Streit um Antisemitismus-Beitrag "Bild" veröffentlicht gesperrte Doku

Die TV-Dokumentation "Der Hass auf Juden in Europa" wurde vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen beauftragt, aber nicht gesendet. Nun zeigt die "Bild"-Zeitung den Film - Arte reagierte auf die Veröffentlichung.

Arte-Prorammdirektor Alain Le Diberder
DPA

Arte-Prorammdirektor Alain Le Diberder


Die "Bild"-Zeitung schaltet sich in einen Streit zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und dem Zentralrat der Juden ein: Für 24 Stunden steht auf der Seite der Zeitung die Doku "Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa", die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen derzeit nicht ausgestrahlt werden soll. Man hege den Verdacht, "dass die Dokumentation nicht gezeigt wird, weil sie politisch nicht genehm ist, weil sie ein antisemitisches Weltbild in weiten Teilen der Gesellschaft belegt", begründet die "Bild" die Ausstrahlung.

Zum Hintergrund: WDR und Arte wollen den Beitrag vorerst nicht zeigen, diese Entscheidung wurde mit Formfehlern begründet: Der bereits abgenommene Film behandele das Thema "nur sehr partiell" und entspreche nicht dem genehmigten Projekt. Der Zentralrat der Juden hatte darüber Unverständnis geäußert und die Sender öffentlich aufgefordert, den Film auszustrahlen.

Arte-Programmchef Le Diberder hatte daraufhin in einem offenen Brief seine Entscheidung begründet. Le Diberder kritisierte, die Sendung konzentriere sich nicht wie ursprünglich vorgesehen, auf Antisemitismus in europäischen Ländern, sondern - anders als in dem formulierten Auftrag - auf den Nahen Osten und habe deshalb nicht akzeptiert werden können. Dies solle aber nicht als Wertung über die Qualität des Films verstanden werden.

Auch zur aktuellen "Bild"-Veröffentlichung nahm Arte in einer Pressemitteilung Stellung - die Verantwortlichen bezeichnen die Vorgehensweise der "Bild" in dem Statement als "befremdlich". Arte habe aber "keinen Einwand, dass die Öffentlichkeit sich ein eigenes Urteil über den Film bilden kann". Und weiter: "Arte kann und will den Film jedoch nicht durch eine eigene Ausstrahlung nachträglich legitimieren, da er, ohne dass Arte darüber informiert wurde, gravierend von dem verabredeten Sendungskonzept abweicht."

Der WDR ließ vor einigen Tagen mitteilen, er habe handwerklich Bedenken gegen den Film und prüfe derzeit intensiv, ob er den journalistischen Standards entspreche. Dabei gehe Sorgfalt vor Schnelligkeit.

cpa/eth



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