Vorwürfe gegen RTL: Mietpreller-Krawallsendung macht Ärger

Hat RTL in seiner Sendung "Mietprellern auf der Spur" einen Teenager gegen seinen Willen gefilmt und das Filmmaterial danach manipuliert? Die Landesmedienanstalt in Niedersachsen prüft derzeit, ob sie ein Verfahren gegen die Sendung einleiten soll.

Vera Int-Veen in der RTL-Sendung "Mietprellern auf der Spur": Klares Opfer-Täter-Schema. Zur Großansicht
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Vera Int-Veen in der RTL-Sendung "Mietprellern auf der Spur": Klares Opfer-Täter-Schema.

Hamburg/Hannover - Man wolle Unrecht aufdecken und Menschen zeigen, "die durch das Hinterlassen verwüsteter Wohnungen andere in den Ruin treiben", so rechtfertigt RTL auf seiner Website das ruppige Reality-Format "Mietprellern auf der Spur".

Seit dem 20. Juni zeigt der Sender wöchentlich, wie Moderatorin Vera Int-Veen und ihr Team Fällen nachgehen, in denen Wohnungseigentümer um ihr Geld gebracht werden, weil die Bewohner keine Miete zahlen, die Wohnung verwahrlosen lassen und womöglich auch noch heimlich ausziehen. Zu sehen sind: verwahrloste Räume, verpixelte Gesichter von Bewohnern, die sich schwer ausdrücken können und offensichtlich der Situation nicht gewachsen sind, fassungslose Wohnungsbesitzer und eine Moderatorin, die indigniert das Chaos abschreitet.

Für die sozialen Hintergründe interessiert sich die Redaktion offensichtlich weniger - bei RTL regiert ein klares Opfer-Täter-Schema: "Die Täter sind dabei diese Mietpreller, die Wohnungen verwahrlost zurücklassen. Die Opfer sind die um ihre Miete Geprellten, die vor dem finanziellen Ruin stehen", heißt es auf der Website des Senders.

Int-Veen und ihr Team sehen sich im Recht - nehmen sie es deshalb mit den Persönlichkeitsrechten nicht so genau? Das nimmt derzeit die Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) unter die Lupe. Die Medienanstalt prüft, ob sie ein Verfahren gegen die Sendung einleitet. Untersucht werden solle, ob "ein Anfangsverdacht in Bezug auf die Verletzung rundfunkrechtlicher Bestimmungen" vorliege, teilte die NLM am Mittwoch in Hannover mit. Geklärt werden soll, ob sich Moderatorin Vera Int-Veen ohne Erlaubnis Zutritt zur Wohnung einer Frau verschafft habe.

"Hinterher, Leute, hopp, hopp, hopp!"

In der Sendung stellt das Team den 17-jährigen Roy aus Sachsen-Anhalt auf der Straße. Auf das Ansinnen der TV-Journalistin, die Wohnung zu besuchen, in dem er mit einem Bruder und seiner pflegebedürftigen Mutter lebt, antwortet er zunächst undeutlich und abweisend.

Schließlich erwidert der Junge auf die Frage "War das ein Ja, oder war das ein Nein?" mit einem deutlichen "Ja!". Die Schnittfolge suggeriert, dass sich die Antwort auf die Erlaubnis zur gemeinsamen Wohnungsbesichtigung bezieht. Es sei aufgrund des Rohmaterials aber auch möglich, dass der Junge eine ganz andere Frage bejaht habe, erklärte die NLM. Letzteres legt ein Bericht auf bild.de nahe, in dem Teile des Rohmaterials zu sehen waren: Demzufolge hat sich das Fernsehteam gegen den klar geäußerten Willen des 17-Jährigen Zutritt verschafft. Mehrfach fordert der Junge, dass die Kamera draußen bleiben müsse. Als er aus der Wohnung auf die Straße flüchtet, fordert Int-Veen die Kameraleute auf, ihn zu verfolgen: "Hinterher, Leute, hopp, hopp, hopp!"

RTL betont, dass die Moderatorin von einer Tochter der pflegebedürftigen Frau begleitet worden sei. Zu möglichen Schnittfehlern hatte der Sender bereits vergangenen Freitag mitgeteilt: "Sollte im Rahmen der Produktion eine Szene nicht korrekt geschnitten worden sein, wird es die entsprechende Konsequenz innerhalb des Produktionsteams haben." Die zuständige Produktionsfirma Imago TV hat sich inzwischen vom verantwortlichen Autor getrennt, weil er "einen gravierenden Fehler" gemacht habe, wie die Geschäftsführerin Andrea Schönhuber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte.

Erst im April hatte die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) eine Folge der RTL-Sendung "Die Super Nanny" beanstandet: RTL erhielt für die im Mai 2010 ausgestrahlte Folge von "Die Super-Nanny", in der eine Mutter ihr Kind misshandelt, Bußgeldbescheide in Höhe von insgesamt 30.000 Euro. Dagegen hatte RTL zunächst Klage eingereicht, schließlich aber doch bezahlt - das sei aber "keinesfalls als Schuldeingeständnis" zu verstehen, so ein RTL-Sprecher.

twi/dpa

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