Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

HBO-Musikdrama "Vinyl": Sex, Schlaghosen, schräger Sound

Von , New York

HBO-Musikdrama "Vinyl": Sex, Schlaghosen und schräger Sound Fotos
HBO

Ein Hexenkessel aus Musik, Drogen und Gewalt: Die neue Serie "Vinyl" stürzt sich in New Yorks Musikszene der Siebzigerjahre. Co-produziert wird das TV-Event von Rolling-Stones-Legende Mick Jagger.

Die Kinder großer Stars haben es nicht immer leicht. Etwa James Jagger: Dem ältesten Sohn von Rolling-Stones-Legende Mick Jagger und Ex-Model Jerry Hall machte sein Nachname lange zu schaffen. "Manchmal wünscht man sich etwas mehr Anonymität", sagt der heute 30-Jährige. "Als Teenager kann einem das ziemlich peinlich sein."

Diese Zeiten sind vorbei. "Ich bete meinen Vater an", versichert Jagger Jr., der inzwischen selbst eine Karriere als Sänger und Schauspieler eingeschlagen hat. "Ich bin sehr stolz darauf, sein Sohn zu sein."

So stolz, dass er jetzt erstmals sogar mit ihm zusammenarbeitet. Ihr gemeinsames Projekt hat am Sonntag TV-Premiere: "Vinyl", eine neue, aufwendige HBO-Serie, die in Deutschland zeitgleich auf Sky ausgestrahlt wird, lässt die furiose New Yorker Musikszene der Siebzigerjahre wiederaufleben. Mick Jagger ist einer der Produzenten - und sein Sohn spielt eine Art junge Version des Stones-Leadsängers.

Die väterlichen Erinnerungen, sagt James Jagger, seien für ihn eine "unschätzbare Quelle". Außerdem gibt ihnen die Show die seltene Gelegenheit, die verpasste Kindheit nachzuholen: "Früher habe ich nie mit ihm am Klavier gesessen."

Musik ist der Pulsschlag dieser Serie, deren zweistündige Pilotfolge von Oscar-Preisträger Martin Scorsese inszeniert wurde. Der versammelte dazu sein bewährtes Dreamteam, mit dem er schon die HBO-Serie "Boardwalk Empire" auf Erfolgskurs gebracht hatte - allen voran den Oscar-nominierten Autor Terence Winter ("Wolf of Wall Street") und Bobby Cannavale, der hier die TV-Rolle seines Lebens gefunden hat.

Eine grandios rekonstruierte Zeitmaschine

Und zwar als Plattenproduzent Richie Finestra, dessen Label American Century in den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen jener Ära unterzugehen droht. Richies Versuche, seine Firma, seine Ehe und seine Seele zu retten, werden zur Odyssee durchs alte New York - ein Hexenkessel aus Musik, Sex, Drogen und Gewalt.

Es ist ein krasser Kontrast zur wurzellos-kommerziellen Musikbranche von heute: Früher, das zeigt "Vinyl", bedeutete Musik noch etwas.

Wie das Prohibitionsgangsterdrama "Boardwalk Empire" ist "Vinyl" eine grandios rekonstruierte Zeitmaschine. HBO scheute keine Kosten, die Zuschauer ins Jahr 1973 zurückzuversetzen. "New York wird zu seinem eigenen Darsteller", sagt Max Casella, ebenfalls ein Scorsese-Veteran, der als glückloser Labelmanager von American Century glänzt.

Die erste Doppelfolge ist dank Scorseses Detailfreude großes Kino. Selbst der Zeitungsmüll auf der Straße sei authentisch, sagt Juno Temple, die in der Rolle von Richies Assistentin ihr TV-Debüt feiert: "Die Titelseiten trugen das Datum 1973!"

Eine Sinnkrise aus Schlaghosen und schrägem Sound

"Früher durch New York zu laufen war, als stünde man unter Drogen", erinnert sich J.C. MacKenzie, der als Kind erstmals nach Manhattan kam und in "Vinyl" den Verkaufschef von American Century spielt. "Das war total verrückt." Doch geht es in "Vinyl" um viel mehr als nur Nostalgie für eine vergangene Metropole.

Die Musik jener Zeit steht für die Selbstfindungsqualen einer Generation zwischen Naivität und der bitteren Einsicht, dass sich die böse Welt nicht länger wegkoksen lässt. So beginnt "Vinyl" denn auch als Komödie, entwickelt sich dann aber ohne Vorwarnung zum tödlichen Drama und wird zur psychedelischen Achterbahnfahrt in Richtung Abgrund - eine Sinnkrise aus Schlaghosen und schrägem Sound.

Es ist offensichtlich, dass die Darsteller dabei am meisten Spaß haben. Viele zogen für die sechsmonatigen Dreharbeiten zur ersten Staffel nach New York. "Es war ein fantastisches Erlebnis", sagt die Dänin Birgitte Hjort Sørensen ("Borgen", "Game of Thrones"), die ihre Rolle unter anderem an die deutsche Punksängerin Nico anlehnte.

Echte Gruppen wie Led Zeppelin, nachempfunden in einer schrillen Vignette, beleben die Serie ebenso wie die erfundene Punkband Nasty Bits, deren Frontman von James Jagger gespielt wird. So verschmelzen Fakt und Fiktion nahtlos.


"Vinyl". In der Nacht vom 14. auf 15. Februar ist die TV-Premiere auf Sky Go, Sky On Demand und Sky Online zu sehen. Ab 7. April dann immer donnerstags um 21.00 Uhr auf Sky Atlantic HD

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Punksängerin Nico?
Didoxion 12.02.2016
das ist jetzt aber nicht Christa, oder?
2. Nico....
mfinkne 12.02.2016
.... die deutsche Punksängerin. Oh Mann!
3. Also ne Punkband
bachanwohner 12.02.2016
waren Velvet Underground&Nico jetzt aber bestimmt net. 1973 gab es nämlich noch überhaupt keine Punkbands. Die Musikrichtung "Punk" entstand erst ca. 1975, ziemlich zeitgleich in London (Sex Pistols) und New York (Ramones). Langsam kommt man sich so vor, wie sich in unserer Jugend die ollen Wehrmachtsveteranen vorgekommen sein mögen, denen immer im Fernsehen erzählt wurde, wie das denn wirklich war im 2. Weltkrieg....grins
4.
adubil 13.02.2016
Scorcese, Bobby Cannavale und...na gut...Jaggers Mick und dazu dieses Thema, diese Musik...auf die Led Zep-Vignette bin ich mal gespannt...klingt nach einem must-see.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Quiz


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: