Reaktionen auf "Twin Peaks-"Revival "Auf LSD geschrieben, vom CIA bearbeitet"

Nach 27 Jahren ist "Twin Peaks" wieder da - wie kommen die neuen Folgen der Mysteryserie an? Die Kritikerumschau.

Kyle MacLachlan als Agent Cooper in "Twin Peaks"
Showtime/ Sky

Kyle MacLachlan als Agent Cooper in "Twin Peaks"


Auch wenn Streamingdienste und TV-Sender seit einigen Jahren gefühlt kaum etwas anderes machen: Nicht immer ist es eine gute Idee, längst eingemottete Serien wieder aufleben zu lassen. Die Wiederauferstehung der "Gilmore Girls" im vergangenen Jahr etwa bediente vor allem Stars-Hollow-Nostalgie, statt sich Neues zu trauen. Und als Mulder und Scully im Januar 2016 wieder ermittelten, überzeugte das "Akte X"-Revival zwar optisch, aber nicht inhaltlich.

Jetzt ist die Mysteryserie zurück, ohne die es "Akte X" vermutlich überhaupt nie gegeben hätte: In "Twin Peaks" erzählte David Lynch Anfang der Neunziger so beunruhigend, eigensinnig und witzig zugleich von der Ermordung der Teenagerin Laura Palmer und den folgenden Ermittlungen von Agent Dale Cooper, dass die Serie bis heute kultartig verehrt wird. In der Nacht von Sonntag auf Montag veröffentlichte Showtime, 27 Jahre nachdem die Serie abgesetzt wurde, die ersten Folgen einer dritten Staffel: Ist es David Lynch erneut gelungen, TV-Geschichte zu schreiben?

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"Twin Peaks"-Revival: Kirschkuchen und Kaffee

Einig sind sich die Kritiker, dass Lynch wieder überzeugt - aber eben vor allem weil er in den ersten Folgen genau die Mischung aus dramaturgischer Konfusion, ausgefeiltem Eigensinn und Horror liefert, die Fans von ihm erwarten:

Der Kritiker vom "Hollywood Reporter" schreibt: "Was am Sonntag veröffentlicht wurde, war auf ansprechende Weise so unheimlich, aufwühlend und auf eine kühne Art witzig, wie es viele der besten Stellen der Originalserie waren (...). Das bedeutet aber nicht, dass ich Ihnen in irgendeiner sinnvollen Reihung erklären könnte, was in den zwei Stunden passierte."

Auch wenn das Prinzip Spoiler bei einer David-Lynch-Produktion also meist ohnehin nicht greift - der, der partout nicht mehr über den Inhalt der neuen Staffel wissen möchte, sollte jetzt aufhören zu lesen:

"Twin Peaks" erinnere mit seinen Riesen, Zwergen, Monstern und Geistern am meisten an ein modernes Märchen, "das auf LSD geschrieben und vom CIA kräftig bearbeitet wurde", heißt es im "Guardian". Der Ort Twin Peaks selbst wird nur zwischendurch kurz aufgesucht. Dafür sehen wir erstmals Diane, die Sekretärin, der Agent Cooper immer seine Memos diktiert. "Die komplexe Geräuschkulisse aus Quietschen, Kratzen und Akkorden könnte als Album veröffentlicht werden; die Bilder könnten im Museum of Modern Art hängen", lobt der Kritiker.

David Lynchs "visuelle Vorstellungskraft" bleibe "unnachahmlich", seine "Meisterschaft der Spannung" dauere an, und er habe noch immer eine "Vorliebe für Dualitäten und schaurige Schönheit", schreibt die "New York Times". Auch wenn die Frage "Wer hat Laura Palmer getötet?" beantwortet sei: Die Zuschauer dazu zu bringen, sich die Frage "Was gucke ich mir da bloß an?" zu stellen - das schaffe die "Twin Peaks"-Reinkarnation noch immer. Und "Variety" schreibt zu Lynchs Handschrift: "Der Zuschauer sieht nie etwas, das frei von Vision oder Absicht ist. Lynchs Vision ist so ganzheitlich und total, dass er mit Dingen davonkommt, die sonst nicht akzeptabel wären."

Eine unnachahmliche Mischung aus "dem Romantischen und dem Dämonischen, dem Cartoonhaften und dem Verrückten" sei die Serie, im reinsten Sinne 'lynchisch'", findet der Rezensent der US-Website "The Daily Beast". Er stoßseufzt aber auch: "Was das alles bedeuten soll? Wie zur Hölle soll ich das wissen!" Die "Los Angeles Times" geht noch einen Schritt weiter: Es sei erstaunlich, dass die Serie damals so gemacht wurde - und aufregend, sie jetzt zurück zu haben: "Möge sie uns alle ein bisschen verrückt machen!"


Die ersten vier Folgen der neuen Staffel "Twin Peaks" sind in Deutschland bei Sky On Demand abrufbar. Regulär startet die Serie bei Sky Atlantic am 25. Mai um 20.20 Uhr.

eth/feb

insgesamt 4 Beiträge
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theuving 22.05.2017
1. Danach habe ich nicht mehr weitergelesen
| erzählte David Lynch Anfang der Neunziger so beunruhigend, eigensinnig und witzig zugleich vom Mord der | Teenagerin Laura Palmer Wer so unfähig ist, einen Mord, den man begeht, und eine Ermordung, die man erleidet, korrekt in Worte zu fassen, den will ich beim weiteren Schwurbeln definitiv alleine lassen.
twistie-at 22.05.2017
2.
Zitat von theuving| erzählte David Lynch Anfang der Neunziger so beunruhigend, eigensinnig und witzig zugleich vom Mord der | Teenagerin Laura Palmer Wer so unfähig ist, einen Mord, den man begeht, und eine Ermordung, die man erleidet, korrekt in Worte zu fassen, den will ich beim weiteren Schwurbeln definitiv alleine lassen.
ja, das fehlende "an" ist ärgerlich. Ebenso ärgerlich ist es, dass es keine schnelle Möglichkeit gibt, einen Tippfehler zu melden, ohne erst einmal im Feedbackbereich den Realnamen angeben zu müssen oder das Land, in dem man wohnt. Das geht besser
chadhugo 22.05.2017
3.
Fand die neue Episode klasse. Freue mich schon auf die Nächste.
schnapporatz 18.06.2017
4. Habe jetzt 6 Teile gesehen
Der 1. war gut, dann wurde es immer schlechter. Viel zu viel Rückwärtssprech, Weiße Hütten, Schwarze Hütten, viel zu viel sinnloses Blut, viel zu viel Unlogik noch in der Logik, zu viel Langeweile. Ab und an sind 5 Minuten gut oder auch sehr gut, aber so wird das keine neue Kultreihe. Die alten Reihen sind zu 95% gut oder sehr gut oder genial.
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