Sexuelle Belästigung beim WDR Weiterer "ranghoher Mitarbeiter" freigestellt

Der Skandal um sexuelle Belästigung weitet sich aus: Nun soll WDR-Intendant Tom Buhrow einen weiteren Mitarbeiter freigestellt haben. Zu konkreten Vorwürfen und Identität gab es bislang keine Angaben.

imago/ Manngold


Im Zuge der internen WDR-Ermittlungen zu den Vorwürfen sexueller Belästigungen bei dem öffentlich-rechtlichen Sender zieht Intendant Tom Buhrow weitere Konsequenzen: Nach Angaben der "Bild"-Zeitung soll nach dem ehemaligen Auslandskorrespondenten nun ein zweiter "ranghoher Mitarbeiter" des Senders freigestellt worden sein. Ein WDR-Sprecher hat den Vorgang auf Nachfrage der Bild mittlerweile bestätigt. Zu konkreten Vorwürfen und der Identität des Mannes wurden keine Angaben gemacht.

Erst letzte Woche hatte WDR-Intendant Tom Buhrow verkündet, die Vorwürfe der sexuellen Belästigung aufarbeiten zu wollen. Dafür hat er die ehemalige EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies als Sonderermittlerin eingesetzt. Für ihre unabhängige Prüfung soll die SPD-Politikerin und ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende (ÖTV) "uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen, Vorgängen sowie Gesprächspartnern" erhalten, so der WDR. Die Ergebnisse sollen nach Abschluss der Untersuchung dann veröffentlicht werden. Die 76-Jährige hatte zuletzt von 2001 bis 2008 als Leiterin des Zentralbereichs Politik und Nachhaltigkeit bei der Deutschen Post/DHL fungiert.

Verdacht gegen mindestens fünf Männer

Zudem hat der Westdeutsche Rundfunk eine weitere Kanzlei beauftragt, aktuellen Hinweisen auf weitere mögliche Fälle sexueller Belästigung nachzugehen. Der Sender kämpft seit einigen Wochen mit Vorwürfen, Kollegen hätten Frauen sexuell belästigt. Mittlerweile besteht Verdacht gegen mindestens fünf Männer. Als erster Fall war der eines Auslandskorrespondenten bekannt geworden, der einer Praktikantin in einem Hotelzimmer Pornofilme gezeigt und einer Kollegin "eindeutige Mails" geschrieben haben soll.

Nach einem "Spiegel"-Bericht wurden drei weitere Fälle sexueller Belästigung bekannt. Im Fokus der Vorwürfe: Ein prominenter TV-Journalist des WDR, der mittlerweile im Ruhestand ist; ein Hörfunkmitarbeiter, der wegen Stalkings bereits aktenkundig sein soll, aber noch immer beim WDR arbeitet, sowie ein Mitarbeiter der Abteilung Revision beim WDR. Konkrete Namen wurden allerdings auch in diesen Fällen nicht genannt - aus Persönlichkeitsschutzgründen.

Gegen die WDR-Führung wurden auch Vorwürfe erhoben, frühzeitig von Vorwürfen gewusst, allerdings wenig bis nichts unternommen zu haben. Der Sender verwahrte sich gegen diese Darstellungen.

bsc



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