US-Start der 5. Staffel: "Mad Men" im Schnellcheck

Von Cornelia Westphal

Die Zigaretten qualmen wieder, die Kostüme betören das Auge: Nach fast zweijähriger Pause ist in den USA die fünfte Staffel von "Mad Men" angelaufen. SPIEGEL ONLINE hat die Doppelfolge gesehen: Das Werber-Epos bleibt die beste zeitgenössische Serie der Welt.

Neue Staffel von "Mad Men": Sie rauchen und raufen wieder Fotos
AP/ AMC

Wer hat den besten Auftritt?

Meinen Sie: Neben dem wie immer unverschämt gut aussehenden Jon Hamm als Don Draper und den ihm reihenweise verfallenen Frauen? Dann: Eindeutig Christina Hendricks als Joan Harris, mittlerweile Mutter geworden und verunsichert, ob ihre Stelle in der Werbeagentur noch frei ist. Bei einem Überraschungsbesuch wird sie vom wie immer liebenswert britisch-verdrucksten Lane Pryce (Jared Harris) beruhigt: "Es ist nichts passiert." Darauf Joan: "Irgendwas passiert immer." Was durchaus als kleiner selbstreferentieller Scherz auf die lange Abwesenheit der Show verstanden werden kann.

Was hat sich denn nun geändert?

Man schreibt das Jahr 1966, die schwarze Bürgerrechtsbewegung findet ihren Weg in die schicken Büroräume von "Sterling Cooper Draper Pryce". Doch dort weiß man zunächst nicht so recht, wie man mit ihr umgehen soll - wohl nur ein kleiner Vorgeschmack auf die gesellschaftlichen Umbrüche, mit denen die "Mad Men" klar kommen müssen. Und Don Draper scheint mittlerweile etwas erwachsener zu werden. Einmal sinniert er über den Unterschied zwischen einem weißen Teppich in der Werbung und einem weißen Teppich in der Wohnung: Letzterer wird dreckig.

Aber ständig geraucht wird noch?

Aber klar. Im Büro, im Aufzug, überall. Roger Sterling (John Slattery) hat sogar eine Kippe im Mund, als er Joans Neugeborenes begutachtet. Immerhin hat er sie noch nicht angezündet. Und einmal wird Sterling das Rauchen sogar verboten - ein unerhörter Vorgang.

Wer trägt das beste Outfit?

Don Drapers Geburtstagsparty war eindeutig ein Fest für die Kostümausstatter von "Mad Men": Die Gäste erscheinen allesamt in knallbunten Sixties-Klamotten. Bemerkenswert ist vor allem Pete Campbells (Vincent Kartheiser) Mut zur Extravaganz: Er trägt ein aus heutiger Sicht schwer erträgliches Jackett mit rotem Karomuster.

Und wer hat den besten Spruch?

Selbstverständlich Roger Sterling. Auf Drapers Party beobachtet er, wie der Jubilar misstrauisch zu seiner jungen Frau Megan (Jessica Paré) hinüber äugt, die sich gerade mit einer Gruppe von Freundinnen amüsiert. "Geh nicht hin", sagt Sterling zu Draper. "Ich weiß, Du fragst Dich, worüber sie lachen. Nicht über Dich."

Hat sich das Warten gelohnt?

Ja doch. Für Alkoholiker, für Raucher, und für solche, die auch mal gerne in einem Büro arbeiten würden, in dem man der Sekretärin ein markiges "Ich mach Schluss für heute" zurufen kann - um elf Uhr am Vormittag. Vor allem aber für Freunde bester Fernsehunterhaltung: "Mad Men" von Matthew Weiner ist (gemeinsam mit "Breaking Bad") nach wie vor die beste zeitgenössische TV-Serie der Welt. Die erste Folge der fünften Staffel ist möglicherweise nicht spektakulär, aber das waren die Staffel-Eröffnungen von "Mad Men" noch nie: Die Serie entfaltet ihre ganze Qualität erst auf der Langstrecke.

Kommen Don und Betty wieder zusammen?

Na hören Sie mal, das können wir hier wirklich nicht aufschreiben.

Und wann ist das alles endlich in Deutschland zu sehen?

Nach Informationen von serienjunkies.de wird die 5. Staffel von "Mad Men" ab dem 24. September beim Bezahlsender FOX Channel laufen. Vorher erscheint am 29. März endlich die dritte Staffel in deutscher Synchronfassung auf DVD, die vierte folgt dann am 24. Mai.

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insgesamt 26 Beiträge
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1. Schnarch!
aaback 26.03.2012
Zitat von sysop........ Das Werber-Epos bleibt die beste zeitgenössische Serie der Welt. US-Start der 5. Staffel: "Mad Men" im Schnellcheck - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur (http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,823785,00.html)
Selten so gelacht. Das sage ich als begeisterter Amiserienfan. In den zwei, drei Folgen, die ich gesehen habe, ist absolut nichts passiert (außer Alltag) und ich bin eingeschlafen.
2. Kommentar zum Thema
Marshmallowmann 26.03.2012
Zitat von aabackSelten so gelacht. Das sage ich als begeisterter Amiserienfan. In den zwei, drei Folgen, die ich gesehen habe, ist absolut nichts passiert (außer Alltag) und ich bin eingeschlafen.
Korrekt, eine der absolut stinklangweiligsten Serien die es gibt. Der Autor sollte sofort dafür entlassen werden Breaking Bad damit zu vergleichen, Breaking Bad ist so ziemlich eine der besten Serien die jemals produziert wurden. Mad Man DEFINITIV nicht.
3. Mad Men ist für die intelligenteren
clausdavid 26.03.2012
Zitat von aabackIn den zwei, drei Folgen, die ich gesehen habe, ist absolut nichts passiert (außer Alltag) und ich bin eingeschlafen.
Es lohnt sich mit Staffel 1, 1.Folge anzufangen und sich alles chronologisch anzuuschauen. Die Spannungsbögen sind subtiler und lang angelegt und existenziell dramatisch bis tragisch. Jeder Charakter ist tragisch und menschlich. Am meisten leide ich im Beginn der neuen Staffel mit dem Charakter Roger Sterling. Noch mal den A... hochkriegen ist in dem Alter und als latenter Alkoholiker nicht einfach. Ich habe die Sechziger erlebt und diese Serie tirfft den damaligen Zeitgeist perfekt. Und man erfährt viel über das (interessante und zynische) Leben in der Werbebranche. (Bist du nicht auch all der Detektive und Forensiker (Ärzte, Juristen) in anderen Serien müde?)
4. Nur was für Weichgespülte
Frietjoff 26.03.2012
Ich vermute mal, dass die Serie Leute anspricht, die von falsch verstandener »political correctness« mittlerweile so weichgespült sind, dass sie es irgendwie gewagt finden, wenn 60er-Jahre-Charaktere rauchen oder schlimme Wörter wie negro sagen. Der Kommentar scheint selbst in diese Kerbe zu hauen. Man soll es toll finden, wenn ein 60er-Jahre-Werbemensch nicht brav bis 17 Uhr im Büro bleibt? Geht es eigentlich noch banaler?
5. Moving Pictures
rudolf_mendt 26.03.2012
Kommt wohl im Herbst in Deutschland auf FOX.
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