ARD-Serie "Weissensee" Die letzten Privatgeheimnisse der Stasi

ARD/ Julia Terjung

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Achtung, Mauer fällt! In der dritten Staffel der ARD-Serie um die erstaunlichen Abenteuer der Stasi-Funktionärsfamilie Kupfer flattert jahrestagstauglich der Mantel der Geschichte. Das allerdings ist Nebensache, viel wichtiger bleiben die Intrigen.

Martin Kupfer (Florian Lukas), der brave Ost-Berliner, steht etwas verloren mit seinem Neffen Roman auf der Bornholmer Brücke in der Nacht vom 9. November 1989. Er weiß nicht so recht, dann geht er los und klingelt bei der einzigen Adresse, die ihm einfällt. Und so steht er bald im Zimmer der West-Journalistin Katja (Lisa Wagner), deren Notizbuch er zufällig gefunden hatte, die wiederum zufällig noch vorher seinen Bruder Falk (Jörg Hartmann) fotografiert hat, den perfiden Stasi-Offizier, bei der Ausübung einer schlimmen Schandtat. Diese hat mit dem Bürgerrechtler Robert Wolff (Ronald Zehrfeld) zu tun, für den Falk schon in der letzten Staffel nicht ganz zufällig von seiner Frau Vera (Anna Loos) verlassen worden war.

Großartiger Groschenroman

Da kommt zusammen, was zusammen kommen kann. Auch diesmal ist wieder jede und jeder mit jeder und jedem verstrickt, und jedes Übel des Unrechtsstaats DDR ist innerhalb einer einzigen Familie zu finden. Sei es, dass ein Kupfer es ausheckt, sei es, dass ein Kupfer darunter leidet: Der Niedergang der DDR wird auch in der zweiten Fortsetzung von "Weissensee" als gehobene Seifenoper erzählt. Natürlich darf man bei dieser Konzentration auf blutsverwandte Protagonisten nicht zu viel Plausibilität erwarten. Macht nichts. Daran haben sich alle gewöhnt, die bereits zwei Staffeln dabei geblieben sind als Zuschauer des großen Schicksalskampfs der Kupfers.

Und die allzu holzgezimmerte Konstruktion der Geschichte ist dann auch in der dritten Staffel schnell verziehen - mehr noch: Bald folgt man ihr schon wieder gerne. Und möchte tatsächlich wissen, ob der liebe Martin doch noch zurück zum Glück findet oder, wenn schon nicht das, ob wenigstens sein etwas einfältiger Ex-Kollege Peter (Stephan Grossmann) es mal etwas länger mit einer Frau aushält. Beziehungsweise eine es mit ihm. Denn wie das große Ganze ausgeht, wissen wir ja schon.

Die ungebrochene, angesichts der Groschenromanhandlung geradezu kindische Freude an "Weissensee" hat drei gute Gründe. Zunächst ist da der reine Schauwert: Die Serie behauptet glaubhaft, den Geist jener Zeit Ende 1989 zu vermitteln, der Jargon klingt überzeugend, die Menschen sehen so aus, wie sie ausgesehen haben mögen. Das Mobiliar passt.

Dazu kommt die einmal mehr glänzende Leistung des gesamten Ensembles. Uwe Kokisch gibt seinen Stasi-Chef Hans derart aufrecht, dass man dankbar wäre, so einen Mann in der bundesrepublikanischen Verwaltung sitzen zu haben. Ruth Reinecke als seine Frau Marlene bricht nach dem Mauerfall so getroffen zusammen, als sei sie selbst die DDR.

Irritierend menschlicher Karrierist

Florian Lukas als Martin Kupfer und Lisa Wagner als Katja Wiese geben ein hochsympathisches deutsch-deutsches Pärchen ab, insbesondere von Wagner mit viel trockenem Humor gespielt. Und Anna Loos debattiert als Vera so leidenschaftlich mit ihren Bürgerrechtsfreunden, als ginge es wirklich noch mal darum, das Gute am Osten zu retten. Und doch: alles Nebenfiguren.

Denn der dritte und wichtigste Grund, am Dienstag einzuschalten, ist dieser oberfiese, dabei irritierend menschliche Stasi-Karrierist, der da ungebrochen machtbesessen noch mal den Unrechtsstaat von der Leine lässt, obwohl doch schon alles verloren ist. Faszinierend, dieser Falk Kupfer, der vor nichts zurückschreckt, der kämpft, weil er nichts anderes kann.

Jörg Hartmann dabei zusehen zu dürfen, wie er als Falk immer hart am Rande des Zusammenbruchs die Kontrolle zu erzwingen versucht, das allein ist es schon wert, "Weissensee" auch diesmal nicht zu verpassen.

Daraus folgt zweierlei: Erstens muss Hartmann dringend wieder ausgezeichnet werden, der Deutsche Fernsehpreis als bester Schauspieler aus dem Jahr 2011 ist viel zu lange her. Und zweitens muss sich die ARD sofort dafür entscheiden, die bereits konzipierte vierte Staffel zu ordern: Wie sich dieser Falk Kupfer nach der Wiedervereinigung schlägt, ob dieser Mensch noch zur Verantwortung gezogen wird oder davonkommt, das muss bitte erzählt und von Hartmann gespielt werden. Am Ende wird es vielleicht doch noch eine hochrealistische Serie.


"Weissensee", ab Dienstag, 20.15 Uhr, ARD. Staffel 1 und 2 sind komplett in der Mediathek zu sehen, zudem die ersten beiden Folgen der dritten Staffel.

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Baywatch

"Hasselhoff zieht Bauch ein."

Baywatch Nights

"Hasselhoff zieht Bauch ein mit Jackett."



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
stefan.rosenberger.alzena 28.09.2015
1.
Der guten Ordnung halber: Die Brücke zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen heißt Bösebrücke, benannt nach Wilhelm Böse. Die darüber führende Straße heißt Bornholmer Straße.
gewi1 28.09.2015
2. Auch der guten Ordnung halber
besagte. Brücke. hieß zu Zeiten der DDR, Brücke. an der Bornholmer Straße. Zumindest. bei den "Zuständigen Organen".
stern4 28.09.2015
3.
Teil 1 und 2 fand ich toll. Freue mich auf Teil 3.
SeppPichl 28.09.2015
4.
Also die Teile 1+2 beschrieben einen Abschnitt des DDR Lebens recht anschaulich. Linken Kulturschaffenden muß es natürlich weh tun, wenn Sie sehen das der Stasi Apparat nicht viel besser als die Gestapo war. Die Methoden waren allerdings viel subtiler. Am Ende stand aber immer die Zerstörung von Menschenleben. Aber das wird nach 1989 genau so wie nach 1945 von Vielen gern verdrängt.
p.donhauser, 28.09.2015
5.
weissensee,go, trabi,go.sonst noch eine schmonzette?
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