Hoeneß-Talk bei Illner und Beckmann Das Geheimnis seines "Spielgelds"

Das Urteil gegen Uli Hoeneß ist gefallen, doch in den Talkshows wird weiter gemutmaßt und spekuliert: Warum war der Prozess so schnell vorbei? Woher stammt das Vermögen des Bayern-Präsidenten? Und wird Edmund Stoiber jetzt Bayern-Präsident?

ZDF/ Svea Pietschmann

Es hätte wohl mindestens eines heißen Krim-Kriegs bedurft, um den guten Uli und den bösen Hoeneß vom Talkshow-Platz zu nehmen. So gab es denn das wortreiche Nachspiel zum einstweiligen juristischen Finale gleich doppelt, erst bei Illner im Zweiten, dann bei Beckmann im Ersten Deutschen Fernsehen.

Klar, der Fall zieht eine Menge Aufmerksamkeit und Emotionen auf sich, mehr als so manche wirklich wichtigere öffentliche Angelegenheit. Aber irgendwann stellte sich beim TV-Zuschauer dann doch das Gefühl ein, dass es nun so ganz allmählich genug ist - und das nicht erst bei Reinhold Beckmann, sondern bereits bei Maybrit Illner.

Beide hatten ihre Gästerunde nach ähnlichem Muster bestückt, mit Politikern, Journalisten, Fachanwälten und den unvermeidlichen Berufsbayern. Hier wie dort ging es bisweilen sehr sprunghaft hin und her zwischen Urteilsbewertung, küchenpsychologischen Betrachtungen zur Person des Delinquenten, dem großen Ganzen des Problems der Steuerhinterziehung, detailversessener Aufarbeitung des Einzelfalls samt bedeutungsvollem Raunen bezüglich ungeklärter Fragen, etwa von "Stern"-Chef Dominik Wichmann, und weitgehendem Unverständnis über den relativ kurzen Prozess, zu dem das hoffentlich richtungweisende Schlusswort wohl erst der BGH sprechen wird.

Keine Urteile zum Urteil

Ergiebig war all dieses Mutmaßen und Spekulieren nur bedingt, weil es sich großenteils mit dem deckte, was der normal interessierte Medienkonsument inzwischen bereits hinreichend hatte hören und lesen können. Anlass zu gesteigerter Aufmerksamkeit gab es dann höchstens noch mal, als nach Mitternacht noch einmal die Sprache auf das alles überschattende Thema kam, wie es denn nun erstens mit dem ebenso unentbehrlichen wie steuerunehrlichen Uli Hoeneß, dieser laut CSU-Mann Erwin Huber doppelgesichtigen Persönlichkeit, sowie mit dem famosen FC Bayern weitergehen soll.

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Hoeneß-Prozess: Drei Jahre, sechs Monate
Da hatte Frau Illner ihren Job bereits erledigt, und das mehr pflichtgemäß als mit sonderlich erhellenden Resultaten. Urteile zum Urteil waren zumindest zweien ihrer Gäste nicht zu entlocken, da sie sich auf ihr diesbezügliches Abstinenzgebot als Politiker beriefen. Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter lehnte es sogar mehrfach strikt ab, "hier die Causa Hoeneß durchzukauen", nutzte aber die Gelegenheit, um die mittlerweile auch nicht mehr so neue Erkenntnis zu bekräftigen, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt sei und entsprechend bestraft gehöre. Außerdem verteidigte er die strafbefreiende Selbstanzeige, was Jürgen Trittin aus fiskalischen Gründen zwar nachzuvollziehen vermochte, aus grundsätzlichen Gerechtigkeitserwägungen aber falsch fand.

Genau wie der Grüne sollte sich hierzu später bei der Talk-Konkurrenz auch ein Roter äußern, nämlich der SPD-Vize Ralf Stegner. Und während Steueranwalt Thomas Wenzler den Richterspruch als vergleichsweise milde einschätzte, saß Peter Hausmann, Chef des CSU-Organs "Bayernkurier" sowie Hoeneß- und Bayern-Fan, die meiste Zeit schweigend da und verstand die Welt nicht mehr, in der ein Mensch mit einer solchen Lebensleistung tatsächlich ins Gefängnis soll.

Stoiber als neuer Bayern-Präsident?

Sein Landsmann Huber, der bekanntlich auch mal Finanzminister des Freistaats war, sah das aber doch ein bisschen anders und sprach bei Beckmann von einem Sieg des Rechtsstaats und der Steuermoral. Auch Sozi Stegner gab sich weniger zurückhaltend als seine Vorredner bei Illner und lobte das Urteil als "gut für den Rechtsfrieden". Ein wenig pathetisch warb die Wirtschaftsethikerin Annette Kleinfeld dafür, Steuerehrlichkeit als "sinnvolles gesellschaftliches Gut" zu würdigen. Überhaupt ging es in dieser Sendung, wenn schon nicht wesentlich erkenntnisträchtiger, so doch zumindest ein bisschen munterer zu, was nicht zuletzt Heribert Prantl von der SZ zu verdanken war, der ja ein juristisches Vorleben vorzuweisen hat und in derlei Fällen mit besonderer Verve zu argumentieren weiß.

