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US-Nachrichtensender: Was CNN zeigt, wenn die Welt untergeht

jalopnik.com

"Erst senden, wenn Ende der Welt bestätigt": Dieser Vermerk steht im internen CNN-System bei einem Video, das ein Ex-Praktikant nun öffentlich gemacht hat. CNN-Gründer Ted Turner hatte einst gesagt, sein Newskanal werde senden bis zum Jüngsten Tag.

Atlanta/New York - Als die Titanic sank, spielte die Kapelle weiter, das ist bekannt. Der Überlieferung zufolge soll der Choral "Näher, mein Gott, zu Dir" das letzte Stück gewesen sein, das die Musiker spielten, bevor sie die Instrumente abstellten. Wie passend also, dass Ted Turner, der legendäre Chef des Nachrichtensenders CNN, diese Musik im Sinn hatte als Abschied für den Fall, dass die Welt zu Ende geht.

Schon vor der Gründung des Kanals im Sommer 1980 soll Ted Turner verkündet haben: "Wir starten am 1. Juni, und wir bleiben auf Sendung bis zum Ende der Welt." So zitierten ihn die "New York Daily News". Wenn die Welt untergehe, werde CNN darüber berichten, "dann spielen wir 'Nearer, my God, to Thee' und melden uns ab". Damit wollte Turner den damals neuen Ansatz eines 24-Stunden-Nachrichtensenders verdeutlichen.

Seither war es zu einem Faszinosum für die ganze Branche geworden, dass es für den finalen Anlass tatsächlich ein Video geben soll. Einem Reporter des Magazins "New Yorker" spielte Turner das Band 1988 sogar vor. Der Sendergründer sagte, er habe die versammelten Marschkapellen von Heer, Marine und Luftwaffe das christliche Werk aufnehmen lassen. Mit den Worten "Ich kann das nicht ansehen ohne Tränen in den Augen" verließ er daraufhin den Raum, und der Reporter sah ein etwa einminütiges Video.

CNN-Gründer Ted Turner 1985 im Newsroom in Atlanta: "Tränen in den Augen" Zur Großansicht
AP

CNN-Gründer Ted Turner 1985 im Newsroom in Atlanta: "Tränen in den Augen"

Dieses Band will Michael Ballaban im internen Senderarchiv gefunden haben, als er 2009 bei CNN als Praktikant arbeitete. Heute schreibt er für "Jalopnik", einem Blog zu Automobil-Themen des New Yorker Website-Konglomerats Gawker. Dort hat er nun seine Geschichte veröffentlicht - und auch das Video, das CNN senden würde, wenn die Welt endet.

Das Bild ist körnig und verwaschen, wie es bei Videobändern aus den Achtzigerjahren nicht selten ist. Die Musik wird, dem Anlass entsprechend, sehr getragen gespielt. Als der letzte Ton verklungen ist, nehmen die Musiker ihre Instrumente herunter, und das Bild blendet auf schwarz ab.

Michael Ballaban dokumentiert in seinem Blogbeitrag auch den CNN-internen Archiveintrag zu dem Stück. "Turner Doomsday Video" ist es demnach betitelt - und mit einem in dramatischem rot gehaltenen Vermerk versehen: "HFR till end of the world confirmed". "HFR" steht dabei für "Hold for release". Man kann es also übersetzen mit "Erst senden, wenn Ende der Welt bestätigt".

CNN-interner Archiveintrag zum "Doomsday Video": Wer bestätigt das Weltende? Zur Großansicht

CNN-interner Archiveintrag zum "Doomsday Video": Wer bestätigt das Weltende?

Dies wirft vor dem Hintergrund der nachrichtenjournalistischen Praxis einige interessante Fragen auf. Wer kann das Ende der Welt bestätigen? Gilt das Zweiquellenprinzip? Ist nach der Bestätigung noch eine ganze Minute Zeit, um "Näher, mein Gott, zu Dir" abzuspielen? Wer macht das? Und gibt es dann überhaupt noch ein Publikum? (A propos: CNN hat das Video bisher nicht als authentisch bestätigt.)

Jedenfalls ist es ein beruhigendes Gefühl, glauben zu können, dass zumindest der berühmteste Nachrichtensender der Welt auf alle Eventualfälle vorbereitet ist. Ob das auch bei den deutschen Kollegen so ist? Falls nicht, was würden Sie Phoenix, N24 oder n-tv als finalen Beitrag vorschlagen?

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Was für einen letzten Beitrag sollten deutsche Newskanäle senden, wenn die Welt untergeht?

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Herzlichen Glückwunsch
Spanier.cs 06.01.2015
Damit haben Sie den sinnlosesten Artikel seit Menschen Gedenken veröffentlicht. Ich ärgere mich, ihn überhaupt geöffnet zu haben. Da erwartet man ein spannendes Video und sie schreiben etwas über eine Blaskapelle, die ein Liedchen spielt.
2. Reinlabern
spon-49j-k5ri 06.01.2015
Es hätte dem Video auch gut getan es einfach ohne Kommentar online zu stellen. Das steht ja schon alles im Text. Gerade wenn im Text mehrfach die Wirkung des Videos beschrieben wird hätte zumindest ein weiteres kommentarfreies Video gut getan.
3. War Ted Turner nicht auch derjenige
Palisander 06.01.2015
der in einem Interview einmal verkündete das die Welt nur zu retten sei wenn man die Bevölkerung auf 500 Millionen "reduzieren" würde? Hmmm. Danke Ted. Sollte der Planet demnächst ne Krätsche machen werde ich sicher etwas Tanzbareres auflegen.
4.
Crom 06.01.2015
Jetzt ist die ganze Spannung vorm Weltuntergang weg.
5.
Luscinia007 06.01.2015
Langweilige Vorschläge! "Schni Schna Schnappi" wird doch bekanntlich schon auf französischen Toiletten als Rausschmeißer verwendet. Und Paulchen Panthers "Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Soll das heißen, ja ihr Leut', mit dem Paul ist Schluss für heut'!" wäre doch ein passender Beitrag.
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