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Prüfung von Belästigungsvorwürfen

WDR-Mitarbeiter wieder im Dienst

Die Vorwürfe hätten sich nicht erhärten lassen: Ein WDR-Mitarbeiter, dem sexuelle Übergriffe vorgeworfen worden waren, ist zurück an seinem Arbeitsplatz. Intendant Buhrow habe jedoch eine Ermahnung ausgesprochen.

imago/ Günther Ortmann

Dienstag, 21.08.2018   17:07 Uhr

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Es war einer der Vorwürfe, der die WDR-Führungsspitze in Bedrängnis brachte: Als ein Kollege bereits 2010 Hinweise auf sexuelle Übergriffe an die Verantwortlichen weitergegeben hatte, wurde denen nur unzureichend nachgegangen. Stattdessen erhielt der Mitarbeiter eine Ermahnung, der Beschuldigte machte weiterhin Karriere. Im Frühjahr war der Fall wieder ans Licht gekommen. Der betroffene Redakteur hatte daraufhin Urlaub genommen. Nun ist er an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Das teilte Unternehmenssprecherin Ingrid Schmitz SPIEGEL ONLINE mit und bestätigte damit einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers".

"Ein WDR-Mitarbeiter, gegen den in den vergangenen Monaten Vorwürfe wegen sexueller Belästigung in den Neunzigerjahren erhoben wurden, ist wieder im Dienst. Diese Entscheidung erfolgte auf Grundlage des Ergebnisses einer sehr sorgfältigen Prüfung", erklärte Schmitz. Dem Zeitungsbericht zufolge habe sich WDR-Intendant Tom Buhrow entschieden, den Mitarbeiter nur zu ermahnen. Eine Abmahnung, die die härtere Disziplinarmaßnahme ist, erhalte er nicht. Zu diesem Vorgang wollte sich die Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht äußern.

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Es ging um mehrere anonyme und einen namentlichen Vorwurf gegen den Mitarbeiter. "Die ließen sich aber nicht erhärten", sagte die Sprecherin. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" schreibt, dass der Mitarbeiter unter anderem einen Praktikumsplatz gegen körperliche Zuwendungen angeboten habe. Der Beschuldigte habe das vehement bestritten.

Der Fall ist einer von mindestens fünf, die im Frühjahr dieses Jahres ans Licht gekommen waren. Für Aufsehen sorgte unter anderem der Fall des ehemaligen Fernsehfilmchefs Gebhard Henke, dem sechs Frauen vorgeworfen hatten, sie sexuell belästigt zu haben, unter ihnen Charlotte Roche und Nina Petri. Der WDR hatten Henke fristlos gekündigt und sich im Juli außergerichtlich mit ihm geeinigt.

Untersuchungen bald abgeschlossen

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Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hatte die WDR-Führung nach und nach Fehler eingeräumt, darunter Tom Buhrow und Jörg Schönenborn, der 2010 Chefredakteur war und heute Fernsehdirektor ist. Schönenborns Wiederwahl steht in Kürze an. Intendant Buhrow bezeichnete in einem Interview unter anderem die Ermahnung des Korrespondenten Arnim Stauth, der die Hinweise 2010 gegeben hatte, als Fehler. Inzwischen sei der Eintrag in der Stauths Personalakte gelöscht.

Als Reaktion auf die Vorwürfe hatte der WDR bereits im April die ehemalige GewerkschaftsvorsitzendeMonika Wulf-Mathies als Leiterin einer Prüfungskommission eingesetzt. Sie wird ihren Bericht in Kürze vorlegen, wie es in dem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" heißt.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Beschuldigte sei befördert worden. Dies ist so nicht korrekt, wir haben die bestreffende Stelle korrigiert.

brs

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