Sat.1-Comedy mit Christoph Maria Herbst Sterben kann so schön sein

Obacht, wenn der Sensenmann kommt - nicht dass Sie sich in ihn verlieben! Genau das passiert im Sat.1-Film "Und weg bist Du". Ein groteskes Szenario mit einer tollen Annette Frier und und einem tollen Christoph Maria Herbst. Leider wurde das Drehbuch brutal auf Romantikkitsch getrimmt.

SAT.1

Von Daniela Zinser


Der Tod verliebt sich in sein Opfer. Auch er hat ein Recht auf ein Leben, sagt er. Die krebskranke Frau will noch vier Wochen überleben, die fordert sie vom Tod. Bis zum achten Geburtstag ihrer kleinen Tochter will sie durchhalten. Vier Wochen Zeit, um Abschied zu nehmen von Mann und Kind.

Bis hierher könnte alles gut werden. Kein Happy End, aber ein guter Film könnte es werden. Eine Tragikomödie, Tränen, Lachen und ein paar Gags obendrauf, die witzig sind, aber nicht verlogen. Dann kam der Dienstagabend dazwischen. Und da muss es bei Sat.1 romantisch zugehen. Auf den Romantic-Comedy-Sendeplatz sollte "Und weg bist Du", die traurige Krebskomödie, mit der Sat.1 durchaus Mut beweist. Dort wird sie nun auch gesendet - nachdem Autorin Monika Peetz die erste Drehbuchfassung auf romantisch überarbeitet hat.

Schuhverkäuferin Jela Becker hat zwei Jahre durchgehalten, zwei Jahre hat sie den Krebs überlebt. Nun wird es zu Ende gehen, sagt die Ärztin weinend. Jela tröstet sie und schenkt der Frau Doktor ihre roten Highheels. Hier wird nicht gestorben, hier wird gekämpft. Wäre ja gelacht! Annette Frier spielt Jela als Mittelklasse-Danni-Lowinski mit Schuhtick und Bilderbuchfamilie. Wochenlang wird da der Geburtstag der kleinen Tochter (Til Schweigers Tochter Emma, etwas zu kalkuliert niedlich) vorbereitet.

Die vier Wochen handelt sie mit dem Tod aus. Der hat lange, schwarze Haare, einen langen, schwarzen Mantel und das Gesicht von Christoph Maria Herbst. Darin glaubt man Stromberg erkennen zu können. Herbst spielt den etwas tollpatschigen und von seinem Job müden Tod angemessen neben der Spur, schließlich soll der die Frau, die er gerade gerne an seiner Seite hätte, ins Jenseits pusten.

Der Tod ist durchaus lernfähig

Da probiert er es doch lieber erst mal mit der grantigen Alten im ersten Stock, die wäre doch viel eher dran. Frau Griek (Ruth Maria Kubitschek) wartet eh seit 20 Jahren auf ihn. Doch als es dann ans Sterben geht (Beim Gardinenaufhängen vom Stuhl fallen? Oder lieber die Treppe hinunter?) kommt dauernd was dazwischen. So lange, bis Frau Griek plötzlich wieder Gefallen am Leben findet.

Das ist eine ebenso schöne Idee wie die Freundschaft zwischen dem Tod und Fensterputzer Rudi (Fahri Yardim), der so lebensmüde ist, dass er ständig Besuch vom Herrn in Schwarz hat. Und wo der schon mal da ist, reden die beiden über das Leben. Und die Frauen.

Natürlich kann man über den Krebs tragisch-komische Geschichten erzählen, man soll sogar. Und dieser Film - Regie führte Jochen Alexander Freydank, der für den Kurzfilm "Spielzeugland" vor drei Jahren den Oscar gewann - verrät bei allen Scherzen nie den Ernst des Themas. Das muss man ihm hoch anrechnen. Aber so ist weniger die Komik als das Gefühl das Problem.

Dass der Tod fasziniert von seinem lebenslustigen Opfer ist, passt ja noch ganz gut. Und dass Jela, je größer die Schmerzen werden und je schwächer der Körper wird, sich den Tod fast zärtlich herbeisehnt, zeigt Annette Frier sehr glaubhaft. Was stört, sind die Details, die Blicke, Gesten, Sätze wie "Der Tod ist wie ein Liebhaber", die das Ganze zwanghaft zur Romantic Tragedy drehen. Denn die Todesliebesgeschichte gab es in der ersten Drehbuchversion gar nicht.

