Sexismus-Talk bei Anne Will Verona Pooth nimmt Kameraschwenk über ihre Beine gelassen

Bei der Talkshow "Anne Will" wurde am Sonntagabend über Sexismus diskutiert - da zoomte die Kamera auf die Beine von Verona Pooth. Ein Fehler, heißt es nun aus der Regie. Pooth selbst kann keinen Fehler entdecken.

Ursula Schele (Bundesverband Frauenberatungsstellen) und Verona Pooth
NDR/Wolfgang Borrs

Ursula Schele (Bundesverband Frauenberatungsstellen) und Verona Pooth


SPIEGEL-ONLINE-Autor Arno Frank war nicht der einzige, dem dieser Kameraschwenk als unpassend auffiel. "Sexismus ist, wenn Laura Himmelreich bei 'Anne Will' gerade über Sexismus als 'strukturelles Problem' referiert - und der Kameramann auf die rosafarbenen Stilettos von Verona Pooth zoomt, um dann laaangsam die Beine hinaufzufahren", schrieb er in seiner Rezension der Talkshow vom Sonntagabend (und wies in einem Nachsatz daraufhin, dass auch eine Frau die Kamera geführt haben könnte). Mehrere Twitter-Nutzer schlugen in die gleiche Kerbe.

Offenbar ist man auch in der Redaktion der Talkshow nicht glücklich über diese Einstellung. Gegenüber "Focus Online" sagte eine Pressesprecherin von Anne Will zum Kameraschwenk über die Schuhe und Beine von Verona Pooth: "Diese Form der Bildführung widerspricht den redaktionellen und bildlichen Grundsätzen der Sendung. Der zuständige Regisseur bedauert den Fehler."

Verona Pooth hatte in der Diskussionsrunde um Sexismus darauf hingewiesen, dass auch ihr "solche Dinge widerfahren" seien: "Aber nie eine Nötigung in einer Form, die mir einen Schaden zugefügt hat." Man dürfe "verführerisch aussehen, aber man darf nicht angefasst werden", sagte Pooth in der Sendung.

Später sagte Pooth der "Bild"-Zeitung zum kritisierten Kameraschwenk: "Der arme Kameramann - warum soll er denn nicht diesen Schwenk machen? Das ist sicher nicht sexistisch." Die ARD hatte sich bereits 2015 mit einer Kamerafahrt über die Beine der FDP-Politikerin Katja Suding in der "Tagesschau" Sexismusvorwürfe eingehandelt. Der Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke, entschuldigte sich damals und schrieb: "Der Beine-Schwenk gehört auf den Index."

feb/jat/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.