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Zum Tod von Kurt Felix: Meister der harmlosen Schadenfreude

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Seine Gags mit versteckter Kamera lockten Millionen vor den Fernseher: Kurt Felix hat mit "Verstehen Sie Spaß?" TV-Geschichte geschrieben. Sein Humor passte bestens in Helmut Kohls biedere Vor-Wende-Bundesrepublik. Jetzt ist der Moderator gestorben.

Fotostrecke: Kurt Felix' Karriere in Bildern Fotos
dapd

Er war ein Meister der Schadenfreude und des Fernsehprogramms für die ganze Familie: In einer Zeit, in der es noch keine großflächige Videoüberwachung des öffentlichen Raums gab und Bilder noch nicht zur Allgegenwart im Internet geworden waren, konnte fast ganz Deutschland über die "Streiche mit versteckter Kamera" von Fernsehmoderator Kurt Felix lachen. Seit 1980, von 1983 an als Samstagabendshow zur Hauptsendezeit, präsentierte Felix bis 1990 seine ahnungslosen Opfer - mal mehr, mal weniger prominent - in der Sendung "Verstehen Sie Spaß?". Er zeigte, wie die Leute mit scheinbaren Pannen im Alltag konfrontiert wurden, die ihren Realitätssinn, ihre Geduld und ihren Humor auf die Probe stellten.

Geduldig zeigte sich auch der im Jahr 2003 an Krebs erkrankte Felix im Kampf gegen seine Krankheit. Am Mittwoch starb der gebürtige Schweizer im Alter von 71 Jahren in St. Gallen, wie nun bekannt geworden ist.

Stets freundlich und den Schalk im Nacken, so gab sich Felix in "Verstehen Sie Spaß?" gemeinsam mit seiner Ehefrau und Co-Moderation Paola. Das Paar hatte 1980 geheiratet und entwickelte sich als "Spaßvögel der Nation" rasch zu Deutschlands beliebtestem und bekanntestem Moderatoren-Gespann. Mit seinen harmlosen Grenzüberschreitungen passte das Fernsehformat von Paola und Kurt Felix bestens in Helmut Kohls biedere Vor-Wende-Bundesrepublik. Felix brauchte in diesem Jahrzehnt zudem noch nicht die Konkurrenz der Privatsender zu fürchten, und so stieg seine Show mit bis zu 23 Millionen Zuschauern zu den erfolgreichsten Fernsehsendungen in Deutschland auf.

In seinen Gags konnte man Autofahrer vor dauerroten Verkehrsampeln ausrasten sehen oder einen verwunderten Reinhold Messner beobachten, der in der Matterhorn-Wand plötzlich auf einen Zeitungskiosk stieß und darüber wenig erfreut war. Erprobt hatte Felix die versteckte Kamera zuvor schon beim Schweizer Fernsehen in der Sendung "Teleboy", eine der meistgesehenen Sendungen des Schweizer Fernsehens, die er von 1974 bis 1977 und zu Beginn der Achtziger moderierte, bevor er zum Ersten Deutschen Fernsehen wechselte.

Seine Rundfunkkarriere schlug Felix auf einem Umweg ein. Zunächst an der Schweizer Rekrutenschule ausgebildet, wo er es bis zum Unteroffizier brachte, studierte er anschließend am Lehrerseminar Kreuzlingen und arbeitete von 1960 bis 1965 an der Primar- und Gewerbeschule in Frauenfeld. Parallel dazu begann Felix, der schon währen seines Studiums als Hörspielautor hervorgetreten war, Beiträge für die Schweizer Rundfunkgesellschaft zu schreiben und verfasste rund 300 Radioreportagen und Fernsehberichte. Seine erste Fernsehsendung für das Schweizer Fernsehen war 1965 dann "Das große Bücherquiz".

Nach seinem 50. Geburtstag 1991 und einem Jahrzehnt an der Spitze des deutschen Unterhaltungsprogramms zog sich Felix schließlich komplett von der Kamera zurück und arbeitete hinter den Kulissen als Berater für Fernseh-Anstalten, darunter auch die ARD, die er für "Verstehen Sie Spaß?" beriet. Für die "Schweizer Illustrierte" schrieb er Mitte bis Ende der Neunziger wöchentlich als Fernsehkolumnist, im Jahr 2002 moderierte er für das Schweizer Fernsehen die Sendung "Quiz Today". Ansonsten lebte Felix unauffällig in der Schweiz und Italien.

Mit seiner Ehefrau Paola blieb Kurt Felix bis zu seinem Tod zusammen. Die Schlagersängerin hatte er als Juror eines Talentwettbewerbs kennen und schätzen gelernt. Bis zuletzt hatte er sich gegen seine Krankheit gewehrt. Eine Operation mit anschließender Chemotherapie schien zunächst erfolgreich zu verlaufen, doch 2010 meldete sich der Krebs zurück. Neben seiner Frau hinterlässt Felix seinen Sohn Daniel aus erster Ehe. Dieser folgte dem Beispiel seines Vaters: Der 45-Jährige ist als Sendeleiter für das Schweizer Fernsehen tätig.

Hinweis Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes stand, Daniel Felix sei der gemeinsame Sohn von Kurt und Paola. Das ist falsch. Daniel Felix stammt aus der ersten Ehe seines Vaters Kurt Felix. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Dieser Mann......
Surgeon_ 19.05.2012
hatte noch Gehalt. Und nicht nur Show auf Teufel komm raus !
2. Der "gemeinsame" Sohn...
frigor 19.05.2012
Zitat von sysopDPASeine Gags mit versteckter Kamera lockten Millionen vor den Fernseher: Kurt Felix hat mit "Verstehen Sie Spaß?" TV-Geschichte geschrieben. Sein Humor passte bestens in Helmut Kohls biedere Vor-Wende-Bundesrepublik. Jetzt ist der Moderator gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,834007,00.html
... stammt aus der ersten Ehe von Kurt Felix.
3. harmlos?
rosenpflanze 19.05.2012
Die Sendungen von Kurt Felix darf man durchaus als harmlose Unterhaltung bezeichnen, allerdings heisst harmlos ja nicht gleich schlecht. Mir ist die "harmlose" Unterhaltung der "Kohl-Jahre" lieber, als die im besten Falle noch als aggressiv und verschmiert zu bezeichnende Luschtigkeit der heutigen Protagonisten.
4. Ein Mensch der er selber war...wunderbar...
molesman 19.05.2012
ich halte nicht viel von salbungsvollen Spürchen am Grab eines Vertsorbenen. Dieser Mann aber ist und war für mich einer der wenigen die trotz Meiden immer er selbst war. Und ist. Aber meine Einstellung zum Leben und dem danach tut hier nichts zur Sache. Danke für ein Leben dass viielen Freude schenkte. Auf das wir alle am Ende rückblickend sagen können dass wir sinnhaft gelebt haben, liebenswürdig und würdig. Meine Bewunderung und Anteilnahme auch an seine großartige Frau, dieses Paar verkörperte das System Ehe so wie man es sich persöhnlich wohl nur wünschen kann. Nichts ist vergangen wenn es richtig gelebt wurde.
5. Es gab einen Vorläufer der Sendung
Hajojunge 19.05.2012
Sie hieß "Versteckte Kamera" mit Chris Howland und lief in den 60ern. Seine Gags sind heute noch legendär. Das soll jedoch Kurt Felix' Verdienste keineswegs schmälern. Auch Howland hat das Konzept seinerzeit von "Candid Camera" übernommen. Der Frau des Verstorbenen und der ganzen Familie gilt mein aufrichtiges Mitgefühl.
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