man fast ja schon enttäuscht gewesen, wenn so ein gewiefter Stratege, so ein Transfer-Genie und Millionenjongleur so gar keine Schwarzgeldkonten gehabt hätte.-" Ah ja, man ahnt ja sowieso das die alle kriminell sind, was regt man sich noch auf? Sorry, aber mit ihrem rechts- und demokratieverständnis kann ich mal so gar nichts anfangen und mehr als eine einzelne user-ansicht gibt ihr artikel nicht her.
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