Nun aber ist Jela bald hin- und hergerissen zwischen ihrem Mann (Johann von Bülow) und dem Sensenmann ohne Sense. Das ist etwas zu platt, um die Angst vor dem Tod und zugleich die Sehnsucht danach lebensnah zu thematisieren. Und es lenkt ab von dem, was der Film eigentlich erzählt - und das dankenswerterweise ohne Happy End. Nämlich wie man bewusst Abschied nimmt. Und dass man das Leben genießen muss, egal wie.

Das lernt sogar der Tod.


"Und weg bist Du", Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Ditmar 04.09.2012
1. Der Romantikkitsch würde
Zitat von sysopSAT.1Obacht, wenn der Sensemann kommt - nicht dass Sie sich in ihn verlieben! Genau das passiert im Sat.1-Film "Und weg bist Du". Ein groteskes Szenario mit einer tollen Annette Frier und und einem tollen Christoph Maria Herbst. Leider wurde das Drehbuch brutal auf Romantikkitsch getrimmt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,853592,00.html
stört hier wohl am wenigsten, das was stöhrend ist sind bei solchen Filmen bei SAT1, sind die zu vielen Werbeunterbrechungen, die jeden Guten Film zertören. Und von daher werde ich wohl auf diesen Film verzichten müssen, egal wie Gut oder schlecht dieser ist. SAT1 & Co. neine Danke, die können es nicht. Obwohl es da sicher andere Möglichkeiten des Sponsoring durch Werbepartner geben würde. Aber was solls, ich werde sicher nichts vermissen wenn ich es nicht sehen kann.
prince62 04.09.2012
2. Laufen, laufen, laufen!
Eine deutsche Komödie, oder was TV-Macher darunter verstehen, mit den immer mit dabei spielenden Herbst und Frier, ganz klar ein Fall für die UN-Menschenrechtskommission, da gibt es nur eines, die Beine in die Hände nehmen und laufen, soweit es die Lunge zuläßt, alternativ auch die DVD des aktuellen Programmes von Georg Schramm einlegen, das ist dann wirklich Unterhaltung auf höchstem Niveau.
dosmundos 04.09.2012
3.
Zitat von prince62Eine deutsche Komödie, oder was TV-Macher darunter verstehen, mit den immer mit dabei spielenden Herbst und Frier, ganz klar ein Fall für die UN-Menschenrechtskommission, da gibt es nur eines, die Beine in die Hände nehmen und laufen, soweit es die Lunge zuläßt, alternativ auch die DVD des aktuellen Programmes von Georg Schramm einlegen, das ist dann wirklich Unterhaltung auf höchstem Niveau.
Hm, welches waren nochmal die Komödien, in denen Herbst und Frier zusammen immer mit dabei zu sehen waren? Unter Umständen hat ja jetzt nicht unbedingt jeder Fernsehzuschauer den Anspruch, sich an einem Dienstagabend "Unterhaltung auf höchstem Niveau" (oder zumindest was prince62 darunter versteht) anzutun!
Pandemiker 04.09.2012
4. Zerstörte Story
Ein wunderschöner Titel und eine genauso schöne Story, die leider völlig verhunzt wurde. Ich hoffe sehr das ein Independence Projekt das Ganze mal so filmisch darbietet wie es der eigentlichen Erzählung würdig wäre.
anna1 04.09.2012
5. Und so tragikomisch
Zitat von sysopSAT.1Obacht, wenn der Sensemann kommt - nicht dass Sie sich in ihn verlieben! Genau das passiert im Sat.1-Film "Und weg bist Du". Ein groteskes Szenario mit einer tollen Annette Frier und und einem tollen Christoph Maria Herbst. Leider wurde das Drehbuch brutal auf Romantikkitsch getrimmt. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,853592,00.html
Sich in den Tod verlieben, das passiert auch in dem völlig unbekannten E-Book Roman der Benjamin-Blümchen (!) Autorin Elfie Donnelly, "Die Huehnerleiter ins Nirvana". Selten so gelacht und geweint...
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