WDR-Intendantin Monika Piel Rundfunkrat verlängert Amtszeit

Weder Gottschalks Quotenpleite noch der Streit um die "Tagesschau"-App konnten Monika Piel etwas anhaben: Der Rundfunkrat schickt die WDR-Intendantin in eine zweite Amtszeit bis 2019. Das Wahlverfahren ohne Gegenkandidaten stößt bei mehreren Parteien auf harsche Kritik.

WDR-Intendantin Piel: Keine Gegenkandidaten
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WDR-Intendantin Piel: Keine Gegenkandidaten


Hamburg/Köln - Die WDR-Intendantin Monika Piel bleibt für weitere sechs Jahre im Amt. Der Rundfunkrat stimmte am Mittwoch in Köln mit einer Mehrheit für die Wiederwahl der 61-Jährigen, wie eine Sprecherin des Senders sagte. Damit verlängert sich Piels Amtszeit bis zum 31. März 2019.

Ihr derzeitiger Vertrag läuft noch bis zum 1. April 2013. Der Rundfunkrat sprach sich am Mittwoch in Köln mit 34 Ja-Stimmen bei sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen für eine zweite Amtszeit der 61-Jährigen aus.

Die Intendantin, die den Spitzenposten vor fünf Jahren übernommen hatte und derzeit auch als ARD-Vorsitzende fungiert, hatte keinen Gegenkandidaten, obwohl sie zuletzt unter anderem wegen des Quotendebakels von "Gottschalk Live" in die Kritik geraten war. Die Vorabend-Flaute bot jenen Munition, die am Stuhl der erklärten Gottschalk-Unterstützerin Piel sägen wollten.

Die FDP und die Piratenpartei kritisierten das Verfahren ohne Gegenkandidaten. "Der Intendantenposten der größten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt darf nicht unter der Hand vergeben werden", teilte der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen mit. "Ohne Ausschreibungsverfahren die bisherige Intendantin im Amt zu bestätigen, erweckt den Eindruck von Hinterzimmerabsprachen." Die Piratenpartei NRW prangerte "unhaltbare Zustände" an. Sie verwies auf "eklatante Fehler in der WDR-Chefetage, die durch Frau Piel zu verantworten" seien.

Auch den Streit um die "Tagesschau"-App mit den Zeitungsverlegern konnte Piel nicht beilegen. Kritiker werfen ihr außerdem vor, den Widerstand gegen die Reform der Kulturwelle WDR3 unterschätzt zu haben. Ein offener Brief an Piel, der die geplante Reform "katastrophal" nennt, wurde von 19.000 Menschen unterzeichnet.

Piel arbeitet seit mehr als drei Jahrzehnten für den WDR. Im Jahr 1978 fing sie als Redaktionsassistentin im Hörfunk an, wurde später Redakteurin, Moderatorin, Parlamentskorrespondentin, Wirtschaftschefin und Hörfunkdirektorin. Von 2001 bis 2007 moderierte sie den ARD-Presseclub.

bos/dapd/dpa



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