Vorwürfe wegen sexueller Belästigung WDR trennt sich von TV-Korrespondent

Er soll unter anderem einer Praktikantin Pornos gezeigt haben. Nun stufte der WDR die Vorwürfe gegen einen TV-Journalisten als glaubhaft ein - und kündigte dem Mitarbeiter.

imago/ Günther Ortmann


Gemeinsame Recherchen von Stern und dem Rechercheverbund "Correctiv" hatten den Skandal um sexuelle Belästigung beim WDR ins Rollen gebracht: Eine ehemalige Praktikantin hatte Anfang April Vorwürfe gegen einen WDR-Auslandskorrespondenten wegen sexueller Belästigung erhoben. Denen war derSender schon im vergangenen Jahr nachgegangen, trotzdem arbeitete der Beschuldigte weiter für den Sender. Nun hat der WDR dem Mitarbeiter fristlos gekündigt.

Der Fall sei sorgfältig geprüft worden, teilte ein Sprecher des WDR dem SPIEGEL mit und bestätigte damit einen Bericht des "Stern", der auf seiner Homepage von der Kündigung berichtet hatte. Nach den ersten Vorwürfen hatten sich weitere Frauen beim WDR gemeldet und den Korrespondenten belastet. Diese seien ebenfalls sorgfältig geprüft worden. "Auch nach Anhörung des Mitarbeiters stufte der WDR die Vorwürfe als glaubhaft und so gravierend ein, dass er die entsprechende Konsequenz gezogen hat", teilte der Sprecher weiter mit.

Der Sender kämpft seit einiger Zeit mit Vorwürfen, Kollegen hätten Frauen sexuell belästigt. Mittlerweile besteht Verdacht gegen mindestens fünf Männer. Als erster Fall war der des Auslandskorrespondenten bekannt geworden, der einer Praktikantin in einem Hotelzimmer Pornofilme gezeigt und einer Kollegin "eindeutige Mails" geschrieben haben soll.

WDR in der Kritik

Nach einem SPIEGEL-Bericht wurden drei weitere Fälle möglicher sexueller Belästigung bekannt. Ende April stellte der WDR den "Tatort"-Koordinator" Gebhard Henke wegen Belästigungsvorwürfen frei.

Gegen die WDR-Führung wurde Kritik laut: Sie habe frühzeitig von Vorwürfen gewusst, allerdings wenig bis nichts unternommen. Der Sender verwahrte sich gegen diese Darstellung.

Die WDR-Geschäftsleitung hatte Mitte April ein Maßnahmenpaket für eine bessere Vorbeugung beschlossen und eine dauerhafte externe Ombudsstelle angekündigt, an die sich Betroffene wenden können. Zudem soll die frühere Gewerkschaftschefin und EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies in "völliger Unabhängigkeit" prüfen, wie der WDR mit Hinweisen auf sexuelle Belästigung umgegangen sei. Auch hatte der Westdeutsche Rundfunk eine weitere Kanzlei beauftragt, aktuellen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen.

brs



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