"Wünsch dir was"-Moderatorin: Entertainerin Vivi Bach gestorben

Zum Tode Vivi Bachs: Erst "dänische Bardot", dann 46 Jahre Ehe Fotos
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An der Seite von Dietmar Schönherr schrieb sie Fernsehgeschichte: Die Dänin Vivi Bach war Co-Moderatorin ihres Ehemanns bei der legendären Spielshow "Wünsch dir was". Daneben verfolgte sie ihre Schauspielkarriere und sang. Nun ist sie auf Ibiza gestorben. Sie wurde 73 Jahre alt.

Die erste transparente Bluse im deutschen Fernsehen. Politischer Streit um eine angeblich rote Nelke. Die Beinahe-Katastrophe mit dem Mädchen im versenkten Auto - obwohl es nur 24 Folgen davon gab, machte die Spielshow "Wünsch dir was" Fernsehgeschichte. Moderiert wurde sie von einem ungleichen Ehepaar: Der Österreicher Dietmar Schönherr hatte einen grimmigen Charme und passte zum politischen Geist der Zeit. Und die Dänin Vivi Bach an seiner Seite war stets fröhlich. Sie habe den Clown gemacht, sagte sie selbst über ihre Rolle.

Vivi Bach, geboren am 3. September 1939 in Kopenhagen, hatte schon vor ihrer Begegnung mit Schönherr Karriere gemacht: Zwar besaßen ihre Eltern eine große Bäckerei und Konditorei, und auch Vivi lernte das Handwerk. Doch schon bald strebte sie auf die Bühne, sang im Jazzclub "Blue Note" und hatte als 19-Jährige ihre erste Filmrolle in dem dänischen Film "Kurdt Og Klunker".

In Deutschland wurde sie als die "dänische Bardot" bekannt, mit Schallplattenaufnahmen, vor allem durch Rollen in Filmlustspielen wie "Immer die Mädchen" (1959), "Gitarren klingen leise durch die Nacht" (1959), "Schlagerparade 1960", "Wir wollen niemals auseinandergeh'n" (1960), "Die Abenteuer des Grafen Bobby" (1961), "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh'n" (1961). Mit ihrem ersten Ehemann Heinz Sebek gründete sie außerdem eine eigene Filmgesellschaft, die allerdings nicht lange existierte.

Nach der Trennung von Sebek (Scheidungsgrund: Sie habe ihren Lebensgefährten aushalten müssen), heiratete Vivi Bach 1966 Dietmar Schönherr, den sie bei Dreharbeiten kennengelernt hatte. Im Duett sangen sie den hübschen Song "Molotow Cocktail Party". Vor allem aber sah man das Paar im Fernsehen, als Conferenciers beim "Gala-Abend der Schallplatte" oder im "Night-Club".

Doch der größte Erfolg des moderierenden Ehepaares war natürlich "Wünsch dir was": Von 1969 bis 1972 lief die Show im ORF, SRG und im ZDF, sie war höchst umstritten, aber auch sehr populär - zeitweise schauten bis zu 30 Millionen Menschen zu. "Wünsch dir was" war innovativ - so durfte das Publikum den Sieger bestimmen durch Betätigung der Klospülung oder des Lichtschalters.

Eine "Riesenangst" vor dem Millionenpublikum

Das Paar ging Ende der Sechziger mit dem Strindberg-Stück "Fräulein Julie" auf Theatertournee. Auch den "ersten deutschen Video-Film" präsentierten die beiden seinerzeit: Unter dem Titel "Die Lady aus dem Weltraum" kurvten sie "auf 253 Meter Magnetband 23 Minuten durch den Kosmos", wie der SPIEGEL zusammenfasste. Preis bei Neckermann: "trotz Einstandsrabatt noch 98 Mark".

Bach trat weiter in Schmonzetten auf wie "Ein Tag ist schöner als der andere", in dem sie die Mutter einer siebenköpfigen Familie spielt - mitten in den Umwälzungen um 1969. Im Januar 1973 bekam sie eine eigene Fernsehshow, "Vivat Vivi", die allerdings nur geringen Erfolg hatte. Eine weitere Show stellte sie 1974 unter dem Titel "Heute Abend bei Vivi" vor.

Doch bald zog sich Vivi Bach aus dem Rampenlicht zurück. "Die hat noch ein paar wirklich schöne Sachen im dänischen Fernsehen gemacht. Sie brauchte das mal für sich", erzählte Dietmar Schönherr 2001 im SPIEGEL-Interview: "Dann hat sie beschlossen: 'Jetzt reicht''s mir.'" Bach habe immer schon "eine Riesenangst" gehabt, so Schönherr, schon bei "Wünsch dir was" habe sie sich vor den 30 Millionen Zuschauern wahnsinnig gefürchtet. "Ich habe gewusst, dass sie Angst hat, aber wie groß die war, habe ich erst später rausgekriegt."

Schönherr machte weiterhin TV- und Film-Karriere, aber als seine größte Lebensleistung bezeichnete er einmal seine Ehe: "Das hat auch sehr viel damit zu tun, dass man sich eine gewisse Freiheit lässt", so Schönherr. "Bei uns ist eine symbiotische Verbindung entstanden." Das Ehepaar wohnte lange im österreichischen Straßwalchen (bei Salzburg), danach mit Hauptwohnsitz in der Schweiz in Kaiserstuhl am Rhein. 1990 siedelten Bach und Schönherr nach Santa Eulalia auf Ibiza um.

Auf Ibiza ist Vivi Bach nun am Montag im Alter von 73 Jahren gestorben, berichten unterschiedliche Medien. Als Todesursache wurde Herz-Kreislauf-Versagen angegeben, in den vergangenen Jahren hatte sie unter gesundheitlichen Problemen gelitten. Der inzwischen 86-jährige Dietmar Schönherr war bis zuletzt an ihrer Seite.

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