Von Simon Broll
Sie legen tonnenweise Essensvorräte in Bunkern an, trainieren über Stunden ihre Schussfertigkeiten oder laufen mit Rucksäcken bepackt Geheimwege ab. Anhänger der Prepper-Bewegung in den USA sind überzeugt davon, dass die Welt kurz vor der Katastrophe steht. Erdbeben, Sonnenstürme und eine Hyperinflation bedrohen die Menschheit. Und nur wer vorbereitet ist, wird das Chaos überleben.
Die Reihe "Preppers - Bereit für den Weltuntergang" ist eine der bizarrsten Dokumentationen, die aktuell im deutschen Fernsehen läuft. Leider nur gegen Bezahlung: Wer hierzulande mitverfolgen möchte, wie Christopher aus Los Angeles als moderner Crocodile Dundee am Flussufer nach Nahrung sucht oder Dennis aus Colorado jedem seiner Kinder eine andere Fertigkeit beibringt, "damit der Clan autonom überleben kann", muss den National Geographic Channel abonniert haben.
Während Werbebranche und Zeitungen seit Monaten mit Apokalypse-Schwerpunkten aufwarten, herrscht im TV bislang wenig Endzeitstimmung. Doch damit ist am Freitag Schluss. Pünktlich zum letzten Tag des Maya-Kalenders am 21. Dezember haben gleich mehrere Sender Weltuntergangs-Programme vorbereitet. Für jeden Geschmack dürfte ein passendes Format zu finden sein.
Arte und 3sat : Der Untergang fürs Bildungsbürgertum
Wenn schon untergehen, dann richtig informiert: Der deutsch-französische Kultursender Arte legt Wert auf Faktentreue und analysiert einen Tag lang Vorhersagen zum Ende der Welt. Der Maya-Kalender wird um 15 Uhr in einem Beitrag hinterfragt. Zuvor erkundet das Wissensmagazin "X:enius" um 14.30 Uhr, warum Verschwörungstheorien Macht besitzen. In "Das Ende der Menschheit" (20.15 Uhr) hakt man per Rangliste die wahrscheinlichsten internationalen Desaster ab. Und sollte ein logisch denkender Gott die Katastrophe verhindern können, liefert eine Interview-Doku "99 Gründe, warum die Welt nicht untergehen darf" (15.55 Uhr).
Etwas reduziert in der Kost, dafür ebenso informativ wagt sich 3sat an die Thematik. Wurde der Untergang bereits am 16. Dezember mit einem "Endzeit"-Themenabend behandelt, erfolgt am Freitag der Nachruf. In einem Apokalypse-Special erforscht das "nano"-Team, wie realistisch die bekannten Szenarien sind (18.30 Uhr). Sicherheitshalber wird die Sendung von einem Heizungskeller aus moderiert - man weiß ja nie.
RTL II : Trash im Katastrophengenre
Roland Emmerichs Endzeitfilm "The Day After Tomorrow" ist schon zu seriös für diese Reihe: Bei RTL II erobern am Freitag trashige Desaster-Movie-Raritäten den Bildschirm. Was die Kollegen der Kulturkanäle mit wissenschaftlichen Beweisen relativieren, wird hier einfach vorgespielt: Klimakatastrophen, mystische Artefakte und elektromagnetische Strahlungen teilen sich die Programmzeit. Hauptsache, es knallt.
In "2012 - Das Jahr in dem die Erde gefriert" (20.15 Uhr) fliehen unbekannte US-amerikanische Darsteller vor der Eiszeit. In "Stonehenge Apocalypse" (22 Uhr) fliehen ihre noch unbekannteren kanadischen Kollegen vor Erdbeben, die durch Elektroströmungen aus dem britischen Stein-Grabmal verursacht werden. Die Spezialeffekte sehen genauso realistisch aus, wie die Handlung klingt. Wer nach dieser Trash-Erfahrung immer noch nicht genug hat, darf in "Turbulence" (23.50 Uhr) verfolgen, wie ein Flugzeug mit Gefängnisinsassen auf einen Windsturm zurast. Immerhin taucht mit Ray Liotta ("Good Fellas") ein halbwegs bekanntes Gesicht auf.
ZDF: Mit Spaß dem Ende entgegeneilen
Mehr Niveau verspricht das ZDF. Der Mainzer Sender wagt den Spagat zwischen Unterhaltungsshow und Informationsprogramm - und nimmt sich in puncto Lässigkeit ein Beispiel an seinem Digital-Format ZDFneo. Dieses lädt schon am Donnerstagabend und somit einen Tag zu früh zur "Großen Show zum Weltuntergang" (22.10 Uhr) mit dem Moderatoren-Duo Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, bei der prominenten Gästen und dem Studiopublikum die letzten Wünsche erfüllt werden sollen.
Auch der Hauptsender wählt ein kurioses Konzept, um am Tag der Apokalypse dem Ende entgegenzueilen. Das Team von "Abenteuer Forschung" plant um 23.15 Uhr ein Live-Special mit Korrespondenten, die berichten sollen, wie die vermeintlich letzten Minuten der Menschen in Frankreich oder in den mexikanischen Maya-Tempeln erlebt werden. Astrophysiker Harald Lesch und Kabarettist Christoph Süß kommentieren die Ereignisse im ZDF-Studio.
ARD und RTL: "Traumhochzeit" statt Untergangs-Blues
War da was? Anders als beim Zweiten setzt die ARD auf das Prinzip Schweigen. Nachdem das Hauptprogramm bereits im November mit der Themenwoche "Leben mit dem Tod" für Endzeitstimmung gesorgt hatte, soll im Advent nichts mehr die Vorweihnachtsfreude stören - Maya-Kalender hin oder her.
"Der kleine Lord" darf auch diesmal zur Hauptsendezeit um 20.15 Uhr das Herz seines Großvaters auf Schloss Dorincourt erweichen, während in den Dritten die beliebtesten Weihnachtslieder der Hessen (20.15 Uhr, HR) oder das SWR-Orchester mit besinnlichen Songs um Mitternacht zu hören sind.
Eine ähnliche Verleugnungstaktik ist bei den meisten Privatsendern zu beobachten. RTL spielt sogar komplett gegen den Trend und erweckt am letzten Tag der Menschheit einen alten Gassenfeger zum Leben. Zur Prime-Time will der Sender die erste Folge der neuen "Traumhochzeit" starten, mit Susan Sideropoulos und Yared Dibaba. Sollte die Sendung trotz junger Moderatoren ebenso aufgebaut sein wie die klassische Show mit Linda de Mol, dann hilft nur die Hoffnung, dass die Welt wirklich untergeht und uns vor weiteren Folgen erlöst.
Oder man schaltet einfach um. Es gibt ja noch anderes zu sehen. Auch am vielleicht letzten Tag unseres Lebens.
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