"Maßvoll hart, aber gerecht" sei zwar das Urteil, aber sein Zustandekommen letztendlich doch nicht gerade zufriedenstellend, urteilte Prantl. "Ich hätte mir mehr Aufklärung gewünscht." Anwalt Karsten Randt merkte trocken an, es sei "schon merkwürdig", wie schnell es das Gericht bei der grob geschätzten Schadenssumme von 28,5 Millionen Euro habe bewenden lassen, ohne selber nachzuforschen. Frank Wehrheim, ein ehemaliger Steuerfahnder, wollte wissen, wie denn eigentlich die in Rede stehenden dreistelligen Millionensummen "Spielgeld" ins Ausland gelangt seien - eines von mehreren Kapiteln für sich, die weiterhin für investigativen Handlungsbedarf sorgen, derweil höchstrichterliche Weisung allein für die Handhabung der Selbstanzeige erwartet wird.

Das Stichwort Spielgeld brachte die Rede dann zwangsläufig auf allerlei wesenserforschende Anmerkungen über den Spekulanten Hoeneß, der anders als der bodenständige Bayern-Boss Uli in einer surrealen Scheinwelt gelebt habe und vielleicht gar spielsüchtig sei, vermutlich aber wohl eher doch nicht. Stegner philosophierte über die Probleme eben solcher Scheinwelten und die Folgen unangemessener Heroisierung, während bei Huber nun mit einem Mal die bayerische Seele über den steuerrechtspolitischen Pragmatismus obsiegte. Nein, da wolle er nicht mitmachen, er fühle sich unwohl dabei, derart den Uli Hoeneß zu "sezieren".

Was aus dem wird, wenn er denn wirklich demnächst seine Strafe hinter Gittern verbüßen muss? Prantl empfahl, ihn anschließend ruhig zwecks Resozialisierung wieder zum Vereinspräsidenten zu küren, was mehr ironisch gemeint war. Zunächst aber dürfte in diesem Amt jetzt ein Ersatzmann benötigt werden. Es wurde der Name Edmund Stoiber genannt - und das klang ziemlich ernst.


Lesen Sie die Ereignisse des Prozesstages im Minutenprotokoll hier sowie Stimmen und Reaktionen zum Urteil hier.

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Ralf12345 14.03.2014
1. Spiegel/stern
"detailversessener Aufarbeitung des Einzelfalls samt bedeutungsvollem Raunen bezüglich ungeklärter Fragen, etwa von "Stern"-Chef Dominik Wichmann..." Der SPIEGEL sollte sich nicht so herablassend übber die Arbeit des STERN aüßern. Die wichtigen Fragen sind noch ungeklärt: Woher kommt das Geld und ist da noch mehr, viel mehr ? Gibt es Schmiergeldzahlungen, Insiderhandeln und wie hängt der FC Bayern da mit drin. Ich hoffe der SPIEGEL schließt sich dem Stern an und bringt Licht in dieses riesige schwarze Loch
k430248 14.03.2014
2. Fragen über Fragen
Hochinteressante Frage, wie das Geld ins Ausland gekommen ist. Und vor allem auch, wo es herkommt. Wirft eine Wurstfabrik so viel ab ? Oder ist hier Geld vom FC Bayern involviert ? Wird ein Fußballverein eigentlich regelmässigen Betriebsprüfungen unterzogen ? Fragen über Fragen. Davon abgesehen finde ich das Urteil ok., Hoeneß ist darüber hinaus genug gestraft.
Peter.Lublewski 14.03.2014
3. Durch die Gemeinde(n)
"....was Jürgen Trittin aus fiskalischen Gründen zwar nachzuvollziehen vermochte, aus grundsätzlichen Gerechtigkeitserwägungen aber falsch fand." Vielleicht sehen die Steuerbehörden auch einmal Herrn Trittin etwas genauer auf die Finger. Immerhin schnorrt der sich ja seit Jahrzehnten auf Kosten des Steuerzahlers durch die Gemeinde(n).
warhead187 14.03.2014
4.
ulli is wohl de el capone deutschlands und vllt werden es ja in der nàchsten instanz 10 jahre, frag mich sowieso wieviel steuern man hinterziehen muss ,dass man die höchst strafe krieg, aber vllt muss man da auch einfach nur otto normalverbraucher sein....
Herr_Peter 14.03.2014
5. Das ist allerdings eine sehr wichtige Frage, wo das Geld herkam
Auch wenn es zunächst mal um Steuerhinterziehung ging: Schenkt jemand Herrn Hoeneß einfach so ein paar Millionen, plus Bürgschaft oder Garantie? Ohne Gegenleistung?
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