Aufklärung über sexuelle Belästigung bei ARD-Sender Personalratsvorsitzende erhebt Vorwürfe gegen WDR-Spitze

Nachdem bekannt wurde, dass ein WDR-Korrespondent eine Praktikantin sexuell belästigt haben soll, hat sich nun die Vorsitzende des Personalrats aus dem Interventionsteam zurückgezogen. Der Grund: Der WDR habe nicht genug getan.

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imago/ Horst Galuschka

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Er habe unter anderem einer Praktikantin auf seinem Hotelzimmer Pornos gezeigt und einer Kollegin "eindeutige Mails" geschrieben, in denen er sich etwa als "Alphatier" bezeichnete: In einer gemeinsamen Recherche von "Stern" und dem Recherchebüro "Correctiv" hatte vor wenigen Tagen unter anderem eine ehemalige Praktikantin Vorwürfe gegen einen WDR-Auslandskorrespondenten wegen Belästigung erhoben. 2017 hatte sich Chefredakteurin Sonia Mikich mit den Vorwürfen einer Praktikantin und einer festen Mitarbeiterin an den Interventionsausschuss des WDR gewandt, der auch Fälle sexueller Übergriffigkeit aufarbeiten soll. Heute arbeitet der Beschuldigte noch immer für den WDR.

Jetzt ist die Vorsitzende des Personalrats Christiane Seitz aus diesem Interventionsausschuss zurückgetreten. Das geht aus einer E-Mail von Seitz hervor, die dem SPIEGEL vorliegt: Unmittelbarer Anlass sei die Darstellung des Unternehmens gegenüber dem "Kölner Stadtanzeiger" vom Donnerstag.

"Konsequent arbeitsrechtlich verfolgt"?

Die Zeitung hatte eine WDR-Sprecherin zitiert, die unter anderem sagte, die sieben Fälle von sexueller Belästigung, die in den vergangenen zehn Jahren aktenkundig geworden waren, seien "konsequent arbeitsrechtlich verfolgt" worden. Dies sei mit dem Maximum an rechtlichen und disziplinarischen Möglichkeiten geschehen. Ein Opfer könne sich an das Interventionsteam wenden, darunter auch ein Mitglied des Personalrats und die Gleichstellungsbeauftragte. Dieses Team habe das Mandat, Hinweise zu prüfen und arbeitsrechtliche Konsequenzen vorzuschlagen, die dann von der Personalabteilung umgesetzt würden, so die Sprecherin.

Laut Seitz stehe beim WDR jedoch weder der Personalabteilung noch dem Personalrat oder der Gleichstellungsbeauftragten diese Machtfülle zu. "Der Personalrat (...) hat immer wieder vergeblich gefordert, im absolut hierarchisch geprägten WDR eine (...) Ahndung von Machtmissbrauch und Herabwürdigung gegenüber Schwächeren und Abhängigen zu gewährleisten." Derlei Vorschläge seien aber etwa ins Lächerliche gezogen oder als überflüssig erklärt worden. Sie fordere grundlegende Änderungen im Umgang mit den Beschäftigten. Es brauche den Willen der WDR-Spitze, "das seelische und körperliche Wohl der Beschäftigten als zentrales Anliegen zu sehen und danach zu handeln".

Der WDR gab in einem Statement bekannt, dass man diese Begründung nicht nachvollziehen könne. Chefredakteurin Sonia Mikich sagte gegenüber dem SPIEGEL: "Ich finde es traurig, dass ein so wichtiges Instrument wie das Interventionsteam gerade jetzt durch eine Auseinandersetzung womöglich geschwächt wird."

akm/eth

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