Voyeurismus-Fernsehen: Öffnen Sie dieser Frau nie die Tür!

Von und Daniela Zinser

Britt Hagedorn oder Vera Int-Veen wollen Ihnen helfen? Obacht! Die Damen tun nur so, um sich dann gnadenlos an Ihrem Elend zu weiden. Eine wahre Armada dieser fiesen Voyeurismusmaschinen hält derzeit Einzug ins Privat-TV. Ein Überblick - von der Deko-Terroristin bis zur sadistischen Samariterin.

Britt Hagedorn mit einem Übergewichtigen: neue Dimension der Diffamierung Zur Großansicht
Sat.1

Britt Hagedorn mit einem Übergewichtigen: neue Dimension der Diffamierung

Sie heißen Britt, Vera oder Tine. Sie sind gekommen, um zu helfen. Und sie gehen nicht wieder weg. Im Gegenteil, sie machen sich immer breiter. Sie führen asoziale Teenager in die Gesellschaft zurück, sie renovieren Hartz-IV-Empfängern ihre hässlichen Wohnungen, sie vermitteln Menschen mit Schwabbelbauch an andere Schwabbelbäuche, sie machen Jagd auf Schmarotzer. Der Trend zum Coachen und Therapieren, zum Kuppeln und Denunzieren setzt sich im deutschen Privatfernsehen immer mehr durch.

Was früher eher an den Programmrändern von RTL oder Sat.1 stattgefunden hat, in den Doku-Soaps, Reality-Shows und Haudrauf-Talks des Nachmittags, ist längst auf die zentralen Sendeplätze der Primetime geschwappt. Überall laufen sie auf einmal auf, die beflissenen Helferinnen, die tätscheln, belehren, mahnen. Und manchmal zur Hatz blasen.

Sie sind die Elends-Scouts des deutschen Fernsehens. Sie führen den Gaffer vor dem Fernsehgerät in Wohnungen, in denen sich der Müll türmt, sie führen ihnen Männer vor, deren einzige weibliche Bekanntschaft die eigene Mutter ist, und sie präsentieren Hartz-IV-Empfänger, die zu doof sind, das Geld einzusacken, das ihnen eigentlich zusteht. Vergiftete Nächstenliebe muss man sowas wohl nennen. Denn mit dem Argument, helfen zu wollen, sammeln die Fernsehfrauen bizarres Bildmaterial, an dem sich der Zuschauer weiden darf.

Perfider war deutsches Privatfernsehen noch nie. Ob Britt Hagedorn und ihre Moppel-Vorführungen in "Schwer verliebt", Sabina Hankel-Hirtz und ihr Verwahrlosten-Bootcamp in "Das Messie-Team" oder Tine Wittler und ihr Streich-und-Roll-Kommando "Einsatz in 4 Wänden": Mit dem neuen weiblichen Samaritertum eröffnen RTL, RTL II und Sat.1 ihrem Medium neue Dimensionen der Diffamierung und Demütigung.

SPIEGEL ONLINE stellt Ihnen im Folgenden die skrupellosesten Voyeurismusmaschinen vor.

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insgesamt 168 Beiträge
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1. Tja, ...
UlliK 11.08.2011
Zitat von sysopBritt Hagedorn oder*Vera Int-Veen*wollen Ihnen helfen? Obacht!*Die Damen*tun nur so, um sich*dann gnadenlos an Ihrem*Elend zu weiden. Eine wahre Armada*dieser fiesen Voyeurismusmaschinen hält derzeit Einzug ins Privat-TV. Ein Überblick - von der Deko-Terroristin bis zur sadistischen Samariterin. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,775332,00.html
... was soll ich dazu noch sagen? Mit 'nem Six-Pack Carlsberg-Elephant-Bier haben die Damen doch einen hohen Unterhaltungswert. Und wer sich da zur Schau stellen und zum Affen machen läßt, ... der wird bestimmt gut bezahlt!
2. Normales Fernseh-Geschäft
jos4711 11.08.2011
Ich wundere mich nicht über die Sendungen, sondern über die Leute, die sie sich ansehen. Fernsehen ist m.E. sowieso ein Alte-Leute-Phänomen, das über kurz oder lang an Bedeutung verlieren wird. In meinem Freundeskreis (Alter grob 25-35) hat kaum einer einen Fernseher. Die wenigen, die einen haben, schalten ihn selten an.
3. Etwas mehr Eigenverantwortung
fipsing 11.08.2011
Gerade die privaten Sender leben von den Einschaltquoten um Werbung teuer verkaufen zu können. Diese Quoten sind anscheinend so hoch, sprich das Interesse ist da, das sich solch billige Produktionen rechnen. Die freien Märkte gehen nach der Nachfrage und somit sind diese Sendungen legitim. Über Qualität, Sinn oder Unsinn dieser Sendungen kann man, wie bei Geschmack üblich, nicht streiten. Alles andere wäre der Versuch einer Zensur wenn man den Müll verbieten würde. Sie könnten auch einen Artikel über die Reporter der BILD oder anderer Boulevard Zeitungen schreiben und kämen auch dazu das es Schrott ist. Auch hier gibt es, wie bei den Moderatorinnen, einen Journalismus der nur auf Selbstdarsteller oder Peinlichkeiten abzielt. Die Leute lieben es den Peinlichkeiten zuzusehen oder darüber zu lesen. Ich mag diese Sendungen nicht, ich verlange aber von jemanden der den Fernseher einschalten kann das er Eigenverantwortung für sich oder Verantwortung für seine Kinder trägt. Sich darüber aufzuregen ist müssig, keiner schaut es sich an und jeder sieht es. Zugeben? Nein, das wäre ja peinlich. So peinlich wie die Tatsache das keiner zugibt die FDP gewählt zu haben, war ja auch keiner.
4. Wo bleibt hier ...
katzekaterkarlo 11.08.2011
... eigentlich die Quote? Können nur Frauen solchen Schwachsinn verzapfen? Haben nur Frauen so wenig Mitgefühl?
5. Böse Zungen würden jetzt sagen
tetaro 11.08.2011
so würde die Welt aussehen, wenn das weibliche Geschlecht endgültig die Vorherrschaft errungen hätten. Überall Tapeten in Bonbonfarben, sinnlose Dekovasen und Obstschälchen, aus denen keiner was isst.
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